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Bezirksgericht Bülach verurteilt Duo für Überfälle auf Dating-Opfer

Keystone-SDA

Das Bezirksgericht Bülach hat am Donnerstag die Urteile gegen einen 30-jährigen Schweizer und einen 23-jährigen Brasilianer verkündet. Sie lockten homosexuelle Männer gezielt in Hinterhalte und raubten sie aus

(Keystone-SDA) Der 23-jährige Brasilianer wurde zu einer Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren verurteilt, wie die Richterin am Donnerstag bei der Urteilseröffnung ausführte. Da es sich bei bandenmässigem Raub um eine sogenannte Katalogtat handelt, ordnete das Gericht zudem einen Landesverweis von acht Jahren an.

Der junge Mann, der über eine Niederlassungsbewilligung verfügt und in der Schweiz lebt, wird durch diese Massnahme hart getroffen. Das Gericht betonte jedoch, dass das öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Täters seine persönlichen Interessen überwiege.

Der 30-jährige Schweizer, ein gelernter Informatiker, erhielt eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren. Beide Männer wurden des mehrfachen bandenmässigen Raubs sowie weiterer Delikte schuldig gesprochen.

Damit blieb das Gericht unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die im Februar noch Strafen von bis zu 11,5 Jahren gefordert hatte.

Die «Romeo»-Falle

Die Taten folgten einem perfiden Muster: Im Herbst 2023 kontaktierten die Beschuldigten ihre Opfer über die Dating-Plattform «romeo.com». Der 30-jährige Schweizer fungierte dabei meist als Lockvogel und vereinbarte Treffen für angebliche sexuelle Handlungen gegen Entgelt.

Anstatt der versprochenen Treffen erwartete die Opfer jedoch Gewalt. Die Geschädigten wurden in abgelegene Waldgebiete gelockt. Dort lauerte der 23-jährige Komplize, maskiert mit einer Sturmhaube und bewaffnet mit einer Soft-Air-Pistole.

Die Richterin hob hervor, dass das Duo arbeitsteilig vorging: Während einer die Szene mit dem Mobiltelefon beleuchtete, übte der andere massive Gewalt aus.

Massive Gewalt für minimale Beute

Das Ausmass der Gewalt stand in keinem Verhältnis zur Beute, die oft nur wenige hundert Franken betrug. In der Verhandlung war teilweise umstritten, welcher der beiden Täter für die körperlichen Übergriffe verantwortlich war. Das Gericht folgte hierbei jedoch der Anklage und sah es als erwiesen an, dass beide die Gewaltbeiträge des jeweils anderen billigten.

Ein Geschädigter erlitt eine Gehirnerschütterung, Rippenfrakturen sowie diverse Rissquetschwunden und war über zwei Wochen arbeitsunfähig. Einem anderen Opfer wurde die Mündung der Pistole an die Schläfe gedrückt, während es am Boden liegend getreten wurde. In einem weiteren Fall wurde ein Opfer gezwungen, sich bäuchlings auf den Boden zu legen, bevor ihm Bargeld und Portemonnaie geraubt wurden.

Geplanter Tresorraub und weitere Delikte

Das Duo plante Ende September 2023 zudem einen noch schwerwiegenderen Überfall. Sie beabsichtigten, ein früheres Opfer erneut in eine Falle zu locken, mit massiver Gewalt zur Herausgabe eines Tresor-Codes zu zwingen und die dortigen Inhalte zu rauben.

Da die Männer jedoch bereits unter polizeilicher Observation standen, konnten sie am 28. September 2023 festgenommen werden, bevor der Plan ausgeführt wurde. Bei der Verhaftung trug der 30-Jährige die Soft-Air-Pistole und eine Sturmhaube bei sich.

Das Urteil des Bezirksgerichts Bülach ist noch nicht rechtskräftig. Es kann ans Obergericht weitergezogen werden.

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