Diese Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Revolutionen sind selten in der Schweiz. Auch diese Woche erzählt die Nachrichtenlage mehr von einem Land der Kontinuität als des Aufbruchs. Vom ersten Wahlbarometer für die Eidgenössischen Wahlen 2027 über Debatten zu Digitalisierung und innerer Sicherheit – der Wandel scheint sich in gemessenen Schritten vorwärtszubewegen.
Viel Spass beim Lesen!
Das erste SRG-Wahlbarometer für die Wahlen 2027 zeigt wenig Bewegung im Kräfteverhältnis zwischen den grossen Parteien.
Die SVP bleibt mit 29,9 Prozent der Stimmabsichten klar an der Spitze und würde ihr Ergebnis von 2023 sogar noch verbessern. Auch die SP festigt ihren zweiten Platz mit 19,3 Prozent – das wäre ihr bestes Resultat seit fast zwanzig Jahren.
Die traditionellen bürgerlichen Parteien hingegen setzen ihren langsamen Abstieg fort. Die FDP würde auf 13,3 Prozent zurückfallen, die Mitte auf 12,6 Prozent. Die Mittepartei bleibt damit hinter ihrem freisinnigen Rivalen – ein Rennen um den dritten Platz, das in Bern aufmerksam verfolgt wird. Langfristig könnte dieses Ranking nämlich die Sitzverteilung im Bundesrat beeinflussen.
Bemerkenswert ist auch, was das Barometer über die Grünparteien verrät: Sie profitieren kaum vom Comeback der Klimasorgen. Trotz Hitzewellen, Dürren und Bränden, die den Sommer 2026 geprägt haben, legen die Grünen nur leicht auf 10,3 Prozent zu, die Grünliberalen erreichen 7,1 Prozent. Beide Parteien scheinen ihren Rückgang gestoppt zu haben – ohne jedoch an die Dynamik früherer Wahlen anzuknüpfen.
Bei den Sorgen der Bevölkerung dominieren die Krankenkassenprämien klar. Dahinter folgen der Klimawandel und die Asylpolitik. Die Einwanderung, die bei den Wahlen 2023 noch die Debatten beherrschte, ist heute weniger zentral in den Köpfen der Wählerinnen und Wähler.
Die Schweiz will Minderjährige auf sozialen Netzwerken und grossen digitalen Plattformen besser schützen.
Der Bundesrat hat diese Woche einen Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung geschickt, der den Tech-Konzernen neue Pflichten auferlegen würde. Die Plattformen sollen unter anderem ihre Meldemechanismen verbessern, mehr Transparenz zeigen und verstärkte Schutzmassnahmen für junge Nutzerinnen und Nutzer ergreifen.
Die radikalste Option – ein generelles Verbot sozialer Medien für Minderjährige – wurde verworfen. Während mehrere Länder deutlich strengere Massnahmen beschlossen haben oder prüfen, lehnt der Bundesrat eine systematische Altersverifikation oder ein allgemeines Nutzungsverbot für Junge ab. Dieser Ansatz gelte als schwer umsetzbar und datenschutzrechtlich problematisch.
Diese Haltung spiegelt eine typisch schweizerische politische Tradition wider: Statt zu verbieten, setzt man auf die Stärkung der Eigenverantwortung der Plattformen. Der Entwurf setzt auf Prävention, Transparenz und Schutzmechanismen – nicht auf pauschale Verbote.
Dennoch reiht sich die Schweiz in eine internationale Regulierungswelle ein. Lange hatte sie auf die Selbstregulierung der grossen Plattformen gesetzt; nun erkennt sie an, dass soziale Medien erhebliche Auswirkungen auf junge Menschen haben können. Die Debatte dreht sich damit weniger um das Ob als um das Wie – um die richtige Balance zwischen Jugendschutz und individuellen Freiheiten.
Eine Recherche britischer Medien behauptet, der FIFA-Präsident habe zahlreiche nicht deklarierte finanzielle Vorteile erhalten. Die Enthüllungen machten rasch die Runde in der internationalen Presse und befeuern die Kritik am Schweizer Verbandschef erneut.
