Importverbote als Vorteil für eigene Wirtschaft?
Russland und Argentinien haben den Import von Milchprodukten wie Schokolade und Käse aus der Schweiz verboten. Doch mit der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (MKS) hat diese Massnahe wenig zu tun, vermuten die Exporteure. Stattdessen gehe es um Wirtschaftsinteressen.
«Das Importverbot nach Russland ist wettbewerbsmässig motiviert», sagt Franz Urs Schmid von Chocosuisse, dem Verband Schweizerischer Schokoladefabrikanten, zu swissinfo. Das Verbot sei auf Verlangen des russischen Süsswarenverbandes ausgesprochen worden. Roland Sahli, Geschäftsführer der Käseorganisation Schweiz (KOS), sieht auch andere Gründe: «Eine Protektionismus-Absicht ist nicht auszuschliessen. Aber gerade Behörden, die nur wenig Mittel zur Importkontrolle aufbieten können, reagieren bei Seuchenalarm übervorsichtig.»
Von der Ungefährlichkeit ihrer Schokolade und des Käses sind beide Verbände überzeugt Genügend erhitzte Milch töte den MKS-Erreger, bestätigt auch Heinz Müller, Sprecher des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET). Selbst für den Fall, dass MKS-Erreger in den Exportprodukten überlebt hätten, gibt er Entwarnung: «Um die Seuche auszubreiten, müsste die Schokolade an Schweine oder Rinder verfüttert werden.»
Angst um Absatzmärkte
Trotzdem sorgen sich alle betroffenen Verbände und Behörden. «Argentinien ist unser wichtigster Markt in Südamerika», sagt Schmid. Im letzten Jahr wurden 216 Tonnen Schweizer Schokolade in Argentinien gegessen. Der argentinische Import-Stopp sei zudem bereits Resultat der BSE-Krise, und nicht der MKS-Ausbrüche. Auch KOS-Direktor Sahli befürchtet drastische Auswirkungen, sollten sich die Verbote ausweiten: «Wir würden auf unserer Ware sitzen bleiben.»
Alle Exporteure koordinieren ihr Vorgehen deshalb mit den Bundesstellen wie dem BVET und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco). Gegenwärtig würden jetzt die diplomatischen Kanäle ausgeschöpft und Verhandlungen geführt, verlautet aus der Bundesverwaltung. Bei den Schweizer Vertretungen von Argentinien und Russland war bis zum Wochendende für swissinfo niemand zu erreichen.
Philippe Kropf
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