Zürcher Kantonsrat will Mann Wahl nicht wegen Geschlecht verweigern
Der Zürcher Kantonsrat hat einem Mann die Wahl nicht wegen seines Geschlechts verweigern wollen. Die SP hatte sich daran gestört, dass ein Mann eine Frau in der Berufsbildungskommission ersetzen sollte.
(Keystone-SDA) Es hätte ein Zeichen sein sollen, so sah es die SP. An den Kompetenzen von Christian Zehnder zweifelte am Montag niemand im Kantonsrat, auch die SP nicht. Der Regierungsrat hatte den Präsidenten des Fördervereins KV Zürich als Arbeitgebervertreter in die Berufsbildungskommission gewählt.
Doch für die SP lag das Problem woanders: Zehnder soll den Posten von der zurückgetretenen Vertreterin Anne Koller-Dolivo übernehmen. Das Geschlechterverhältnis wäre unausgewogen, die Partei forderte darum, die Wahl nicht zu genehmigen. Schon vor der Wahl standen sechs Männer drei Frauen gegenüber, monierte die SP.
Unterstützung fand die Partei bei der AL. David Garcia Nuñez (Zürich) wies darauf hin, dass im Jahr 2026 offenbar noch nicht alle Gremien etwas von Diversität und Gleichstellung gehört hätten. «Das Problem ist strukturell, wir wollen ein politisches Zeichen setzen», sagte er.
«Restlos überzeugt»
Die Bürgerlichen konnten mit der Forderung gar nichts anfangen. Sie wiesen unter anderem darauf hin, dass auch die Arbeitnehmer-Seite einen Unia-Mann in der Kommission habe. «Wir können einen geeigneten Kandidaten nicht ablehnen, weil er auf das falsche WC geht», sagte zudem Marc Bourgeois (FDP, Zürich).
Doch auch der politische Partner der SP, die Grünen, stellten sich gegen die Forderung. Wilma Willi (Stadel) sagte, ihre Partei sei «restlos überzeugt» von Zehnder. Die Abstimmung fiel dann mit 135 zu 37 Stimmen auch deutlich für den vorgeschlagenen Kandidaten aus.