Schweizerischer Nationalpark lanciert Grossraubtier-Programm
Der Schweizerische Nationalpark hat ein Programm ins Leben gerufen, um das wissenschaftliche Verständnis für Grossraubtiere wie Wölfe zu verbessern. Ausserdem möchte er damit ein nachhaltiges Zusammenleben von Mensch und Grossraubtieren fördern.
(Keystone-SDA) Der Auslöser für dieses Programm war die Tötung des Fuorn-Wolfsrudels vor rund eineinhalb Jahren. Gegen diese hatten sich die Verantwortlichen des Schweizerischen Nationalparkes (SNP) erfolglos gewehrt.
Die Tötung der 15 Wölfe, die teilweise im Schweizerischen Nationalpark (SNP) im Engadin GR lebten, bedeutete nach Ansicht der Verantwortlichen der SNP «einen Rückschritt für den Naturschutz und die Forschung». «Wir konnten nur zwei Jahre lang Daten sammeln. Das ist zu wenig, um die tatsächlichen Auswirkungen des Wolfes auf die Umwelt zu verstehen», erklärte der Kommunikationsleiter des SNP, Hans Lozza, gegenüber Keystone-SDA.
Wölfe töteten zwei Rinder
Im Herbst 2024 hatte der Kanton Graubünden von Bern die Genehmigung erhalten, das Fuorn-Rudel zu regulieren. Die Wölfe hatten im Unterengadin zwei Rinder getötet. Der SNP forderte daraufhin mehr Zurückhaltung und Kooperation beim künftigen Umgang mit den Wölfen.
Dadurch entstand die Idee, das Programm «Nationalpark und Grossraubtiere» ins Leben zu rufen. Nun, nach einem Jahr Arbeit, ist man startbereit. «Ziel ist es, nicht nur mehr Toleranz zu schaffen, sondern auch dafür zu sorgen, dass sich die Ereignisse von vor eineinhalb Jahren nicht wiederholen.»
Lozza betont, dass es sich dabei nicht um eine Kritik an Kanton und Bund handle. «Als nationale Institution wollen wir einen Beitrag zur Verbesserung der Koexistenz zwischen Mensch und grossen Beutegreifern leisten, indem wir Forschung betreiben.»
SNP will andere Perspektive schaffen
Das Programm umfasst fünf Bereiche: Recht, Gesellschaft, Forschung, Monitoring und Herdenschutz.
In rechtlicher Hinsicht stellt sich der SNP die Frage nach der Gewichtung der Gesetze, wiederum ausgehend von den Erfahrungen mit dem Fuorn-Rudel. «Was ist, wenn sich das Bundesgesetz über den Schweizerischen Nationalpark und das Jagdgesetz in die Quere kommen?» fragt Lozza.
Die Vorschriften für das Reservat sehen vor, dass Flora und Fauna im SNP ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Nach Ansicht der Verantwortlichen kann diese Vorgabe nur dann erfüllt werden, wenn Tierarten – insbesondere jene, die einen Lebensraum benötigen, der über die Grenzen des Reservats hinausreicht – so behandelt werden, dass ihre natürliche Entwicklung ermöglicht wird.
Bevölkerung soll sensibilisiert werden
Das Programm zielt ausserdem darauf ab, die Bevölkerung zu sensibilisieren. In diesem Sommer und Herbst sind Exkursionen geplant, die von einer Mitarbeiterin des Parks geleitet werden.
Die Projekte haben keine zeitliche Befristung. «Für uns ist es wichtig, dass die Diskussion nicht nur auf die Schäden durch Grossraubtiere beschränkt bleibt, sondern auch die ökologische Bedeutung dieser Tiere berücksichtigt werden wird», so Lozza.