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Ungeliebter Preis für Novartis und Bridgestone

Am Novartis-Sitz in Basel wird sich die Freude über den Preis wohl in Grenzen halten.

(Keystone)

Der Public Eye Award für das unverantwortlichste Schweizer Unternehmen geht an den Basler Pharmakonzern. International wurde der japanische Reifenhersteller "ausgezeichnet".

Als erste Firma gewann Coop den Public Eye Positive Award, und zwar für das Engagement im Bio-Bereich.

Die Public Eye Awards sind Preise, die kein Unternehmen will. Denn mit ihnen zeichnen die beiden Nichtregierungs-Organisationen (NGO) Erklärung von Bern (EvB) und Pro Natura seit 2004 Firmen aus, denen sie besonders unverantwortliches Handeln vorwerfen. Seit damals findet die Gegenveranstaltung am Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos statt.

Für die diesjährigen drei Public Eye Awards hatten NGO über 40 in- und ausländische Konzerne nominiert. Novartis erhielt den Public Eye Swiss Award, weil der Basler Pharmakonzern derzeit mit Patentklagen versuche, den Zugang zu bezahlbaren Generika in Indien und den Entwicklungsländern einzuschränken, so die Begründung der Organisatoren am Mittwoch.

Krebskranke ohne Medikamente

Novartis war von der indischen Krebshilfe nominiert worden. Deren Vorsitzender Yogenda Sapru liess in Davos in seiner "Laudatio" keine Zweifel daran, dass Novartis "durch seine Monopolpolitik in Indien mitverantwortlich ist für das Leid Zehntausender Krebskranker".

Der Public Eye Global Award ging an Bridgestone, weil auf den Gummiplantagen des Reifenmultis im westafrikanischen Liberia seit 80 Jahren sklavereiähnliche Zustände herrschten. Kinderarbeit und Öko-Desaster seien dort an der Tagesordnung.

Alfred Brownell, Präsident der NGO Green Advocates, deren US-Partnerorganisationen den japanischen Pneuproduzenten nominiert hatten, freute sich in seiner "Laudatio" über "dieses wichtige Zeichen, dass die Kultur der Ungestraftheit endlich zu Ende ist".

Premiere für "gute Nachricht"

Den ersten Public Eye Positive Award für eine vorbildliche unternehmerische Initiative erhält der Detailhändler Coop. Bioterra, die Schweizer Organisation für Garten, Konsum und Landwirtschaft, hat Coop für ihre mit dem Öko-Label Naturaplan lancierte Pionierleistung nominiert.

"Mit ihrem Markteintritt 1993 setzte Coop einen Meilenstein im Schweizer Biomarkt," sagte Bioterra-Präsident Johannes Pfenninger. Seitdem sei die Zahl biologischer Landwirtschaftsbetriebe auf heute über 6000 gewachsen.

Erstmals vergeben wurde in Kooperation mit agent-provocateur.ch zudem ein mit 3000 Franken dotierter Public Eye Film Award für den besten Videoclip zum Themenkomplex "Globalisierung und/oder Gerechtigkeit". Der siegreiche Spot von Sarah Kreuter und Urs Lehmann trägt den Titel "Dispersion".

Mit dem "Public Eye" wollen die Erklärung von Bern und Pro Natura in Davos eine Gegenöffentlichkeit zum WEF schaffen. Sie fordern zum Beispiel rechtlich verbindliche, internationale Regeln zur Unternehmensverantwortung.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Das Public Eye ist eine globalisierungskritische Veranstaltung.

Sie findet jeweils parallel zum WEF in Davos statt.

Diese Alternative zum WEF ist ein gemeinsames Projekt der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern und der Naturschutz-Organisation Pro Natura.

Das Public Eye fühlt sich mit dem Weltsozialforum (WSF) eng verbunden.

Dieses findet vom 20. bis 25. Januar 2007 in Kenias Hauptstadt Nairobi statt.

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MULTIS ALS ZIELSCHEIBE

Im Zentrum der Public Eye Awards stehen Grossunternehmen. In den letzten Jahren wurde etwa der Nahrungsmittel-Multi Nestlé kritisiert.

Nestlé erhielt 2005 den Publikumspreis der Public Eye Awards wegen eines Arbeitskonflikts in Kolumbien und dem aggressiven Vermarkten von Babynahrung. Der Multi halte sich nicht an die Regeln der Weltgesundheitsorganisation, hiess es damals.

Prominentester Award-Träger 2006 war Walt Disney. Dem Konzern wurden schwere Menschenrechtsverletzungen in seinen Zulieferbetrieben in Südchina vorgeworfen.

2006 war zum ersten Mal auch ein Positie Award verliehen worden. Er ging jedoch nicht an eine Firma, sondern an die mexikanische Gewerkschaft SNRTE und die deutschen NGO Germanwatch und FIAN.

Sie hatten sich gemeinsam erfolgreich gegen die widerrechtliche Schliessung einer Fabrik des Reifenmultis Continental in Mexiko gewehrt.

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