BANKEN/DE: Privatbanken warnen vor zu viel Bürokratie bei Beraterregister
BERLIN (awp international) – Die privaten Banken machen Front gegen das geplante Register für Anlageberater. Mit der von der Finanzaufsicht Bafin geführten Datenbank sollen Fehler bei der Geldanlage von Kunden eingedämmt sowie Beschwerden wegen Falschberatung erfasst werden. «Wir brauchen kein datenschutzrechtlich zweifelhaftes Beraterregister und aufgeblähte Bürokratie», sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Hans-Joachim Massenberg, am Montag in Berlin zu Plänen der Bundesregierung für ein Anlegerschutzgesetz.
Das Verbraucherministerium wies die Kritik als «nicht nachvollziehbar» zurück. «Die erzielten Verbesserungen sind ein erster Meilenstein», sagte ein Ministeriumssprecher. Mit der Pflicht zu Beratungsprotokollen und Beipackzetteln für Finanzprodukte habe das Ministerium zwei Kernforderungen auf den Weg gebracht und dringe nun auf mehr Verbraucherschutz bei der Finanzaufsicht. «Wir setzen dabei auf die Unterstützung der Banken.»
Der Bankenverband kritisierte, dass im Regierungsentwurf für die Kreditwirtschaft geplant sei, mehr als 300.000 Bankmitarbeiter in dem Register zu erfassen. Ausserdem würden die Institute verpflichtet, in einem aufwendigen Verfahren sämtliche Beschwerden von Wertpapierkunden an die Bafin zu übermitteln. «Ausgerechnet» der bisher kaum regulierte «Graue Kapitalmarkt» solle nicht von der BaFin, sondern von Gewerbeaufsichtsämtern überwacht werden.
Als Alternative schlägt der Verband vor, dass Banken der Bafin regelmässig Bericht erstatten über Beschwerden. «Offenkundig schwere Beratungsfehler oder auffällige Häufigkeiten bei Beschwerden werden wir in Zukunft der Bafin sofort direkt melden», sagte Massenberg. Die Aufsicht könne dann auf die in Banken vorhandenen Informationen zurückgreifen, um gegebenenfalls zu reagieren. «Ein flächendeckendes Register brauchen wir dafür nicht.»
Auch der Verband unterstütze die Ziele, dass Bankmitarbeiter in Beratung und Vertrieb sachkundig sind, sagte Massenberg. «Doch alle diese Ziele lassen sich mit weit weniger einschneidenden Mitteln als bislang vorgesehen erreichen.»/sl/vr/DP/edh