Heute in der Schweiz
Liebe Schweizer:innen im Ausland
Kurz vor dem Wochenende wird es im Briefing etwas finanzlastig. Doch zuerst werfen wir einen Blick zurück auf 100 Jahre elektronische Medien in der Deutschschweiz.
Herzliche Grüsse aus Bern
Der Weg vom ersten Knistern im Radio bis zu den Streaming-Diensten von heute: Die elektronischen Medien in der Deutschschweiz feiern Jubiläum.
«Hallo, hallo! Radiostation Zürich»: Heute vor 100 Jahren wurden diese Worte in den Äther gesendet. Die Radiogenossenschaft Zürich startet als erstes Radio der Deutschschweiz und bringt die Welt direkt die Stuben der Schweizer:innen. Dieses Jubiläum nimmt SRF zum Anlass für eine Zeitreise durch 100 Jahre Radio- und Fernsehgeschichte.
Was ich zum Beispiel nicht wusste: Da sich zu Beginn nicht alle ein Radio leisten konnten, gab es Radiobauvereine, in denen das eigene Radio gebaut werden konnte. Zum Massenmedium schaffte es das Radio dann mit dem Aufkommen der Lautsprecher: Restaurants, Vereinslokale oder Coiffeursalons bespielten ihre Besucher:innen mit dem Rauschen aus den Boxen.
Während im Zweiten Weltkrieg die Bedeutung des Radios stark zugenommen hatte, erhielt es in den 1950er-Jahren Konkurrenz vom Fernsehen. Doch die Einführung der Flimmerkiste ging langsam voran. Neben topografischen Schwierigkeiten stand die Befürchtung im Raum, das neue Medium könnte Familienstrukturen zersetzen oder die Menschen zu «passiven Herdenwesen» machen.
- Wenn Sie sich für weitere Anekdoten interessieren: Wie sich die elektronischen Medien in den letzten 100 in der Schweiz Jahren entwickelt habenExterner Link, hat SRF anschaulich mit Ton- und Bildbeispielen aus den verschiedenen Epochen der Radio- und Fernsehgeschichte in der Schweiz zusammengetragen.
- Passend dazu: Unser Artikel zu 20 Jahre SWI swissinfo.ch von 2019, «Als die Stimme der Schweiz im Internet auftauchte».
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Bei den Lohnverhandlungen driften Schweizer Gewerkschaften und Arbeitgeber:innen weit auseinander.
Höhere Stromkosten, steigende Krankenkassenprämien und der Inhalt des Einkaufswagens reisst ein immer grösseres Loch ins Portemonnaie: Um die seit Jahren steigenden Preise zu kompensieren, fordern Schweizer Gewerkschaften Lohnerhöhungen von bis zu 5%.
Travail Suisse spricht etwa von einer “historisch schwachen Lohnentwicklung” in den letzten Jahren, welche auf die Inflation zurückzuführen sei. Diese habe besonders Geringverdienende härter getroffen, da Grundkosten wie etwa die Heizungs- oder Stromkosten für sie einen grösseren Teil des Budgets ausmachen als für Wohlhabende.
Arbeitgeber:innen lehnen die geforderte Lohnerhöhung bereits ab. Sie sei “überzogen”, sagt der Schweizerische Arbeitgeberverband und warnt, dass solche Lohnerhöhungen das Überleben einiger Unternehmen gefährden könnten.
Wie geht es nun weiter? Vor kurzem hat die Wirtschaftsforschungsstelle KOF eine Umfrage bei 4500 Unternehmen durchgeführt. Diese zeigt, dass in den nächsten zwölf Monaten in verschiedenen Branchen mit einem durchschnittlichen Nominallohnanstieg von 1,6% gerechnet wird. Mit wie viel mehr Lohn Arbeitnehmende in den einzelnen Brachen rechnen können, wird sich wohl noch zeigen.
