Gigathlon zu Ende
Nach sieben Tagen extremer Leistung am Ziel: Der Single-Sieger des Expo-Gigathlon heisst Urban Schumacher. Und bei den Frauen Silvia Pleuler-Frey. Eine Reise an die eigenen Grenzen.
Das Duo hat sich damit auf imponierende Weise ein Denkmal in der boomenden Ultra-Ausdauer-Szene gesetzt. Vor der Schlussetappe hatten Schumacher und Pleuler-Frey mit weiteren Ateppensiegen ihre jeweilige Leaderposition ausgebaut.
«Es war körperlich und mental eine aussergewöhnliche Erfahrung. Ich bin glücklich, meine Kräfte rund um die Schweiz richtig eingeteilt zu haben», bilanzierte Schumacher. Und Pleuler-Frey erklärte: «Das Abenteuer und nicht der Sieg stand im Vordergrund.»
In 7 Tagen um die Schweiz
Warum war es gegangen? In 7 Tagen mit 5 Sportarten von der Expo.02 Stadt Yverdon rund um die Schweiz zurück ins Ziel in der Expo.02 in Biel. Gestartet worden war in so genannten Powerteams mit 6 bis 35 Mitglieder, in 5er-Teams oder als Single. Wer das durchgehalten hat, darf sich wohl zu den härtesten Sportlern und Sportlerinnen der Welt zählen.
Rund 10’000 Athleten und Athletinnen hatten sich angemeldet für den Extrem-Anlass mit dem 1477 Kilometer langen Parcours. Da ging es ums Schwimmen, Velo und Mountain-Bike fahren, um Inline-Skating und Laufen. Das Ganze war eine enorme Anforderung an den Körper. Man könnte sagen, es handelte sich um sieben aufeinanderfolgende Ironman-Wettkämpfe.
Keine schlimmen Zwischenfälle
Im Vorfeld des Expo-Gigathlon hatten sich denn Ärzte auch Sorgen um die Gesundheit der Athleten und Athletinnen gemacht. Eine der Gefahren, auf die aufmerksam gemacht wurde, war der Kalorien-Verbrauch, der höher sei als das, was ein Körper pro Tag durch Essen und Trinken ersetzen könne. Dazu kämen die Hartnäckigkeit, der Ehrgeiz, der den Menschen (und seinen Körper) über die Grenzen hinaus jagen kann.
Nach Abschluss des gigantischen Events kann man aber offenbar sagen, dass die Tour an die eigenen Grenzen ohne grössere Zwischenfälle zu Ende ging. Es gab zwar einige Verletzungen, so etwa 20 Knochenbrüche. Ansonsten aber ist das Ganze ziemlich glimpflich abgelaufen.
Auch die Ausfallquote war geringer als befürchtet. Zur Illustration: 84 der ursprünglich 157 Single-Männer und 4 von 6 Single-Frauen gingen am Schlusstag noch zum Start.
Informatiklehrer und Massage-Dozentin
Der 38 Jahre alte Schumacher aus Uster lief am Sonntag auf der letzten Etappe über 228 Kilometer von der Horwer-Bucht bei Luzern auf die Arteplage von Biel als fünfter ein. Dies reichte dem Zürcher Oberländer Port- und Informatik-Lehrer souverän zum Gesamtsieg.
Gesamtzweiter bei den Singles wurde der Finne Bennie Lindberg, der in der Endabrechnung knapp eine Stunde auf Schumacher einbüsste. Der Finne, ein früherer Langdistanz-Profi lobte Schumacher: «Er war perfekt organisiert. Und zudem war sein Lauftempo erstaunlich.»
Bei den Single-Frauen war die Vorentscheidung schon am Samstag gefallen, als der Vorsprung von Pleuler-Frey auf mehr als drei Stunden angewachsen. Krisen kannte die 42 Jahre alte Dozentin einer Masseur-Schule nach eigenen Angaben trotz mangelhafter Verpflegung kaum.
Begeisterung
In der Gunst der Sportler, aber auch der Zuschauer stand der Expo-Gigathlon weit oben. Gigathlon-Initiant Peter Wirz sprach zwar von einem einmalig bleibenden Event. Unterdessen heisst es aber, im Herbst wolle man bekannt geben, ob dereinst ein neues Projekt zur Debatte stehen könnte. Zahlreiche der Teilnehmern wünschten sich eine Fortsetzung.
Die Stimmung in den Etappenzielen war jeweils prächtig. Rund 3500 Zuschauer feierten die Gigathleten am Samstag bei der Ankunft in Luzern. Am Sonntag auf der Arteplage Biel wurde diese Zahl noch deutlich übertroffen. Und auch die Tages-Zusammenfassungen auf Fernsehen DRS stiessen auf überdurchschnittliches Interesse.
swissinfo und Agenturen
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