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To Athena zelebriert die alte Magie des gemeinsamen Hinhörens

Keystone-SDA

Mit "Have I Lost My Magic?" ist der Künstlerin To Athena ein prunkvolles und zugleich nahbares Album gelungen. An sogenannten Pre-Listenings lässt sie ihr Publikum schon Wochen vor der Veröffentlichung an ihrer dritten Platte teilhaben - vor Ort und persönlich.

(Keystone-SDA) In Zeiten von flüchtigem Streaming ist es ein bewusster Gegenentwurf zum schnellen Skippen: Fans erhalten die Gelegenheit, ein neues Album schon vor der offiziellen Veröffentlichung zu hören – unter Gleichgesinnten, oft in Anwesenheit der Interpretin oder des Interpreten. Die Pre-Listening-Session hat sich zu einem Marketing-Tool etabliert.

In der Schweiz nutzten dieses Format bislang vor allem internationale Superstars oder eher deren Labels. Das strikte Handyverbot und die zielgruppengerechte Ästhetik trugen zum Erlebnis bei. Zum neuen Album von Nina Chuba liessen sich Handyketten und Freundschaftsbändchen basteln, zu jenem von Harry Styles traf man sich mit Cocktails auf der Tanzfläche.

Nun verbreitet sich die Publikumsbindungs-Formel auch unter Schweizer Künstlerinnen und Künstlern. Zwar werden weder Handys konfisziert noch Gäste auf versteckte Aufnahmegeräte abgetastet. Die Exklusivität ist dennoch gegeben.

Zusammen Musik hören

Zuletzt lud Tiffany Limacher alias To Athena nach Bern, um ihr noch unveröffentlichtes Album «Have I Lost My Magic?» zum ersten Mal der heimischen Hörerschaft zu zeigen. Gegen 250 Menschen versammelten sich in der Turnhalle des Kulturlokals Progr, um «einfach mal wieder zusammen Musik zu hören», wie es Limacher ihrem Publikum in Aussicht stellte.

Dabei gab die Luzernerin mehr preis als «nur» die Aufnahmen. Wer das Album in ihrer Gesellschaft hört, erhält Live-Kostproben, Einblick in die Musikvideos und ganz viel Kontext: Zu jedem der zwölf Tracks liefert sie eine Geschichte mit – von der Videoaufnahme am Nacktstrand und vom Seelenschmerz, der das Lied inspirierte.

An Seelenschmerz mangelte es Limacher im Entstehungsprozess nicht. Es gebe vieles zu verarbeiten, sagt sie, in dieser Zeit, «die schneller läuft als die Menschheit». Von entsprechend viel Bedrückendem singt To Athena auf ihrem dritten Album, das am 22. Mai erscheint. Es handelt von ihrem Burnout, von einer Trennung und vom Thema Kindesmissbrauch, das sie in «Ergendeinisch» beleuchtet – eines von vier gänsehautwürdigen schweizerdeutschen Stücken.

Das liegt am Inhalt, aber sicherlich auch an ihrer glasklaren, von Harfe und Streichinstrumenten getragenen Stimme. Ihre prägnante Pop-Klassik-Mischung schwankt irgendwo zwischen nostalgisch und «happy clappy», um es im Wortschatz der Künstlerin zu formulieren. Mit dem Titelsong, der an das Drama eines alten Disneyfilm-Intros erinnert, ist die Stimmung gesetzt.

Viele ihrer Stücke sind so aufwendig produziert, dass die Live-Variante auch mit neunköpfigem Orchester anspruchsvoll werden dürfte. «Das war so dumm», witzelt Limacher, und die Zuhörerschaft lacht mit ihr. Bestes Beispiel dafür ist die Singleauskoppelung «Shut The Door», ein üppiger Track über das Bedürfnis, die Welt für einen Moment anzuhalten.

Mit dem Herzen gehört

Trotz der thematischen Schwere führt To Athena ungezwungen durch den Abend. Sie lässt Raum für Trauriges, erzählt aber praktisch im gleichen Atemzug vom «Chäferfäst», das sie und ihr Team Anfang Jahr bei den Videoaufnahmen in Mexiko hatten.

Ihr dortiges Publikum hat das neue Album übrigens noch vor jenem in der Schweiz zu hören bekommen. Wobei der Inhalt wohl sprachbedingt auf der Strecke blieb. «Aber weisst du, hier hört man Musik mit dem Herzen», sei ihr mit auf den Heimweg gegeben worden – und sie brachte die Weisheit wiederum nach Bern, wo der Zuspruch mit wippenden Füssen ausgedrückt wird.

Ein Pre-Listening ist eine schöne Gelegenheit, um ein Album – wie früher – am Stück durchzuhören. Das Werk läuft höchstens Gefahr, das gleiche Schicksal wie der aus den Ferien mitgebrachte Wein zu erleiden: Zuhause schmeckt er halt doch nicht ganz so wie zwischen den fernen Reben. To Athena ist es jedoch gelungen, die Atmosphäre auf dem Album zu konservieren. Es lohnt sich, «Have I Lost My Magic?» nicht zu skippen.

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