Basel-Stadt gibt Überreste indigener Ahnen nach Chile zurück
Der Kanton Basel-Stadt gibt zwei Skelette und einen Schädel von Kawésqar-Vorfahren nach Chile zurück. Regierungspräsident Conradin Cramer (LDP) hat anlässlich dieser Restitution am Donnerstag eine Delegation dieser indigenen Gemeinschaft im Rathaus empfangen.
(Keystone-SDA) Die Basler Regierung hatte auf Antrag des Naturhistorischen Museums, der Museumskommission und des Rektorats der Universität Basel diese Rückgabe beschlossen, wie das Präsidialdepartement (PD) mitteilte. Das kantonale Museumsgesetz schreibt einen solchen gemeinsamen Antrag vor.
Die Provenienzforschung im Nathurhistorischen Museum Basel klärte die Herkunftsgeschichte der menschlichen Überreste. Die Basler Sammler Arnold Masarey (1881–1953) und Ludwig Paravicini (1868–1953) erwarben sie anfangs 20. Jahrhundert in Patagonien. Sie schenkten sie dem damaligen Museum für Völkerkunde. Heute befinden sich die Knochen im Naturhistorischen Museum.
Das Forschungsteam konnte in Zusammenarbeit mit indigenen Partnern die kolonialen Aneignungsumstände aufzeigen, wie es im Communiqué heisst. Auch konnten sie nachweisen, dass die indigenen Gemeinschaften damals keine Zustimmung zum Kauf gaben. In den Augen der Kawésqar handelt es sich nicht um menschliche Überreste, sondern um Personen, die auch heute in einer fortbestehenden spirituellen Beziehung zu ihren Nachfahren stehen.
Wiederherstellung der Würde
Basel-Stadt wird die Überreste in Abstimmung mit den indigenen Gemeinschaften nach Punta Arenas überführen. Dort werden die Nachfahren über eine angemessene letzte Ruhestätte entscheiden.
Für die betroffenen indigenen Familien stelle diese Restitution nicht nur die Rückkehr ihrer Vorfahren dar, sondern auch einen «wichtigen Schritt zur Wiederherstellung ihrer Würde,» zur Anerkennung des Fortbestehens der Kawésqar und zum «Aufbau einer dauerhaften Vertrauensbeziehung mit den beteiligten Institutionen», schreibt das PD.
Die Kawésqar blicken auf eine über 6000-jährige Geschichte zurück. Sie sind eine Gemeinschaft von Seenomaden in den Kanälen und Fjorden des «Kawésqar Wæs», seit der Kolonisierung bekannt als das westliche Patagonien im heutigen Chile. Durch die Kolonisation wurden die Kawésqar stark dezimiert.