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TAGESÜBERBLICK WIRTSCHAFT

Dieser Inhalt wurde am 03. Mai 2010 - 18:09 publiziert

Bern (awp/sda)- Montag, 3. Mai 2010
EZB KNICKT EIN: Mit einer beispiellosen Ausnahmeregelung hilft die Europäische Zentralbank (EZB) dem krisengeschüttelten Griechenland. Die Notenbank akzeptiert ab sofort griechische Anleihen selbst dann als Sicherheit für EZB-Geld, wenn Ratingagenturen diese als Schrott bewerten. Damit sind Europas oberste Währungshüter eingeknickt: Die EZB hatte sich monatelang dagegen gewehrt, das hoch verschuldete Land als Sonderfall zu behandeln. Trotzdem begrüssen Experten den Schritt der EZB inhaltlich, da er das Athener Sparprogramm und die Finanzhilfen flankiert.
STÄRKERE KONTROLLE: Frankreich will Rating-Agenturen stärker kontrollieren. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagte, sie werde schon in den nächsten Tagen Schritte einleiten, um eine stärkere Kontrolle durch die französische Marktaufsicht AMF zu ermöglichen. Sie wolle damit sicher stellen, dass sich die Agenturen an "ethische Regeln bei Interessenskonflikten" hielten. "Man kann ein Land nicht 15 Minuten vor Handelsschluss herabstufen, und damit hastige Kauf- und Verkaufentscheidungen auslösen, die für die Stabilität des Marktes verheerend sind", sagte Lagarde dem Radiosender Europe 1,
NEUER BRANCHENFÜHRER: United Airlines und Continental Airlines schliessen sich zur weltgrössten Fluggesellschaft zusammen. Die beiden US-Unternehmen wollen in dem hart umkämpften Markt jährlich mehr als eine Milliarde Dollar sparen. Geplant sei "eine Fusion unter Gleichen", wobei United faktisch Continental für 3,2 Mrd. Dollar in Aktien übernimmt, teilten beide Airlines mit. Entstehen soll ein Unternehmen mit rund 29 Mrd. Dollar Umsatz, etwa 90'000 Mitarbeitern und knapp 700 Flugzeugen. Damit überflügeln die beiden Airlines den Weltmarktführer und heimischen Rivalen Delta. Geführt werden soll der neue Konzern von Continental-Chef Jeff Smisek. Die zwei Airlines sind bereits über das Luftfahrt-Bündnis Star Alliance miteinander verflochten, dem auch Lufthansa und ihre Tochter Swiss angehören.
STEUERAFFÄRE AUSGEWEITET: Die US-Behörden prüfen Tausende weitere mutmassliche Fälle von Steuerhinterziehung mittels ausländischer Bankkonten. In den kommenden Jahren würden neben den Hinweisen zu UBS-Kunden wohl zwischen 4000 und 7000 weitere Fälle untersucht, sagte Kevin Downing, hochrangiger Steueranwalt im US-Justizministerium, in Singapur. Diese Fälle basierten auf Informationen von kooperierenden Banken und Regierungen. Seitdem die Behörden der Steuerhinterziehung den Kampf angesagt hätten, sei ein Teil der Auslandsvermögen aus der Karibik in die Schweiz und nach Asien transferiert worden, erklärte Downing.
ALUINDUSTRIE MIT ABSATZEINBRUCH: Das Jahr 2009 hat sich für die Schweizer Aluminiumindustrie als harte Bewährungsprobe erwiesen. Die Absatzmärkte brachen dramatisch ein. Die Gesamtablieferungen inklusive Exporte der Walz- und Presswerke seien 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 18,6 Prozent auf 135'500 Tonnen eingebrochen, wie der Aluminium-Verband Schweiz mitteilte. Vor allem dank der Kurzarbeit sowie einem Lohnverzicht der Mitarbeiter von bis zu 10 Prozent hätten grössere Entlassungswellen vermieden werden können. Im ersten Quartal 2010 erholte sich der Verkauf von Aluminiumerzeugnissen immerhin leicht. Die Auftragseingänge seien um 14 Prozent gestiegen. Die Situation sei aber immer noch fragil, gab der Branchenverband zu bedenken.
POSTFINANCE WÄCHST WEITER STARK: Die PostFinance hat im ersten Quartal 2010 den Gewinn vor Steuern um 50 Prozent auf 130 Mio. Fr. gesteigert. Zurückzuführen ist das erfreuliche Ergebnis auf zwei Faktoren: Geringfügige Wertberichtigungen und höherer Zinsertrag. An Neugeldern flossen der Post-Tochter 7,1 Mrd. Fr. zu. Der Zuwachs sei Vertrauensbeweis in einer Zeit, in der "die Frage des Finanzpartners höheres Gewicht als vor der Finanzkrise hat". Die Kundenvermögen umfassten Ende März 80,3 Mrd. Franken. Die Zahl der Konten wuchs in den ersten drei Monaten um rund 39'000 zu und beträgt nun über 3,9 Millionen.
KOF SIEHT WENDE AUF DEM ARBEITSMARKT: Im dritten Quartal dürfte die Beschäftigung in der Schweiz wieder leicht steigen. Der entsprechende Indikator der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich erreichte im April einen positiven Wert von 2,9 Punkten. Im Januar hatte der Indikator noch bei -2 Punkten gestanden (Wert revidiert von -3,6 Punkten). Gut entwickelt sich die Lage insbesondere im Detail- und Grosshandel sowie in der Versicherungsbranche, wie die KOF mitteilte. Einzig im Gastgewerbe beobachtet die KOF keine Verbesserung.
