Trump und Kuba: Was steht der Karibikinsel bevor?
Während in den USA über harte und weiche Szenarien für die Zukunft Kubas diskutiert wird, wächst auf der sozialistischen Karibikinsel die Unsicherheit über den weiteren Kurs des Landes.
(Keystone-SDA) Zuletzt verschärfte US-Präsident Donald Trump die Spannungen zwischen den beiden Ländern. In Washington, Miami und Havanna gibt es Stimmen, die sich unterschiedlich positionieren:
«Kuba ist als Nächstes dran»
Seit der kubanischen Revolution 1959 unter Fidel Castro hatten bereits 14 US-Regierungen mit Kuba zu tun. Ein Ende der kommunistischen Herrschaft konnte Washington bislang nicht erreichen. Weder verdeckte Einsätze noch Mordversuche oder das jahrzehntelange US-Handelsembargo führten bisher zum Sturz der Regierung.
Doch nun sagte Trump: «Ich glaube, ich werde die Ehre haben, Kuba zu übernehmen.» Kuba sei eine «wunderschöne Insel» und ein «gescheiterter Staat». «Ob ich es befreie, oder es übernehme. Ich kann alles damit machen, was ich will.» Nach Einsätzen in Venezuela und Iran sagt er: «Kuba ist als Nächstes dran.»
«Es muss sich nicht von heute auf morgen ändern»
Marco Rubio hoffte lange auf einen Machtwechsel in Kuba. Der Sohn kubanischer Einwanderer in den USA prägt inzwischen als US-Aussenminister massgeblich Trumps Kubapolitik. «Kubas Wirtschaft muss sich ändern, und das ist nur möglich, wenn sich das Regierungssystem ändert. So einfach ist das», sagte Rubio nach einem G7-Treffen in Frankreich. Beides ginge Hand in Hand: den Menschen wirtschaftliche und politische Freiheiten zu geben. Allerdings hatte Rubio im Februar angemerkt: «Es muss sich nicht von heute auf morgen ändern. Hier sind alle reif und realistisch.» Rubio führt bereits geheime Gespräche mit Havanna.
«Wenn die Macht beim Regime bleibt, ist das keine Reform»
In Miami, der Hauptstadt der Exilkubaner, stösst Trumps harter Kurs bei vielen auf Zustimmung. Die Hardliner verlangen einen Machtwechsel sowie Gerechtigkeit für Enteignungen und politische Verfolgung nach der Revolution. Die US-Abgeordnete kubanischer Herkunft, Maria Elvira Salazar, schrieb in der US-Zeitung «Miami Herald» über Trump: «Wenn jemand echte Veränderungen bewirken kann, dann ist er es.» Zugleich betonte Salazar: «Mit den Castros kann man nicht verhandeln.» Die Geschichte habe gezeigt, dass Havanna nie in gutem Glauben verhandele. Sie warnte zudem vor einer wirtschaftlichen Öffnung ohne politische Freiheit: «Wenn die Macht beim Regime bleibt, ist das keine Reform».
«Unser politisches System steht nicht zur Debatte»
Kuba schliesst einen Wechsel seines sozialistischen Modells kategorisch aus. Präsident Miguel Díaz-Canel sagte: «Unser politisches System steht nicht zur Debatte». Laut Vize-Aussenminister Carlos Fernández de Cossio ist Havanna zwar bereit, mit den USA über bestimmte Themen zu sprechen. Wichtigste Priorität sei allerdings: «Unser Volk davor zu bewahren, von einer ausländischen Macht eingenommen zu werden und es um Jahrzehnte zurückzuversetzen, in ein Kuba, das wir längst hinter uns gelassen haben.» Vor der Revolution galt Kuba als «Las Vegas der Karibik» mit Casinos, Nachtclubs und starkem Einfluss der Mafia. Mit Fulgencio Batista war ein autoritärer Präsident an der Macht. Neben grossem Reichtum einer kleinen Eilte herrschte auch weit verbreitete Armut.
«Welches Land noch übrig sein wird»
Die regierungskritische Journalistin Yoani Sánchez schreibt auf ihrem Portal «14ymedio»: «In Kuba geht es nicht nur darum, wann die Regierung fällt, sondern auch darum, welches Land noch übrig sein wird, wenn die Diktatur endgültig über uns zusammenbricht.» Kuba steckt in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit der Revolution – die Krise wird durch Trumps Ölblockade weiter verschärft. Der Strom fällt stundenlang aus.
«Ich empfinde ein hohes Mass an Unsicherheit»
Der Autor Leonardo Padura («Der Mann, der Hunde liebte») wanderte nie aus Kuba aus. In seinen Romanen thematisiert der 70-Jährige den äusseren Zerfall von Havanna und den inneren Zusammenbruch seiner Generation. Er empfinde derzeit «ein hohes Mass an Ungewissheit», sagte er der spanischen Zeitung «ABC». «Die Art und Weise, wie die US-Regierung sich verhält, hat dieses Gefühl geschaffen, nicht zu wissen, was passieren wird.» Was in einem Roman oder Film gut sei, sorge im Alltag, wenn es sich dort verstärke, für grosse Unruhe. «Derzeit könnte ich nicht sagen, was mit meinem Land, mit meinem eigenen Leben passieren kann».