PRESSE/LGT-CEO im Visier deutscher Staatsanwaltschaft
Zürich (awp) – Der CEO der LGT Group, Prinz Max von und zu Liechtenstein, ist ins Visier der deutschen Ermittler geraten. Die Hamburger Staatsanwaltschaft geht einer Anzeige wegen schweren Betrugs im Zusammenhang mit der LGT Treuhand nach: Über Jahre hinweg sollen zu Unrecht Millionen an Gebühren geflossen sein, wie die «Financial Times Deutschland» (FTD – Ausgabe 03.12) schreibt.
Die Ermittlungsbehörde reagiert nach FTD-Angaben auf eine Strafanzeige eines ehemaligen Kunden der fürstlichen Bank. Die Behörde geht seit Ende November dem Verdacht auf schweren Betrug im Zusammenhang mit Stiftungen der ehemaligen LGT Treuhand nach, bestätigte die Staatsanwaltschaft entsprechende FTD-Informationen.
Die Verantwortlichen der LGT Treuhand sollen zu Unrecht über Jahre hinweg Gebühren für vermeintlich sichere Stiftungen kassiert haben. Der liechtensteinische Anwalt Helmut Schwärzler, Vertreter des Klägers, geht insgesamt von etwa 50 Mio CHF aus. Denn der Bank sei seit spätestens Januar 2003 bewusst gewesen, dass ihr ehemaliger Mitarbeiter Heinrich Kieber hochsensible Daten gestohlen hatte. Die Kunden wurden darüber aber nicht informiert. Erst als am 14. Februar 2008 die Staatsanwaltschaft den damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel aus seiner Villa abführte, waren die etwa 700 deutschen Kunden der LGT alarmiert.
Kieber hatte die Daten bereits 2002 gestohlen, im Januar 2003 versuchte er, das Fürstenhaus zu erpressen. Doch er wurde geschnappt und zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. Im Januar 2004 gab Kieber das Material an die LGT zurück. Die Bank sagt heute, sie sei davon ausgegangen, Kieber hätte keine Kopien erstellt. Ein fahrlässiger Trugschluss. Oder, wie Anwälte mutmassen, Kalkül, um weiter Kasse zu machen. «Hätte mein Mandant von dem Datendiebstahl erfahren, er hätte die Stiftung sofort aufgelöst», sagt Schwärzler. Stattdessen habe sein Mandant der LGT noch knapp 55’000 CHF an Gebühren gezahlt, für eine Stiftung, die nicht ihren Zweck erfüllte – nämlich Geheimhaltung.
An Brisanz gewinnt der Fall, weil die deutschen Steuerfahnder Prinz Max ins Visier genommen hatten. Er ist der zweitälteste Sohn von Fürst Hans-Adam und lebt mit seiner Familie in München. Unter den Daten befanden sich Dokumente über die Familienstiftung des Fürstenhauses. Zu den Begünstigten zählte auch der LGT-Chef. Die Stiftung des Fürsten wurde im Jahr 2003 aufgelöst, kurz nachdem das Fürstenhaus von dem Datendiebstahl erfuhr.
ps/ra