Kritik an Paketabwürfen
Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für Ernährung, fordert den sofortigen Stopp des Abwurfs von Lebensmittel-Paketen über Afghanistan. Die Glaubwürdigkeit der Humanitären Hilfe sei sonst gefährdet.
Neben Angola sei Afghanistan zudem das Land mit den meisten Personenminen, erklärte Ziegler am Dienstag vor den Medien in New York. Es bestehe eine grosse Gefahr, dass Menschen, welche die Nahrungspakete einsammeln wollten, auf Minen treten könnten. Dies sei bereits vorgekommen, sagte Ziegler. Angaben zur Zahl der Opfer konnte er jedoch nicht machen.
Anstelle der sieben Millionen hungernden Afghanen würden mit den Abwürfen sehr oft die Taliban bedient. «Der Mann mit der Waffe nimmt sich die Nahrung», sagte Ziegler.
Wintereinbruch
In zwei Wochen halte der Winter in Afghanistan Einzug. Danach könnten die bereitstehenden Lastwagen mit Hilfsgütern nicht mehr ins Landesinnere vordringen. Seine persönliche Sicht sei deshalb, dass die Bombardierungen sofort aufhören müssten, sagte Ziegler.
Gegenüber amerikanischen Medienvertretern betonte der Schweizer, die Stellung des Sonderberichterstatters sei von der Position der UNO unabhängig. Es sei sein Mandat, seine Einsichten öffentlich kund zu tun.
Ziegler präsentiert am Freitag der UNO-Generalversammlung seinen ersten Bericht über das Recht auf Nahrung. Darin ruft er die Regierungen dazu auf «das Recht auf Nahrung zu respektieren, zu schützen und zu gewährleisten.»
Armut und Hunger als «Brutplätze für Terror und Hass»
Gegenden extremer Armut und Hungersnöte seien «Brutplätze für Terror und Hass», führte Ziegler aus. Die Koalition gegen Terrorismus müsse also eng mit der Koalition gegen Hunger zusammen arbeiten.
Täglich sterben rund 100’000 Menschen an Hunger oder dessen Folgen. Alle sieben Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Dieser «stille Genozid» passiere täglich, obwohl die Landwirtschaft bereits genug Nahrungsmittel produziere, um 12 Milliarden Menschen zu ernähren, sagte Ziegler.
Das Ziel des Welternährungs-Gipfels von 1996, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, sei «utopisch», sagte Ziegler. Mit den gegenwärtigen Verfahrensweisen in Wirtschaft und Politik werde Hunger nie aus der Welt geschafft. Er lobte aber «lokale Fortschritte und Methoden».
swissinfo und Agenturen
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