Volksabstimmung vom 8. März: Soll Bargeld in der Verfassung verankert werden?
Am 8. März 2026 stimmt die Schweiz darüber ab, ob Bargeld in der Verfassung verankert und so dauerhaft geschützt werden soll. Zur Abstimmung stehen eine Volksinitiative und der direkte Gegenvorschlag des Bundesrats.
Wie wichtig ist den Schweizer:innen das Bargeld?
Laut einer aktuellen StudieExterner Link der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wird in der Schweiz immer seltener mit Münzen und Noten bezahlt. Während 2017 noch sieben von zehn Personen am Kiosk, im Restaurant und im Geschäft bar bezahlten, waren es im vergangenen Jahr nur noch drei von zehn – bei den 15- bis 34-Jährigen sogar weniger als zwei von zehn.
Debit- und Kreditkarten sowie digitale Anwendungen (namentlich Twint) sind auf dem Vormarsch. Auch bei der Post sind die Zahlungen am Schalter stark rückläufig und machen mittlerweile weniger als 1 % der Transaktionen aus, zugunsten digitaler Zahlungsmittel.
Doch auch wenn Schweizer:innen das Bargeld immer weniger nutzen – ganz darauf verzichten möchten sie nicht. Mehr als zwei Drittel der Befragten in der SNB-Studie möchten weiter die Möglichkeit haben, bar zu bezahlen. Weitere 25% der Befragten verwenden zwar selber kein Bargeld mehr, wollen es aber auch nicht abschaffen.
Bargeld ist und bleibt also beliebt. Und nicht nur das: Angesichts der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten gewinnt es sogar an Attraktivität, wie eine Studie von Edelmetallhändler Philoro Anfang 2025 bestätigt: 90% lehnen heute die Abschaffung von Bargeld ab, gegenüber 70% im Jahr 2023.
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Worum geht es bei der Abstimmung vom 8. März?
Das Schweizer Stimmvolk befindet am 8. März darüber, ob Bargeld und seine Verfügbarkeit in der Verfassung verankern werden sollen. Abgestimmt wird über eine Volksinitiative («Ja zu einer unabhängigen, freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)»)Externer Link und über den direkten Gegenvorschlag des Bundesrats.
Für den Fall, dass beide Vorlagen angenommen werden, müssen die Stimmberechtigten ankreuzen, welche der beiden Optionen umgesetzt werden soll – eine Zusatzfrage, die auf nationaler Ebene in den letzten fünfzehn Jahren nicht mehr gestellt wurde.
Wer steht hinter der Initiative und was fordert sie?
Eingereicht hat die Initiative die Freiheitliche Bewegung Schweiz (FBS)Externer Link. Die Bürgerinitiative hatte bereits eine Volksinitiative gegen die Impfpflicht lanciert, die letztes Jahr an der Urne jedoch Schiffbruch erlitt. Ohne Unterstützung einer politischen Partei wurden für die neue Initiative «Bargeld ist Freiheit», die 2023 eingereicht wurde, 137’000 Unterschriften gesammelt.
Die Initiative verlangt, dass Münzen und Banknoten stets in ausreichender Menge verfügbar sind und dass Volk und Kantone über jedes Vorhaben abstimmen, den Schweizer Franken durch eine andere Währung zu ersetzen. Beide Ideen sollen Artikel 99 der BundesverfassungExterner Link ergänzen, der sich mit der Währung und der Geldpolitik befasst.
Für Richard Kohler, Präsident und Gallionsfigur der Bewegung, verkörpert Bargeld Tugenden wie Freiheit, Unabhängigkeit und Sicherheit. An oberster Stelle stehe die Sicherheit angesichts der Gefahr von Computerausfällen oder Hackerangriffen, die Chaos zur Folge haben können. Bargeld ist auch eine Alternative zum digitalen Zahlungsverkehr für ältere Menschen oder Menschen, die diesen aus Gesinnungsgründen ablehnen.
Indem Einschränkungen für Bargeld oder dessen Abschaffung ausgeschlossen werden, möchten die Initiant:innen auch bewirken, dass die «permanente Überwachung unserer Ausgaben und Aktivitäten» unmöglich wird, ebenso extreme Entwicklungen wie das chinesische Sozialkreditmodell.
