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Menschen halten in einer Bahnhofhalle eine Schweigeminute ab

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Die Schweiz hat heute einen nationalen Trauertag für die Opfer des Feuerinfernos von Crans-Montana begangen. Im ganzen Land läuteten um 14 Uhr die Kirchenglocken während fünf Minuten. In Martigny fand ein Gedenkgottesdienst mit rund 700 Personen statt, darunter auch die Staatspräsidenten von Frankreich und Italien.

Eine erfreuliche Meldung erreichte uns heute trotzdem: Die Schweizerische Nationalbank kann das Jahr 2025 mit einem provisorischen Gewinn von 26 Milliarden Franken abschliessen – auch dank des steigenden Goldpreises.

Herzliche Grüsse aus Bern

Ein Mann im Anzug sitzt in einer Reihe von Menschen, die weisse Rosen in ihren Händen halten
Der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard an der Gedenkfeier in Martigny. Keystone / Laurent Gillieron

Die Schweiz beging heute einen nationalen Trauertag für die Opfer des Feuerinfernos von Crans-Montana. Zahlreiche hohe Gäste aus betroffenen Ländern kamen dafür ins Wallis.

Um Punkt 14 Uhr läuteten die Glocken der Kirchen in der Schweiz für fünf Minuten. Das ganze Land beging eine Schweigeminute, Zugführerinnen und Zugführer betätigten die Lokpfeifen.

In Martigny, wo der offizielle Gedenkanlass durchgeführt wurde, nahmen neben Angehörigen der Opfer und zahlreichen Rettungskräften auch Bundespräsident Guy Parmelin, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella sowie weitere Gäste teil. Neun der zumeist sehr jungen 40 Todesopfer stammten aus Frankreich, sechs aus Italien. Von den 116 Verletzten befinden sich heute noch 83 in Spitälern im In- und Ausland.

«Wir alle haben eine moralische Verantwortung: Das Mindeste, was wir tun können, ist, uns im Namen der gesamten Gemeinschaft zu entschuldigen», sagte der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard.

Parmelin sagte in seiner Ansprache, die jungen Todesopfer hätten ihr Leben in einer Bar verloren, die den Namen «Das Sternbild» trug. «Sie werden fortan in unserer Erinnerung weiterleuchten», so der Bundespräsident vor den rund 700 Personen der Trauergemeinde in Martigny. «Unser Land verneigt sich vor dem Angedenken derer, die nicht mehr unter uns sind, und steht denen zur Seite, die vor einem langen Weg des Wiederaufstehens sind.»

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement prüft gegenwärtig, ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind, um die Opfer und ihre Angehörigen angemessen zu unterstützen, wie es heute mitteilte.

Ebenfalls heute Freitag wurden Jacques und Jessica Moretti, das Betreiberpaar der Bar «Le Constellation» zum ersten Mal als Verdächtige vernommen. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung gegen die beiden eröffnet. Gemäss Informationen von 24 Heures wurde Barbetreiber Jacques Moretti nach seiner Vernehmung in Untersuchungshaft genommen. Gestern war bereits bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft von Rom eine Untersuchung wegen Brandstiftung und fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit dem tödlichen Brand eingeleitet hat.

Kerzenmeer in Crans-Montana
Zeichen der Trauer in Crans-Montana: Während die Schweiz den nationalen Trauertag begeht, nehmen auch Schweizerinnen und Schweizer im Ausland Anteil. Keystone / Cyril Zingaro

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat eine globale Welle der Erschütterung ausgelöst, die weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Für die über 826’000 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer spielt die geografische Distanz in diesen Tagen keine Rolle; sie rücken emotional enger mit ihrer Heimat zusammen.

Das digitale Kondolenzbuch des Bundes hat sich zu einem weltweiten Mahnmal entwickelt. Ob aus Paris, New York, Bangkok oder Dubai – die Schweizer Diaspora nutzt digitale Kanäle, um ihre tiefe Verbundenheit auszudrücken. Viele empfinden den Verlust als persönlichen Albtraum, da sie den Ort ihrer Jugend zerstört sehen.