Laut der Recherche sollen sich die Vorteile auf über 1,76 Millionen Dollar belaufen. Die Journalisten hinterfragen ausserdem Büroräume, die die FIFA im Trump Tower in New York gemietet haben soll, die aber weitgehend ungenutzt geblieben seien. Die Enthüllungen werfen neue Fragen zur Führung des Verbands auf – und zu Infantinos Beziehungen zum Umfeld von Donald Trump.
Die neuen Vorwürfe reihen sich in eine bereits lange Liste von Kontroversen ein. Seit der Fussball-Weltmeisterschaft in den USA hat die Kritik an der als übertrieben empfundenen Nähe zwischen Infantino und Trump zugenommen. Sein Eingreifen zur Annullierung einer Roten Karte gegen einen amerikanischen Spieler sowie Pläne zur Teilprivatisierung bestimmter FIFA-Aktivitäten hatten bereits für Aufruhr gesorgt.
Trotz dieser wiederholten Kontroversen verfügt Gianni Infantino über starken Rückhalt im Weltfussball. Die Ausweitung der Wettbewerbe und das kräftige Wachstum der FIFA-Einnahmen haben seine Position bei zahlreichen nationalen Verbänden gestärkt. Angesichts der Präsidentschaftswahl, die im März in Marokko stattfinden soll, lässt sich kaum sagen, dass die neuen Enthüllungen seine Chancen auf ein weiteres Mandat ernsthaft gefährden.
Die Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich weiterhin sicher – aber etwas weniger als früher.
Die diese Woche veröffentlichte Studie Crime Survey 2025 der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Universität St. Gallen zeigt: Die Kriminalität ist zwischen 2022 und 2025 gestiegen, das Sicherheitsgefühl gesunken. Nach Einbruch der Dunkelheit fühlen sich noch 83,1 Prozent der Befragten in ihrem Quartier sicher – gegenüber 87,6 Prozent drei Jahre zuvor.
Besonders deutlich ist der Anstieg bei Betrugsfällen. Rund 16 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen zwölf Monaten Opfer eines Betrugs geworden zu sein – gegenüber 8,4 Prozent in der vorherigen Erhebung. Auch Vermögensdelikte nehmen zu, sowohl in der Polizeistatistik als auch bei den nicht gemeldeten Fällen.
Mehr Schweizerinnen und Schweizer als zuvor empfinden die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum als unzureichend, und die Angst, auf der Strasse Opfer einer Straftat zu werden, wächst ebenfalls.
Die Forschenden mahnen jedoch zur Gelassenheit. Trotz der Verschlechterung gilt die Schweiz weiterhin als sicheres Land, und das Vertrauen in die Polizei bleibt hoch. Die Studie zeigt damit weniger einen Kipppunkt als eine stille Erosion eines Sicherheitsgefühls, das lange als selbstverständlich galt.
Und hier noch unser Ausblick auf die kommende Woche.
Der Abstimmungskampf im Hinblick auf die eidgenössischen Volksabstimmungen vom 29. November nimmt weiter Fahrt auf. In Bern sind für die kommende Woche mehrere Medienkonferenzen geplant – unter anderem zur Volksinitiative der Mitte zur Besteuerung von Ehepaaren und zur Initiative zur Einschränkung von Feuerwerk.
Am Dienstag stellt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine neue Version von Alertswiss vor, die einfache Sprache integriert. Ziel ist es, Notfallinformationen für Menschen mit Verständnisschwierigkeiten zugänglicher zu machen.
Am Montag gedenkt die Schweiz des 25. Jahrestags des Brands im Gotthard-Strassentunnel, bei dem elf Menschen ums Leben kamen. Die Katastrophe hatte die Schweiz tief erschüttert und zu einer Reihe von Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit in den Alpentunneln geführt.
Am Mittwoch startet im Bundeshaus die zweite Session von Menschen mit Behinderungen, organisiert von Pro Infirmis. Wie bei der ersten Ausgabe werden Menschen mit Beeinträchtigungen im Nationalratssaal debattieren, um ihren Anliegen im politischen Diskurs der Schweiz Gehör zu verschaffen.
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