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Ölpreis-Schock schickt Börsen weltweit auf Talfahrt

Keystone-SDA

Für die Aktienmärkte zeichnet sich erneut ein tiefroter Wochenstart ab. Die Rohölpreise sind über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen und schüren neue Sorgen unter Investoren.

(Keystone-SDA) Der Krieg im Iran hält mittlerweile nun seit gut einer Woche an. Eine klare Strategie zeichnet sich bislang nicht ab. Die Spannungen verschärften sich, nachdem im Iran am Montag der Sohn von Ajatollah Ali Khamenei, Mojtaba Khamenei, zum Nachfolger seines Vaters und damit zum Obersten Führer ernannt wurde. Dies signalisiere, dass die Hardliner in Teheran die Kontrolle behalten. US-Präsident Donald Trump hatte den Sohn als «inakzeptabel» bezeichnet.

Für den Schweizer Aktienmarkt deuten die vorbörslichen Indikationen beim Broker IG aktuell Verluste von 1,2 Prozent an. Ähnlich rasant dürften auch die wichtigsten europäischen Börsen starten. Die asiatischen Märkte haben bereits einen Vorgeschmack gegeben: Dort sackten etwa der koreanische Kospi oder der japanische Nikkei um 8,4, respektive 7 Prozent ab. Die Wall Street wird ebenfalls mit deutlichen Abgaben erwartet.

Ölpreis knapp unter 120 US-Dollar

Derweil kostet aktuell ein Barrel der Sorte WTI ebenso wie Brent um die 115 US-Dollar. Im asiatischen Handel stiegen die Brent-Futures kurzzeitig bis auf 119,04 Dollar und die US-Rohöl-Futures der Sorte WTI kamen auf ein bisheriges Hoch von 118,46 Dollar. Seit Beginn des Irankriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus inzwischen auf rund 50 Prozent: Ende Februar lag der Preis noch um die 70 Dollar pro Barrel. Auch die Spritpreise sind seither deutlich angestiegen. Für US-Präsident Trump stellt der Ölpreisanstieg ein kleines notwendiges Opfer.

«Der Wochenbeginn gestaltet sich volatil, da der Krieg im Nahen Osten weiter andauert und sich sogar verschärft», kommentiert Kyle Rodda von Capital.com. «Alle Seiten haben ihre Anstrengungen verdoppelt, und immer mehr regionale Akteure werden in den Konflikt hineingezogen.» Die strategischen Auswirkungen seien vielfältig. «Die Energieversorgung ist zunehmend bedroht, vor allem aufgrund von Störungen des Handelsverkehrs durch die Strasse von Hormus, aber mittlerweile auch zunehmend aufgrund von Angriffen auf die Energieinfrastruktur als Kriegstaktik.»

Euro/Franken unter 90 Rappen

Die zunehmende Verunsicherung hat auch weitere Auswirkungen auf den Devisenmarkt. So zieht der US-Dollar als Weltreservewährung weiter an. Gleichzeitig ist auch der Franken als ultimativer sicherer Hafen weiter gesucht. Dies hat zur Folge, dass das Euro/Franken-Paar am Morgen kurzzeitig unter die Marke von 90 Rappen gefallen ist. Das dürfte die Schweizerische Nationalbank weiter unter Druck setzen.

Die Weltwirtschaft sei weiterhin vom Öl- und Gasfluss durch die Strasse von Hormus abhängig, schrieb zuletzt Bruce Kasman, Chefvolkswirt von JPMorgan. Seiner Meinung nach könnte der Ölpreis kurzfristig auf bis zu 120 Dollar je Barrel anziehen. Sollte der Konflikt andauern, könnte der Ölpreis auch nachhaltig über 120 Dollar steigen und eine globale Rezession auslösen. Ein solches Szenario könnte das weltweite Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr um 0,6 Prozentpunkte drücken und die Konsumentenpreise um einen Prozentpunkt anheben, so Kasman.

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