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Fünfte Schweiz stimmt für Liberalisierung

Die Auslandschweizer stimmten als Konsumenten ab. Keystone

Bei der Abstimmung vom Wochenende haben sich die Schweizerinnen und Schweizer im Ausland weniger liberalisierungs-skeptisch gezeigt als im Inland.

Ihr Ja zum Gentech-Moratorium war knapper, während sie den Sonntagsverkäufen in Bahnhöfen und Flughäfen deutlicher zustimmten.

«Die in den vier Kantonen eingeschriebenen Auslandschweizer haben nicht unbedingt so abgestimmt wie die Schweizer im Inland», sagte Rudolf Wyder, Direktor der Auslandschweizer-Organisation (ASO), gegenüber swissinfo. Das habe sich auch schon bei anderen Abstimmungen gezeigt.

Das Stimmverhalten im Ausland wird nur in den Kantonen Luzern, Basel Stadt, Genf, Waadt und Appenzell Innerrhoden gesondert ausgewiesen. Am Montag lagen die Angaben aus Appenzell noch nicht vor.

Obwohl die Ergebnisse aus den vier Kantonen nicht repräsentativ sind, lassen sie doch auf Tendenzen im Stimmverhalten von Schweizerinnen und Schweizern im Ausland schliessen.

In den Kantonen Luzern (50,5%), Waadtland (50,5%) und Basel Stadt (52,2%) lehnten diese das Gentech-Moratorium knapp ab. Im Kanton Genf dagegen wurde die Vorlage mit 62,3% der Stimmen angenommen. Mit 13’353 eingeschriebenen Auslandschweizern, eine der höchsten Quoten in der Schweiz, fallen die Resultate aus Genf besonders ins Gewicht.

Die deutliche Annahme in dem Kanton hob das gesamte Ergebnis der Auslandschweizer in den vier Kanonten auf 54,2% Ja-Stimmen. Gesamt-schweizerisch erhielt die Vorlage eine Zustimmung von 55,7%.

Deutliches Ja zum Sonntagsverkauf

Beim Sonntagsverkauf waren sich die im Ausland lebenden Schweizer der vier Kantone einig: Sie nahmen die Vorlage mit überwiegender Mehrheit an. In Luzern, Basel Stadt und im Waadtland sogar mit über 70%, während das Ergebnis für die ganze Schweiz nur ein knappes Ja von 50,6% ausweist.

«Das eindeutige Ja lässt sich vielleicht damit erklären, dass unsere Mitbürger im Ausland sonntags bereits einkaufen können und sie nicht einsehen, weshalb es in der Schweiz anders sein sollte», vermutet Wyder.

Das Argument der Gewerkschaften habe im Ausland nicht getragen, so Wyder weiter, und die Auslandschweizer hätten eher als Konsumenten gewählt.

Weiter weist er darauf hin, dass der politische und gesellschaftliche Kontext der Länder, in denen sie leben, auch einen Einfluss auf ihr Stimmverhalten habe. «Sie sind möglicherweise auch näher an der Position von Bundesrat (Regierung) und Parlament.»

Im Gegensatz zu den anderen drei Kantonen entsprach das Stimmverhalten der Genfer Auslandschweizer inetwa dem gesamtschweizerischen Ergebnis. Darin sieht Wyder einen Beweis dafür, dass eine Kampagne aus dem Heimatkanton trotzdem Einfluss auf die Stimmenden im Ausland haben kann.

Stimmbeteiligung

Die Stimmbeteiligung lag leicht höher als der schweizerische Durchschnitt von 41,6%. In Genf war sie sogar fast identisch mit dem Mittel. Damit zeigten die Auslandschweizer laut Wyder, dass sie «Schweizer wie andere Schweizer» seien.

Die ASO werde demnächst eine Kampagne lancieren, um die Auslandschweizer für ihre politischen Rechte zu sensibilisieren.

«Zum einen wollen wir sie dazu animieren, sich in den Stimmregistern ihrer Heimatkantone registrieren zu lassen. Zum anderen – und weitaus wichtiger – sollen sie ihre Rechte stärker nützen und sich am politischen Leben reger beteiligen», sagt Wyder.

swissinfo, Nicole Aeby

Stimmen aus der fünften Schweiz:

Genf: 62,3% für das Gentech-Moratorium (64,6% Ja-Stimmen im ganzen Kanton); 59,6% für den Sonntagsverkauf (55,1% Ja).

Waadtland: 50,5% gegen das Moratorium (62,6% Nein); 72,7% für den Sonntagsverkauf (54,3% Nein).

Luzern: 50,5% gegen das Moratorium (53,5% Ja); 70,3% für den Sonntagsverkauf (56,5% Nein).

Basel Stadt: 52,2% gegen das Moratorium (50,8% Ja); 71,9% für den Sonntagsverkauf (58,8% Ja).

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