SOLARZENTRUM ERÖFFNET: Der Industriekonzern Von Roll steigt in die Produktion neuartiger gedruckter Solarzellen ein. Dazu eröffnet das Unternehmen im thurgauischen Tägerwilen ein Kompetenzzentrum. Bis 2012 sollen am neuen Standort über 100 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das neue Kompetenzzentrum Solar ist auch zuständig für Forschung und Entwicklung, wie Von Roll-Chef und Verwaltungsratspräsident Thomas Limberger in Frauenfeld vor den Medien sagte. "Wir wollen die billigste Solarzelle produzieren", sagte Limberger.
DEUTLICH DEFIZITÄR: Die in Schwierigkeiten steckende Berner Maschinenfabrik WIFAG hat in den letzten 15 Jahren einen operativen Verlust von über 100 Mio. Fr. erlitten. Um den Betrieb auszulasten, wurden Maschinen für den Zeitungsdruck unter den effektiven Kosten verkauft. WIFAG-Verwaltungsratspräsident Götz Stein sagte auf Anfrage zu einem Artikel in der Zeitung "Der Bund" vom Samstag, der operative Verlust des Unternehmens liege nicht weit neben dem von der Zeitung genannten Betrag von 130 Mio. Franken.
FÜR GAV-VERLÄNGERUNG: Die Sozialpartner der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) haben gemeinsam beschlossen, den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) um zweieinhalb Jahre zu verlängern. Am 26. April hatten die Delegierten der Branchenkonferenz MEM-Industrie bereits einen entsprechenden Beschluss gefällt. Statt Neuverhandlungen des GAV sollten die Sozialpartner sich darauf konzentrieren, weitere Massenentlassungen und Betriebsschliessungen zu verhindern, schrieb damals die Gewerkschaft Unia.
ANPASSUNG AN EU: Die Wettbewerbskommission (Weko) will ihre Kriterien zu den so genannten Vertikalabreden revidieren. Sie sollen an Neuerungen im Recht der Europäischen Union angepasst werden. Zudem will die Weko mit der Revision ihre eigenen Leitentscheide berücksichtigen. Unter anderem büsste sie den Hersteller der Zahnpasta Elmex, Gaba International, mit 4,8 Mio. Franken, weil er lange Jahre den Import der günstigeren Elmex aus Österreich verhindert habe. Mit diesen Entscheiden habe die Weko die Anwendung des Rechts konkretisiert und Fallpraxis geschaffen, wie sie mitteilte. Zu der vorgeschlagenen Revision der Vertikalbekanntmachung können sich betroffene Kreise äussern. Die Vernehmlassungsfrist läuft bis am 28. Mai 2010.
COINTRIN MIT EINBUSSEN: Der Flughafen Genf hat im von der Krise geprägten Luftfahrtjahr 2009 einen leichten Umsatzrückgang auf 295 (Vorjahr: 301) Mio. Fr. verbucht. Der Gewinn sank von 60,9 auf 39,6 Mio. Franken, wie die Betreibergesellschaft AIG bekannt gab. Die Zahl der Passagiere erreichte beinahe das Rekordergebnis vom Vorjahr: 11,3 Millionen Personen (-1,7 Prozent) flogen via Genf-Cointrin. Dieser leichte Rückgang könne als gutes Ergebnis bezeichnet werden verglichen mit den Zahlen anderer Flughäfen, sagte AIG-Direktor Robert Deillon.
GEWINNEINBRUCH: Bei der Bank Crédit Agricole (Suisse) ist der Gewinn im Jahr 2009 um 36,9 Prozent auf 142,9 Mio. Fr. abgesackt. Grund seien krisenbedingte Rückstellungen, teilte die Schweizer Tochter der französischen Grossbank mit. Allerdings gingen auch die Erträge aus dem Bankgeschäft um 10,7 Prozent auf 706,4 Mio. Fr. zurück. Die verwalteten Vermögen weiteten sich innert Jahresfrist von 47 Mrd. auf 49,1 Mrd. Fr. aus, wozu inbesondere das Asiengeschäft beitrug. Zusätzlich zum Private Banking und dem Kapitalmarktgeschäft ist das Institut in der Banklogistik und im internationalen Rohstoffgeschäft aktiv.
SCHLECHTER START: Das israelische Medizinaltechnikunternehmen LifeWatch hat im ersten Quartal 2010 einen Betriebsverlust von rund 4 Mio. Dollar erzielt. Der Umsatz erreichte rund 22 Mio. Dollar. Das Ergebnis begründete LifeWatch mit der Haltung einiger privater Krankenversicherer, welche eine neue Abrechnungsmethode des Unternehmens abgelehnt hätten. Der Anbieter für drahtlose Herzfernüberwachungen senkte seine Erwartungen für den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr auf 100 bis 105 Mio. Dollar. Bislang hatte LifeWatch ähnlich viel umsetzen wollen wie 2009. Beim Betriebsgewinn (EBIT) stellt LifeWatch neu 1 bis 3 Mio. Dollar in Aussicht. Im 2009 hatte LifeWatch einen Umsatz von 123,1 Mio. Dollar und einen EBIT von 26,6 Mio. Dollar erzielt.
WIEDER SCHWARZE ZAHLEN: Die an der Schweizer Börse SIX kotierte Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures hat im Geschäftsjahr 2009/10 einen Reingewinn von 66,0 Mio. Fr. erzielt. Im Vorjahr hatte sie noch einen Verlust von 312,9 Mio. Fr. verzeichnet. HBM Bioventures hält drei Viertel seiner Mittel in Beteiligungen an kleineren Pharma- und Biotechfirmen.

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