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Verkehrspläne des Bundes stossen im Kanton Bern auch auf Kritik

Keystone-SDA

Die vom Bundesrat am Mittwoch vorgestellten Eckwerte für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur bis ins Jahr 2045 betreffen auch verschiedene Berner Projekte. Auf Kurs ist der kombinierte Bahn- und Stromtunnel durch die Grimsel. Autobahnausbauten rufen in rotgrünen Kreisen Kritik hervor.

(Keystone-SDA) Erstmals legte der Bundesrat seine Absichten für Bahn, Strasse und Agglomerationen in einem gemeinsamen Papier zur Vernehmlassung vor. Für die Bahn will der Bundesrat per 2030 eine Verbesserung der Verbindung von Biel nach Lausanne und Genf, wie er vor den Medien bekanntgab.

Per 2035 fasst der Bund einen Viertelstundentakt zwischen Zürich und Bern und einen Halbstundentakt zwischen Bern und Luzern ins Auge.

Bis 2045 sollen verschiedene Bahn-Grossprojekte hinzukommen. Dazu gehört auch der Grimseltunnel. Im Bauwerk sollen Bahn und Hochspannungsleitung gebündelt werden. Der Bundesrat erwartet von den betroffenen Kantonen, dass sie aufzeigen, wie sie die Potenziale des Tunnels durch eine proaktive Raumplanung und Standortentwicklung nutzen möchten.

Der Bundesrat möchte das Tunnelprojekt, das die Kantone Bern und Wallis verbindet, in seine Angebotsbotschaft 2027 aufnehmen.

Bypass Bern-Ost ohne Zeithorizont

Das Nationalstrassennetz will der Bundesrat in den nächsten Jahrzehnten schrittweise weiterentwickeln. Berner Projekte sind im Zeithorizont bis 2045 keine enthalten.

Von seiner To-Do-Liste gestrichen hat der Bundesrat unter anderem den Sechsspurausbau zwischen Schönbühl und Kirchberg und ein Projekt zwischen Muri und Rubigen.

In einem Ausblick mit Realisierungshorizont 2055 nennt der Bundesrat hingegen den Achtspurausbau auf der Autobahn zwischen Bern-Weyermannshaus und Wankdorf sowie das Projekt Wankdorf-Schönbühl.

Der Bypass Bern-Ost, bei dem die Berner Stadtautobahn zwischen Bern und Muri auf einer Länge von knapp fünf Kilometern unter dem Boden verschwinden sollte, wurde hingegen in eine Kategorie mit ungewissem Zeithorizont verschoben.

Bei den Agglomerationsprogrammen räumt der Bund dem Umfahrungsprojekt Hasle bei Burgdorf hohe Priorität ein. Es soll als Teil des Gesamtprojekts «Verkehrssanierung emmentalwärts» durch den Bund unterstützt werden.

Kanton Bern eher zufrieden

Der kantonale Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) zeigte sich mit den Verkehrsinfrastrukturplänen des Bundesrats grundsätzlich zufrieden. Sein Stadtberner Pendant Matthias Aebischer (SP) hingegen war frustriert.

Der Kanton begrüsst es laut Neuhaus, dass die Nationalstrassen im Raum Bern ausgebaut werden. Doch er «überschäumt nicht vor Freude», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dies insbesondere mit Blick auf die niedrige Priorisierung des Bypass Bern-Ost. Wichtig sei nun aber, dass das Projekt überhaupt weiterverfolgt werde, so Neuhaus.

Was den Zugverkehr betrifft, wird in der Region unter anderem der Grimseltunnel vorangetrieben. In den Augen von Neuhaus mache dies «absolut Sinn». Mit der Grundlagenplanung zu einer durch den Tunnel führenden Hochspannungsleitung sei man «gut unterwegs».

Stadt Bern konsterniert

Konsterniert zeigte sich hingegen die Stadt Bern. Sie kritisierte den fehlenden Austausch mit dem Bund. Die Stadt habe erst zum Zeitpunkt der Medienkonferenz am Mittag von den Plänen des Bundesrats erfahren, sagte Verkehrsdirektor Matthias Aebischer auf Anfrage.

Die Stadt habe seit einem Jahr gewusst, dass das Projekt Bypass Bern-Ost heruntergestuft werden könnte. «Ich rechnete aber nicht damit, dass ein Projekt, an welchem zehn Jahre gearbeitet wurde, einfach auf die lange Bank geschoben wird.» Es sei faktisch ein Projektabbruch.

Für die Berner Verkehrsprojekte der nächsten Jahrzehnte trete das schlechteste Szenario ein, schrieben SP, Grünes Bündnis, Grüne Freie Liste und die Grünliberalen sowie die Organisationen VCS, Pro Velo, Fussverkehr und Läbigi Stadt in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Bund gehe «über die Köpfe der Bevölkerung hinweg und an den Klimazielen vorbei».

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