UNO-Flüchtlingshilfswerk befürchtet Exodus aus Afghanistan
Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) rechnet bei einem US-Angriff auf Afghanistan mit einem Exodus von 1,5 Millionen Flüchtlingen aus dem von Krieg und Hungersnot ohnehin verwüsteten Land.
Pakistan und Iran, die in den vergangenen Jahren bereits 3,5 Millionen afghanische Flüchtlinge aufgenommen haben, hätten die «humanitäre Situation» an ihren Grenzen verstanden und arbeiteten mit dem UNHCR zusammen, sagte Flüchtlings-Hochkommissar Ruud Lubbers am Sonntag. Lubbers appellierte an andere Länder, einen Beitrag zur Lastenteilung zu leisten.
Der Einsatz von Gewalt gegen Terrorismus sei nachvollziehbar und notwendig, es sollte aber nicht versäumt werden, einen kleinen Teil der für die Militäroperation bereitgestellten Milliarden für humanitäre Hilfe einzuplanen. «Falls das vergessen wird, machen wir einen historischen Fehler», warnte Lubbers.
Das UNHCR hat nach eigenen Angaben bereits erste Überweisungen von Regierungen erhalten, benötigt in der Situation nach den Anschlägen in den USA am 11. September aber noch viel mehr. «Ich vertraue darauf, das noch mehr kommen wird», sagte Lubbers. «Es ist etwas beschämend, dass es eines Angriffs auf die USA bedarf, um Grosszügigkeit auszulösen.»
Lubbers sagte, bei allen zu erwartenden Belastungen in den iranischen und pakistanischen Grenzgebieten dürfe nicht die Lage der Ärmsten der Armen vergessen werden. Diese seien gar nicht in der Lage zu fliehen. «Man darf es nicht zulassen, dass die Ärmsten in Afghanistan ohne Hilfe und ohne Lebensmittel bleiben», mahnte der Hochkommissar.
swissinfo und Agenturen
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