Die Fünfte Schweiz war mit der Ernährungsinitiative etwas gnädiger
Auch die Auslandschweizer:innen haben die beiden Vorlagen vom Sonntag deutlich abgelehnt – mit einer nachvollziehbaren Nuance.
Die eidgenössischen Abstimmungen vom Sonntag endeten mit einem wuchtigen Nein von über 70 Prozent für beide Vorlagen. Die Neutralitätsinitiative, die einen rigorosen Neutralitätsbegriff in der Bundesverfassung verankern wollte, wurde mit 70,2 Prozent der Stimmen und von sämtlichen Kantonen abgeschmettert.
Das Stimmverhalten der Schweizer:innen im Ausland war dabei nahezu identisch: In den zwölf Kantonen, für die das Bundesamt für StatistikExterner Link detaillierte Zahlen vorlegt, lehnten die Expatriierten die Initiative mit 70,4 Prozent ab.
Ein einheitliches Bild beim Thema Neutralität
Eine solche Übereinstimmung sei selten, stellt Agnese Zucca fest, Projektleiterin beim Forschungsinstitut gfs.bern. «Das sendet eine eindeutige Botschaft darüber, was die Bevölkerung in Bezug auf die Neutralität will – unabhängig davon, ob sie in der Schweiz oder im Ausland lebt», analysiert die Expertin.
Vom deutlichen Nein der Diaspora zeigt sie sich keineswegs überrascht: «Das entspricht dem üblichen Stimmverhalten der Auslandschweizer bei Vorlagen dieser Art, die die Aussen- und Sicherheitspolitik betreffen.»
Für Zucca ist vielmehr bemerkenswert, dass die Auslandschweizer:innen – die tendenziell urbaner und progressiver eingestellt sind und politisch weiter links stehen – die Initiative nicht noch deutlicher abgelehnt haben als der Rest des Landes.
Blickt man auf die Schweizer Städte, zeigt sich laut Zucca zwar ein differenziertes Bild, doch in einigen Städten lag die Zustimmung zur Neutralitätsinitiative noch weit niedriger als bei den Auslandschweizer:innen: In Basel gab es 19% Ja-Stimmen, in Zürich 17 und in Bern 11.
Ein «Gegenpol in Umweltfragen»
Auch die Ernährungsinitiative erlitt an der Urne eine herbe Schlappe. Landesweit legten 72,5% der Stimmberechtigten ein Nein ein; auch hier haben alle Kantone die Vorlage verworfen.
Doch bei der Fünften Schweiz fiel die Absage weniger drastisch aus: Knapp 37 Prozent der Auslandschweizer:inne unterstützten das Begehren – das sind 9 Prozentpunkte mehr als in der Gesamtbevölkerung.
Ein Ergebnis, mit dem das Institut gfs.bern gerechnet hatte. Die letzte SRG-Umfrage hatte genau diesen Wert von 37 Prozent Zustimmung unter den Auslandschweizern vorausgesagt.
Für Agnese Zucca gab es wiederum keine Überraschungen: «Nicht nur, weil wir wissen, dass die Auslandschweizer eher links stimmen, sondern auch, weil wir in den letzten Jahren eine ähnliche Dynamik beobachtet haben – etwa beim CO2-Gesetz, bei den Pestizid-Initiativen oder der Trinkwasser-Initiative.»
«Die Auslandschweizer besitzen eine erhöhte Sensibilität für Umweltfragen und bilden fast immer einen Gegenpol zur Bevölkerung im Inland», fasst sie zusammen.
Zucca ergänzt, dass die Grundanliegen der Initiative in der Schweizer Bevölkerung durchaus auf Zustimmung stiessen. Schliesslich gaben jedoch konkrete Fragen – etwa zur Finanzierung oder zur Umsetzbarkeit der Massnahmen – den Ausschlag zugunsten des Neins.
«Man kann davon ausgehen, dass die Auslandschweizer diesen Argumenten weniger ausgesetzt waren, aber auch, dass diese Einwände für sie weniger schwer wogen als für die im Inland wohnhafte Bevölkerung», so Zucca.
Durchschnittliche Stimmbeteiligung
Auf nationaler Ebene lag die Stimmbeteiligung bei 47 Prozent – ein Wert im eher unteren Durchschnitt. In den letzten fünf Jahren lag die mittlere Stimmbeteiligung bei 49 Prozent. Und auch die bisherigen Urnengänge in diesem Jahr waren auf grösseres Interesse gestossen. Bei den Auslandschweizer:innen betrug die Beteiligung 24 Prozent, was im normalen Rahmen liegt.
Die Neutralitätsinitiative sei der Haupttreiber dieser Abstimmung gewesen, sagt Zucca. Doch schon die ersten Umfragen hätten gezeigt, dass sie vor allem im Wählersegment der SVP mobilisieren würde. «Später wurde recht schnell klar, dass die Initiative nicht mehrheitsfähig war, was vermutlich erklärt, warum sie keine hohe Stimmbeteiligung auslösen konnte.»
Editiert von Katy Romy, aus dem Französischen übertragen von Marc Leutenegger
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