Schweizer Männer arbeiten Vollzeit trotz Teilzeitwunsch – warum?
Eine Langzeitstudie der Universität Zürich zeigt, dass bei Männern aus der Wunschvorstellung Teilzeit nur selten Realität wird.
Die Studie
Für die Längsschnittanalyse wurden Daten aus den Jahren 2004 bis 2020 ausgewertet. So konnten die Forschenden nachvollziehen, wann Männer den Wunsch nach Teilzeit entwickeln und ob sie ihn dann tatsächlich auch umsetzen.
Die Erkenntnis: Jährlich hegen fast zehn Prozent der vollzeitarbeitenden Männer den Wunsch für eine Pensenreduktion, doch nur jeder Zehnte setzt dies dann auch um (die detaillierten Ergebnisse finden Sie hierExterner Link).
Die Entwicklung
Die Schweiz weist mit einer Teilzeitquote von 40 Prozent unter allen Erwerbstätigen den zweithöchsten Wert innerhalb der OECD auf. Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz gut ab.
Der Anteil teilzeitarbeitender Männer hat sich seit 2000 von rund zehn auf über 20 Prozent verdoppelt. Im OECD-Durchschnitt stieg dieser Wert im selben Zeitraum lediglich von acht auf knapp 13 Prozent.
Die Hürden
Die Studie identifizierte berufliche Normen als entscheidende Faktoren. In Berufen, die stark vom Leitbild des männlichen Familienernährers und einer hohen Erwartung an berufliche Hingabe geprägt seien, entwickelten nur wenige Männer den Wunsch nach Teilzeit oder setzten ihn um.
Umgekehrt steige die Zahl in Berufsfeldern, in denen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gefördert werde.
Die Einschätzung der Studienautoren
Es sei ein Rückgang des Standardmodells der Vollzeitbeschäftigung und ein Anstieg neuer Arbeitszeitmodelle zu beobachten, heisst es in der Studie.
Laut Studienleiter Jan Müller sind die Rahmenbedingungen für Männer, ihr Arbeitspensum zu reduzieren, hierzulande günstig. Die Vollzeit-Arbeitswoche von fast 42 Stunden mache eine Reduktion attraktiv. Zudem sei dies angesichts hoher Saläre finanziell oft realistischer als in anderen Ländern.
Das überraschende Beispiel
Ein Beispiel für einen Wandel der Normen sei der Arztberuf. Dort wechsle eine steigende Anzahl Männer in eine Teilzeitbeschäftigung.
Die Rolle des Mannes als Familienernährer habe dort an Bedeutung verloren, während die Work-Life-Balance höher gewichtet werde. «Das hat mich in einem Beruf, der bekannt ist für viele Überstunden, überrascht», wird Müller in der Mitteilung zitiert.
Der Ausblick
Die Studie zeige die Mechanismen auf, die die Zunahme der Teilzeitarbeit bei Männern beeinflussen. Müller betonte, dass die Verwirklichung von persönlichen Arbeitszeitpräferenzen Stress reduziere und die Gleichstellung stärke.
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