Was bezweckt der direkte Gegenvorschlag?
Sowohl Bundesrat als auch Parlament teilen grundsätzlich die Meinung der Initiant:innen zur Bedeutung des Bargeldes für die Schweiz und die Verwendung des Frankens als Landeswährung. Die Behörden weisen darauf hin, dass diese Frage zwar bereits in zwei Gesetzen geregelt ist, befürworten jedoch die Idee, alles auf Verfassungsebene zu heben.
Die Formulierung der Initiative hingegen wird als nicht angemessen erachtet. Der Gegenvorschlag soll die Anliegen der Initiative nun präzisieren: Der Text sieht vor, in Artikel 99 der Verfassung festzuschreiben, dass die schweizerische Währung der Schweizer Franken ist und die Schweizerische Nationalbank die Versorgung mit «Bargeld» anstatt mit «Münzen und Banknoten» (wie im Initiativtext) gewährleistet.
Auf diese Weise sollen präzise und bewährte rechtliche Regelungen zur Anwendung kommen, ohne dass der Bund der Nationalbank ins Gehege kommt.
Der Gegenvorschlag schreibt die Gewährleistung der Bargeldversorgung ohne weitere Präzisierungen vor, während die Initiative von einer «genügenden Menge» an Bargeld spricht.
Warum wurde die Initiative nicht zurückgezogen?
Den Initiant:innen geht der vom Bundesrat ausgearbeitete Gegenvorschlag zu wenig weit. «Wir können leider nicht bestätigen, dass die Politik verstanden hat, was wir fordern», ist auf der Website der FBS zu lesen.
Der Gegenvorschlag besagt: «Die Schweizerische Nationalbank gewährleistet die Bargeldversorgung.» Nach Ansicht der Initiant:innen bedeutet diese Formulierung jedoch nicht automatisch, dass die Banken der Gesellschaft weiterhin ausreichenden Zugang zu Bargeld bieten wird, selbst wenn die SNB dies den Banken entsprechend ihrem Bedarf gewährleistet. Ihrer Meinung ist es Aufgabe des Bundes, die Verwendung von Bargeld zu gewährleisten – nicht der Nationalbank, die dazu gar nicht in der Lage sei.
Die Initiant:innen stören sich beim Gegenvorschlag auch an der Bezeichnung «Bargeld», das die «Münzen und Banknoten» aus dem Initiativtext ersetzt. «Spitzfindige Juristen (…) könnten (…) irgendwann argumentieren, dass eine staatliche Digitalwährung (…), die sich Grundeigenschaften von Bargeld teilt, deren Geldeinheiten aber keinen physischen Körper aus Papier oder Metall besitzen, ebenfalls verfassungsgemässes Bargeld wäre.» Damit bleibe die Tür offen für die Einführung einer staatlichen Digitalwährung, die physisches Bargeld ersetzen soll.
Wer unterstützt was?
Die Ziele der Initiative werden weithin begrüsst, ihre Formulierung jedoch abgelehnt. Von den politischen Parteien wird sie nur von der SVP unterstützt. Der direkte Gegenvorschlag erhält fast einstimmig Zuspruch, wie das Vernehmlassungsverfahren gezeigt hat. Nach Ansicht des Bundesrats nimmt der Gegenvorschlag die Anliegen der Initiant:innen auf, beruht aber auf «präzisen und bewährten rechtlichen Regelungen».
Auch National- und Ständerat haben den Gegenvorschlag praktisch einstimmig angenommen. Im Nationalrat wurde unter anderem argumentiert, Bargeld könne dem digitalen Profiling, IT-Ausfällen und Online-Betrug entgegenwirken sowie Kosten für digitale Transaktionen in Handel und Gastronomie senken.
Der Gegenvorschlag wird auch von den Kantonen, den wichtigsten Wirtschaftsverbänden (Economiesuisse, Schweizerische Bankiervereinigung, Schweizer Bauernverband usw.) und den Gewerkschaften (SGB, Travail.Suisse usw.) unterstützt.
Editiert von Samuel Jaberg; Übertragung aus dem Französischen: Lorenz Mohler/cm
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