- Mein Kollege Matthew Allen hat die wichtigsten Punkte zur Lohnrunde zusammengefasst.
- Lesen Sie dazu auch den Artikel «Warum hohe Löhne vielen in der Schweiz nicht mehr zum Leben reichen» meines Kollegen Domhnall O’Sullivan.
Transparenz in der Politfinanzierung: Wenn der ehemalige Chef gegen den früheren Arbeitgeber vorgeht.
Wer bezahlt wie viel für Abstimmungskampagnen oder Wahlkämpfe? Politkomitees und Kandidierende in der Schweiz müssen dies seit letztem Jahr transparent machen. Ob die Angaben stimmen, kontrolliert die Eidgenössische Finanzkontrolle mit Stichproben. Doch die Sache hat einen Haken: Das Ergebnis der Stichproben bleibt geheim.
Dagegen setzt sich Michel Huissoud ein, wie SRF heute berichtet. Bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren war er selbst Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle und forderte bereits damals Transparenz bei den Ergebnissen der Stichproben. «Wenn die EFK Fehler festgestellt hat, dann muss man das auch wissen», sagt Huissoud.
Huissod, heute pensioniert und freier Journalist, hat Anfang Jahr gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Einblick in die ersten Kontrollberichte zu den Politikfinanzen verlangt. Zwar erhielt er vor einigen Tagen Recht, doch die EFK will der Empfehlung nicht nachkommen und die Frage vor Gericht klären. «Unsere Auffassung ist, dass der rechtliche Rahmen der EFK nicht erlaubt, die Dokumente herauszugeben», sagt der Kommunikationschef. Der Fall kommt nun vor das Bundesverwaltungsgericht.
- Michel Huissoud gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, der frühere Direktor gegen seine früheren Mitarbeitenden. SRFExterner Link und der Tages-AnzeigerExterner Link haben zum Fall berichtet.
- Für die Wahlen letzten Herbst galten erstmals die neuen Transparenzregeln, wonach politische Parteien, Organisationen und Kandidierende ihre Budgets und Grossspenden offenlegen mussten. Lesen Sie im Artikel meines Kollegen Simon Bradley, welche Partei das meiste Geld für den Wahlkampf zur Verfügung hatte.
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Viele Armutsbetroffene beziehen in der Schweiz keine Sozialleistungen.
In der Schweiz ist jede zehnte Person von Armut betroffen. Rund ein Drittel von ihnen beziehen keine Sozialleistungen, obwohl sie eigentlich Anspruch darauf haben. Die Gründe für diese Nichtnutzung sind vielschichtig, wie SRF heute schreibt: das System wird zu schlecht verstanden, administrative Hürden, akute Überforderung oder die Angst vor Stigmatisierung.
Der Bund versucht zwar, verschiedene Akteur:innen zu vernetzen oder ein Armutsmonitoring zum Nichtbezug der Sozialleistungen aufzubauen, direkt gegen den Nichtbezug unternimmt er aber nichts. Die Vizedirektorin des Bundesamts für Sozialversicherungen sagt, den «Zugang und Kontakt zu den Behörden können nur die Kantone und Gemeinden verbessern».
Auf Kantonsebene berechnen sieben Kantone den Anspruch auf Prämienverbilligung direkt anhand der Steuer- und Registerdaten. Laut SRF liesse sich dieser Ansatz auf andere Sozialleistungen übertragen oder man könnte mögliche Anspruchsberechtige darauf hinweisen. Obwohl auf Kantons- wie auch auf Gemeindeebene gewisse Bemühungen bestehen, so scheinen viele Kantone keinen dringenden Handlungsbedarf zu sehen.
- Den ganzen Artikel finden Sie auf SRF NewsExterner Link.
- Aus dem Archiv: Vor einem Jahr hat mein Kollege Balz Rigendinger mit seinen Gästen über das Thema Armut in der reichen Schweiz diskutiert.
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