Bemerkenswert ist die Beständigkeit dieser Bindung: Selbst Nachfahrinnen und Nachfahren von Ausgewanderten in Chile nehmen Anteil. «Das zeigt: Die emotionale Brücke zur Schweiz bleibt selbst über Generationen hinweg bestehen», schreibt meine Kollegin Melanie Eichenberger in ihrem Artikel.

Gleichzeitig erschüttert das Inferno das Bild der Schweiz als «Land der Regeln». Dass ein solches Unglück 40 junge Leben forderte, führe das nationale System an seine Grenzen, wie Pauline Turuban und Balz Rigendinger in ihrem Artikel schreiben.

Viele Blumen und Kerzen unter einer Kuppel im Schnee vor einer abgeschirmten Bar, daneben ein Auto der Feuerwehr
Die Anteilnahme für die Opfer des Flammeninfernos in Crans-Montana ist gross. Im Hintergrund die Bar, in der es zur Katastrophe kam. Keystone / Jean-Christophe Bott

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana offenbart auch tiefe Risse im föderalen Sicherheitssystem der Schweiz und zeigt, wie löchrig die kantonalen Zuständigkeiten sind – etwa beim Brandschutz.

Der Fall «Le Constellation» verdeutlicht einen extremen Flickenteppich an Vorschriften für den Brandschutz in der Schweiz: Während im Wallis jährliche Kontrollen vorgeschrieben sind, sehen Kantone wie St. Gallen für Lokale unter 300 Personen gar keine regelmässigen Prüfungen vor, wie 20 Minuten schreibt. In Zürich oder Bern finden Kontrollen teils nur alle fünf bis zehn Jahre statt, was eine einheitliche Sicherheit in der Schweiz verunmöglicht.

Ein eklatantes Aufsichtsversagen verschärfte aber die Lage im Wallis: Der Kanton forderte fehlende Berichte von den Gemeinden bewusst nicht ein. «Er schonte sie unter anderem wegen geplanter Lockerungen», berichtet heute SRF News. Die Behörden agierten nach dem Prinzip, dass ein nicht erhaltener Bericht automatisch bedeute, dass alles in Ordnung sei. Eine Fehleinschätzung, die jahrelange Kontrolllücken kaschierte – und jetzt fatale Folgen hatte.

Die Behörden betonen, dass die Verantwortung allein bei den Betreibern liege. Kontrollen dienten primär dazu, die Eigenverantwortung zu prüfen, könnten aber vorsätzliche Mängel oder kurzfristige Änderungen, wie etwa verstellte Fluchtwege, kaum verhindern.

Schokolade, verpackt in Papier mit dem Design der Schweizer Banknoten
Die SNB serviert Bund und Kantonen dank ihrer Ausschüttungen auch diesmal wieder einen Geldsegen. Keystone / Peter Klaunzer

Die Schweizerische Nationalbank kehrt mit einem provisorischen Jahresgewinn von 26 Milliarden Franken für 2025 in die Gewinnzone zurück. Bund und Kantone können sich auf vier Milliarden Franken freuen.

«Bei der Schweizerischen Nationalbank hat ein wahrlicher Goldregen das Jahresergebnis verschönert», berichtet SRF News heute. Massgeblich für dieses Ergebnis sei ein Bewertungsgewinn von 36,3 Milliarden Franken auf den Goldbeständen.

Für die öffentliche Hand bedeutet dies eine Ausschüttung von insgesamt vier Milliarden Franken – eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Kantone wie das Tessin und Graubünden erhalten daraus geschätzt 110 beziehungsweise 62 Millionen Franken, was als wichtige Entlastung für deren Haushalte gilt, wie RSI Info schreibt.

Trotz der positiven Zahlen warnen Fachleute vor Euphorie: Die Bilanz bleibe extrem volatil, wie der Rekordverlust von 132 Milliarden Franken im Jahr 2022 eindrücklich gezeigt habe. Die Ausschüttungen an Bund und Kantone sind somit keine Garantie, sondern hängen stark von der unberechenbaren Weltlage und dem Goldpreis ab.

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