Bushs Freund in Bern
Der US-Senat hat Mercer Reynolds III als neuen Botschafter in Bern bestätigt. Der 55-Jährige Geschäftsmann aus dem Bundesstaat Ohio ist ein enger Freund und Wahlkampfhelfer von Präsident George W. Bush. Er soll sein Amt am 20. August antreten.
Reynolds und sein Geschäftspartner William DeWitt gehören zum exklusiven Club der «Regents», jenen spendablen Wahlkampfhelfern, die mehr als 250’000 Dollar für die Wahlkampagne von Bushs Republikanischer Partei aufbrachten.
Zusammen mit ihren Frauen leiteten sie auch das Komitee für Bushs viertägige Inaugurationsfeier und sammelten dafür 40 Mio. Dollar. Mercer Reynolds und seine Frau Gabrielle haben fünf Kinder.
Investment-Firmen
Reynolds wurde 1946 in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee geboren und schloss die University of Tennessee-Chattanooga mit einem Masters Degree in Business Administration ab. In den späten 60er Jahren zog er nach Cincinnati, wo er für die Coca-Cola Bottling Corp. und später für die Investment Bank Gradison & Co arbeitete.
1979 gründete er mit DeWitt die Investment-Firma Reynolds DeWitt & Co., die sich schnell einen Ruf als tüchtige, risikofreudige Investment-Bank erarbeitete. Die beiden haben seit über zwanzig Jahren fast nur gemeinsam in Projekte investiert und sich sorgfältig aus dem Scheinwerferlicht gehalten.
Nach Angaben des «Cincinnati Enquirer» investierten die beiden in so unterschiedliche Firmen wie drei Baseball-Teams, Restaurants, Teppich-Geschäfte, das Newport Aquarium oder Taft Broadcasting.
«Keine politischen Tiere»
«Wir sind keine politische Tiere», sagte Reynolds während des Wahlkampfs dem «Gannett News Service», «aber George W. Bush ist ein Freund, den ich immer unterstützen würde». Verschiedene Medienberichte bezeugen, dass Reynolds und DeWitt nicht an eigenem Ruhm interessiert gewesen seien.
Sie hätten aus der Überzeugung gearbeitet, dass Bush «ein guter Präsident für die USA» sei und «dieses Land wieder vereinen kann». Der Kongressabgeordnete Rob Portman aus Ohio sagt über die beiden: «Aus meiner Sicht sind Mercer Reynolds und Bill DeWitt die besten Freunde, die Bush je hatte.»
Bush und der zukünftige Botschafter hatten sich 1982 auf einer republikanischen Benefiz-Veranstaltung kennengelernt. DeWitts Cousin, ein Geologe, hatte für Bush, der damals mit seiner Firma Bush Exploration noch im Öl-Business war, Bohrlöcher gedrillt und ihm die beiden Investment-Banker vorgestellt.
Politisch unbeschriebenes Blatt
Dass der neue Botschafter politisch ein eher unbeschriebenes Blatt ist, macht der Schweizer Regierung keine Sorgen. Es sei nicht neu, dass amerikanische Präsidenten Freunde zu Botschaftern in der Schweiz ernennen, hiess es im März beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).
Die Berufung nach Bern gelte oft als Dank für eine erbrachte Unterstützung. Zudem sei der direkte Draht zwischen Präsident und Botschafter ein Vorteil, wenn Probleme auftreten.
swissinfo und Agenturen
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