Expo.01 / 02: Begeisterung über die Verschiebung der Landesausstellung hält sich in Grenzen
Ohne grosse Begeisterung haben Parteien und Wirtschaft die Verschiebung der Expo mehrheitlich begrüsst. Expo-Führung und Standortkantone zeigten sich erleichtert und besorgt zugleich. Die SVP dagegen sprach von einem 'Abbruch auf Raten'.
Ohne grosse Begeisterung haben Parteien und die Wirtschaft die Verschiebung der Expo als einzigen vernünftigen Entscheid begrüsst. Die Expo-Führung und Standortkantone zeigten sich erleichtert und besorgt zugleich. Die SVP dagegen sprach von einem ‚Abbruch auf Raten‘.
Die Regierungsparteien:
Franz Steinegger, Präsident der Freisinnig-Demokratischen Partei FDP, bezeichnete die Verschiebung der Expo um ein Jahr als einzig sachgerechten Entscheid. Der Bundesrat habe Rahmenbedingungen geschaffen, um die Expo.02 zu realisieren, gleichzeitig aber die Hürden so gestellt, dass ein neues Fiasko rechtzeitig erkannt und verhindert werden könnte.
Auch die Christlich-Demokratische Volkspartei CVP begrüsste die Verschiebung, verlangte aber gleichzeitig eine schonungslose Aufklärung der politischen Versäumnisse, die das ganze Projekt an den Rand des Scheiterns gebracht hätten.
Ursula Koch, Präsidentin der Sozialdemokraten SP, sieht in der Verschiebung um ein Jahr vielleicht die einzige Möglichkeit, dass die Expo trotzdem so realisiert werden könne wie sie ursprünglich vorgesehen gewesen sei. Sie hoffe sehr, dass nun nicht am Inhalt der Landesausstellung herumgeflickt werde.
SVP-Präsident Ueli Maurer hätte einen Abbruch der Übung begrüsst. Der Entscheid des Bundesrates sei ein Kompromiss, der letztlich einen ‚Abbruch auf Raten» bedeute. An die Durchführung seien so viele Bedingungen geknüpft, dass man sie fast nicht erfüllen könne.
Die Wirtschaft:
Der Schweizerische Gewerbeverband stellte sich voll hinter die Expo.02, bedauerte die Verschiebung um ein Jahr aber ‚ein bisschen‘, wie Verbandsdirektor Pierre Triponez sagte. Der Bundesrat habe aber jetzt das längst fällige, klare Signal zur Durchführung gesetzt.
Vororts-Präsident Andres F. Leuenberger nahm mit Befriedigung vom bundesrätlichen Entscheid Kenntnis. Das geforderte Sanierungskonzept stelle allerdings verschiedene Probleme, die rasch geklärt werden müssten. So bedinge es erhebliche neue finanzielle Mittel sowohl seitens des Bundes als auch der Wirtschaft. An eine Redimensionierung ohne Attraktivitätsverlust glaube er nicht, sagte Leuenberger. Als neuen Hoffnungsträger für das Projekt Expo – ‚zumindest in einer ersten Phase‘ – brachte er alt Generalstabschef Arthur Liener ins Gespräch.
Für das Amt des Expo-Generaldirektors nicht mehr zur Verfügung steht der ehemalige Basler Messe-Chef Paul Wyss. Das Nein des 71-jährigen Hoffnungsträgers aus Basel erfolgte erwartungsgemäss auf die vom Bunderat bevorzugte Verschiebung des Projekts, wie das Sekretariat von Wirtschaftsführer Robert A. Jeker bestätigte. Wyss, der von Jeker portiert worden war, hatte die fristgerechte Durchführung der Ausstellung im Jahr 2001 zur Bedingung für seinen Einsatz gemacht.
Potenzielle Sponsoren für die Expo wie die Swissair, Roche und Migros sehen in der Verschiebung kein grundsätzliches Problem, zeigten sich aber leicht enttäuscht, dass der Bundesrat den Ball wieder an die Wirtschaft und die Expo-Leitung zurückspielte.
Die Expo-Leitung und Hayek:
Der Präsident der entmachteten Expo-Leitung, Francis Matthey, bezeichnete die vom Bundesrat gesetzten Bedingungen für eine Expo.02 als ‚ziemlich hart‘. Vizepräsidentin Elisabeth Zölch zeigte sich in erster Linie erleichtert, sprach aber ebenfalls von harten Bedingungen und von einem vernünftigen, aber auch sehr vorsichtigen Entscheid. Einen Ruck habe sie noch nicht gespürt. Für den künstlerischen Expo-Direktor Martin Heller sind auch nach dem Verschiebungsentscheid des Bundesrats viele Fragen offen geblieben, und zwar vor allem ‚auf dem Niveau des Konzepts und der Attraktivität‘. Mit einer Mischung aus Erleichterung und Besorgnis reagierten auch die Standortkantone. Nicht äussern wollte sich dagegen Swatch-Chef Nicolas Hayek. Für ihn sei die Angelegenheit mit der Ablieferung seiner Expo-Analyse erledigt, liess er ausrichten.
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