Der Hitzesommer beeinträchtigt die Obsternte – aber eine Frucht überrascht
Während die Äpfel unter der Trockenheit leiden, erleben Birnen ein überraschendes Hoch. Für die Bauern bedeutet das extreme Wetter bei der Ernte viel Stress.
Konsumentinnen und Konsumenten dürfen sich dagegen auf besonders aromatische Früchte freuen, sagt Jürg Hess, Präsident des Schweizer Obstverbands.
«Schweizer Obst im Hitzesommer – Klein dafür süss» from Treffpunkt. Released: 2026.
1. Äpfel im Minus, Birnen im Plus
Die diesjährige Ernte zeigt ein zweigeteiltes Bild: Bei den Äpfeln rechnet der Schweizer Obstverband mit rund 96’000 Tonnen, was knapp 10 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt liegt. Ganz anders bei den Birnen: Hier rechnet man mit einer Ernte von 16’000 Tonnen. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Mehr
Wie die Schweizer Treichel politisch wurde
Bei den Birnen war der Ertrag im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich. Das liegt daran, dass die Bäume im Vorjahr deutlich weniger Früchte trugen, was zu einem niedrigen Ertrag geführt hat. Die Birnenbäume konnten sich danach erholen und heuer dank guter Bodenfeuchtigkeit im Frühjahr voll ansetzen.
2. Kleinere Früchte, maximaler Geschmack
Durch die anhaltende Hitze und den Wassermangel im Sommer sind viele Früchte in ihrer Entwicklung gebremst worden und fallen tendenziell kleiner aus. Gleichzeitig profitieren die Konsumentinnen und Konsumenten von einem positiven Nebeneffekt: Die extremen Sonnenstunden haben die Zuckerbildung massiv gefördert.
Das Obst weist einen sehr hohen Fruchtzuckergehalt auf. Das zeigt sich im hohen Brix-Wert. Der Brix-Wert misst den Zuckergehalt in einer Frucht. Je höher der Wert, desto süsser schmeckt das Obst.
3. Auch Äpfel bekommen Sonnenbrand
Die Sommerhitze hat optische Schäden hinterlassen. An den äusseren Ästen leiden viele Früchte unter regelrechtem Sonnenbrand oder sie wurden durch die extreme Sonneneinstrahlung glasig. Zudem haben viele Bäume – besonders bei Hochstammbäumen – ihre Früchte im August vorzeitig abgeworfen.
Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus der Pflanze, um bei Wassermangel das eigene Überleben zu sichern, erklärt Jürg Hess.
Mehr
Wildheuer, die Mäher hoch über dem Brienzersee
4. Exakter Erntezeitpunkt bestimmt eine Formel
Damit das Obst bis in den Winter oder nächsten Sommer knackig bleibt, muss exakt zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden. Die Bauern bestimmen den optimalen Erntezeitpunkt anhand von drei Messwerten: dem Stärkegehalt des Apfels, der Festigkeit des Fruchtfleisches und dem Zuckerwert.
5. Hitzesommer führt zu Ernte-Chaos
Durch extreme Wetterlagen wie die anhaltende Hitze reifen verschiedene Obstsorten viel schneller und fast gleichzeitig heran. Die natürlichen Erntefenster (die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Sorten) schrumpfen zusammen.
Das führt dazu, dass extrem viel Obst auf einmal geerntet werden muss. Die Früchte müssen exakt zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden, da sie sonst überreif werden und nicht mehr knackig in den Handel gelangen.
Mehr
Formo-Gründer Raffael Wohlgensinger: «Ich will Käse, der wie Gruyère schmeckt – ohne Kuh»
6. Alte Sorten in Gefahr
Viele der altbewährten Obstsorten sind nicht für die extrem hohen Temperaturen und die lang anhaltende Trockenheit geschaffen. In der Pflanzenforschung und -züchtung rückt die Anpassungsfähigkeit an Hitze und Wassermangel deshalb immer stärker in den Fokus.
Die alte Apfelsorte «Cox Orange» beispielsweise könnte dieser Entwicklung zum Opfer fallen, da sie keine so hohen Temperaturen verträgt. Längerfristig werden klimaresistente Züchtungen solchen Sorten im kommerziellen Anbau den Platz streitig machen.
Diskutieren Sie mit:
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch