Solar Stratos Schweizer Stratosphären-Flugzeug beginnt mit Testflügen

Solar Stratos auf ihrem ersten Testflug.

Solar Stratos auf ihrem ersten Testflug.

(Keystone)

Nach drei Jahren Planungsarbeit hat ein Stratosphären-Solarflugzeug erste Testflüge in der Schweiz aufgenommen. Es hob vom Westschweizer Flugplatz Payerne ab.

Am Mittwoch startete Solar Stratosexterner Link, ein schlankes, nur 8,5 Meter langes Solarflugzeug, dessen Flügel mit 22 Quadratmetern Solarzellen bedeckt sind, erstmals in Payerne, Kanton Waadt. Nach einer Reihe von Rolltests – das bedeutet, der Zweisitzer wird am Boden mit verschiedenen Geschwindigkeiten durchgetestet – erreichte der Solarflieger mit Testpilot Klaus Plasa eine Flughöhe von 250 bis 300 Metern. Der Testflug dauerte 6 Minuten.

"Für mich und das gesamte Team ist das ein sehr aufregender Moment", sagte Raphaël Domjan, Gründer von Solar Stratus, gegenüber swissinfo.ch kurz vor dem ersten Start. "Aber wir sind ein wenig bange, weil wir sehen werden, ob all die Dinge, die wir in den letzten drei Jahren gemacht haben, funktionieren oder nicht."

Ende nächstes Jahr hofft der Schweizer Abenteurer und Projektleiter, das Solarflugzeug bis in die eisig kalte Stratosphäre auf 25'000 Meter über Boden zu bringen – das ist drei Mal die Höhe des Mount Everest. Es wäre eine historische Premiere für ein Solarflugzeug mit Elektromotoren.

Hürden

Doch vorher warten auf den 44-Jährigen noch einige hohe Hürden. Zwar ist Domjan ein erfahrener Pilot, der mit 15 Jahren anfing, Hängegleiter zu fliegen. Doch er muss nun im Flugsimulator lernen, das kleine Experimentalflugzeug am Boden und in der Luft zu navigieren. Denn viele Elemente von Solar Stratos, wie die Batterie, der Propeller und die Motoren, sind weiterhin in Entwicklung, was dem Projekt eine gewisse Unsicherheit gibt.

Diesen Sommer hofft Domjan, Schritt für Schritt Testflüge in mittlerer Höhe zu absolvieren. Später dieses Jahr soll dann ein Versuch gestartet werden, den Höhen-Weltrekord für bemannte Solarflugzeuge zu brechen. Dieser liegt bei 9235 Metern und wurde 2010 von Pilot André Borschberg mit Solar Impulseexterner Link realisiert.

Tatsächlich kommt das Projekt Solar Stratos nur einige wenige Monate nachdem die beiden Piloten Borschberg und Bertrand Piccard im Sommer 2016 mit Solar Impulse ihre historische Weltumrundung mit einem Solarflugzeug abgeschlossen haben.

Die Schweiz ist klein. Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass die beiden Piloten Piccard – aus Lausanne – und Domjan – aus Neuenburg – gute Freunde sind. Domjan plant denn auch, Solar-Impulse-Gründer Piccard einzuladen, gemeinsam mit ihm im Zweisitzer den Höhen-Weltrekord zu brechen.

Während der libellenförmige Solar Impulse II 22 Meter lang ist und über eine Flügelspannweite von 72 Metern verfügt, ist der Prototyp von Solar Stratos 8,5 Meter lang und hat 24,8 Meter Flügelspannweite. Er wiegt lediglich 350 kg, ein Klacks im Vergleich zu den 2300 kg von Solar Impulse II.

Auch die Kosten der beiden Flugzeuge sind sehr unterschiedlich: Solar Impulse kostete 172 Millionen Franken, während Solar Stratos weniger als 10 Millionen kosten soll.

Das Team von Solar Stratos schätzt, dass die Reise in die Stratosphäre und zurück rund fünfeinhalb Stunden dauern wird. Zweieinhalb Stunden bis nach oben, gefolgt von 15 Minuten bei vollem Sonnenschein im Sternenhimmel und drei Stunden Rückflug.

Mit dem Stratosphärenflug will Domjan zeigen, "welch erstaunliche Dinge heute mit Sonnenenergie erreicht werden können".

Geht alles nach Plan, denkt der Abenteurer bereits über den Stratosphärenflug hinaus. Domjan möchte kommerzielle Flüge in grosser Höhe anbieten und damit Ballonfirmen wie "Zero2Infinity" and "WorldView" Konkurrenz machen. Eine weitere Idee sind stratosphärische Solardrohnen, um Satelliten zu unterstützen oder ersetzen. Solche Drohnen werden gegenwärtig unter anderem von Facebook und Google entwickelt.

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