Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Tagelang an ein Bett gefesselt, nur mit den eigenen Gedanken als Unterhaltung? Das hört sich nach Folter an, ist aber gängige Praxis in Schweizer Psychiatrien. Die SRF-Recherche dazu ist belastend, deshalb habe ich Ihnen zur Aufmunterung zum Schluss des Briefings noch eine kuriose Geschichte mitgenommen.
Herzliche Grüsse aus Bern
Tagelang am Bett festgebunden, Haare abgeschnitten, mit Medikamenten ruhiggestellt: Zwangsmassnahmen in Schweizer Psychiatrien nehmen zu.
Ein Mann wird in einer psychiatrischen Einrichtung auf einem Bett festgebunden, weil er sich zuvor aggressiv verhalten hat. Sein Körper ist fixiert, die Gurte werden nur gelöst, damit er in Begleitung zur Toilette kann. Nach sechs Tagen wird er losgebunden. Am Tag danach kann er die Klinik verlassen.
Dieser Fall ist so in der Schweiz passiert, wie SRF Investigativ berichtet. Das Recherche-Team hat zwei weitere Fälle aufgedeckt, bei denen Zwangsmassnahmen angewendet wurden. Eine junge Frau wurde ohne Mitspracherecht zwangseingewiesen. Einer anderen wurden ohne Zustimmung die langen Haare abgeschnitten.
Die Schweiz belegt bei den Zwangseinweisungen in Europa den Spitzenplatz. Die Zahl der Zwangseinweisungen nimmt jährlich zu. Im Bericht von SRF Investigativ sagt ein Pflegefachmann, dass es in der Psychiatrie oft zu wenig oder schlecht ausgebildetes Personal gebe. Ein Wissenschaftler bestätigt dies und sagt, die Schweiz bräuchte einen Systemwandel mit besserer ambulanter Versorgung.
- Hier finden SieExterner Link die Recherche von SRF Investigativ.
- Unsere neuste Folge Let’s Talk dreht sich auch um das Thema Gesundheit. Thema waren die beiden Initiativen, welche die Gesundheitskosten in den Griff kriegen wollen.
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Die reiche Schweizer Geschichte von Marseille: Viele sind hierhin ausgewandert, andere sind gestrandet und geblieben.
Meine Kollegin Emilie Ridard hat letzte Woche den jährlichen Kongress der Schweizervereine in Frankreich besucht, und ich habe aus ihrer Berichterstattung viel gelernt. Zum Beispiel, dass es in Marseille einen Saal gibt, der mit seinen Kantonswappen an den Wänden und dem schweren Holzmobiliar aussieht wie eine historische Schweizer Amtsstube.
Denn die Stadt an der Mittelmeerküste hat eine Schweizer Vergangenheit, die bis mindestens ins 16. Jahrhundert reicht. Zum Ende dieses Jahrhunderts sind zahlreiche Schweizer:innen nach Marseille ausgewandert. Da sie gut ausgebildete Arbeitskräfte waren, hatten sie einen guten Ruf und wurden als Protestant:innen im Land geduldet, als ihre Religion eigentlich verboten war. Für andere war Marseille nicht das Ziel, doch das Ende einer Reise, die eigentlich in Amerika hätte enden sollen.
Heute gibt es in Marseille unter anderem eine Schweizer Fussballmannschaft, einen Turnverein und den Cercle Commercial Suisse. Am Kongress wurde jedoch nicht nur Geschichte doziert, die Anwesenden berieten auch über Geschäfte. Ein Projekt, das seit drei Jahren die Gemüter erhitzt hatte, wurde angenommen.
- Lesen Sie hier im Artikel von Emilie alles über den Kongress der Schweizervereine in Frankreich.
- Die Zahl der Auslandschweizer:innen hat wieder zugenommen – SWI-Artikel.
- Hier finden Sie alle unsere Geschichten über und für Auslandschweizer:innen.
Es passiert jeden Tag: Rassismus gegen schwarze Personen in der Schweiz.
Ein Fussballspieler des FC Saxon im Wallis wurde von einem Zuschauer mit Affenlauten verhöhnt und als «dreckiger Schwarzer» beschimpft. Als der Spieler sich verbal wehrte, erhielt er die rote Karte. Als Protest verliess sein Team geschlossen das Feld.
In der Schweiz gibt es fünf bis sechs Mal mehr Fälle von Anti-Schwarzen-Rassismus als Meldungen von antimuslimischen oder antisemitischen Vorfällen. Tut die Schweiz zu wenig, um diesen Rassismus zu bekämpfen? Diesem Thema widmet sich heute «dialog», die SRG-übergreifende Debattenplattform.
In einem Fernsehbeitrag aus dem Tessin erzählen junge Menschen, wie sie aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert und beschimpft werden. Eine Expertin erklärt, dass die Ursprünge für diese menschenverachtende Haltung im Kolonialismus liegen.
Was denken Sie über Rassismus in der Schweiz? Diskutieren Sie mit Leser:innen im In- und Ausland auf der mehrsprachigen Debattenplattform “dialog” der SRG.
- Im SRG-übergreifenden Angebot “dialog” finden Sie eine Auswahl an Beiträgen aus der ganzen Schweiz, die Ihnen einen Überblick zum Thema geben.
- Teilen Sie Ihre Meinung auf unserer mehrsprachigen DebattenplattformExterner Link.
- Drei schwarze Schweizer Jugendliche erzählen im BeobachterExterner Link über den Rassismus, den sie im Alltag erleben.
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Nach Thailand ausgewandert: Die wundersame Geschichte des teuersten Aargauer Nummernschilds.
Diese Schlagzeile hatte heute meine Aufmerksamkeit blitzschnell – und ich wurde nicht enttäuscht: «Was macht das teuerste Nummernschild in Thailand?» Beim Schild handelt es sich um «AG 55», das vor drei Jahren für 132’400 Franken versteigert wurde. Das ist der höchste Betrag, der im Aargau je für ein Nummernschild gezahlt wurde.
Seither hat es eine interessante Reise hinter sich, wie 20 Minuten berichtet. Denn statt an einem Auto präsentiert zu werden, wurde es bei Baden in der Limmat versenkt, wie die Aargauer Zeitung Anfang Jahr berichtete. Vermisst gemeldet wurde es nicht, der Halter oder die Halterin ist unbekannt.
Und nun ist das Schild in Thailand aufgetaucht. Das Bad in der Limmat hat es ziemlich ausgebleicht, aber es ist noch deutlich als solches erkennbar. Wie es im Artikel heisst, hat es jemand aus der Limmat geborgen und als Jux nach Thailand mitgenommen. Dort hat die Person einen Auslandschweizer besucht, der mit der seltenen Nummer ein paar Fotos gemacht hat. Die Person, die das Schild gerettet hat und der Auslandschweizer sind ebenfalls namentlich nicht bekannt.
- Lesen Sie hier bei 20 MinutenExterner Link die Geschichte von «AG 55».
- Wir von SWI swissinfo berichten auch über Thailand, zum Beispiel über die Steuerreform, mit welcher die Regierung das Steuerschlupfloch stopft.
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