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Tessiner Forschende auf der Suche nach ausserirdischem Leben

Illustration des ersten europäischen Rovers, der 2028 zum Mars starten soll
Eine Illustration des ersten europäischen Rovers, der 2028 zum Mars starten soll: An der Entwicklung ist auch ein Geologe aus dem Tessin beteiligt. ESA

Zwei Tessiner Forschende erzählen, wie sie nach Spuren des Lebens jenseits der Erde suchen. Sie nehmen uns mit auf eine interstellare Reise zu Exoplaneten und marsianischen Gesteinen.

Sind wir allein im Universum? Viele stellen sich diese Frage, doch niemand kann sie mit Sicherheit beantworten. Wenn wir von Leben ausserirdischem Leben sprechen, müssen wir uns dabei jedoch keine komischen kleinen Männchen mit grüner Haut und grossen dunklen Augen vorstellen.

Ausserirdisches Leben kann sich schlicht in Resten organischer Materie zeigen, die Millionen, ja sogar Milliarden von Jahre zurückreichen – die Suche nach Leben im All beinhaltet aber auch das Aufspüren von Planeten, die potenziell in der Lage wären, Lebewesen zu beherbergen.

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In diesem Bereich ist der Kanton Tessin eine echte Brutstätte wissenschaftlicher Persönlichkeiten und faszinierender Projekte, die kürzlich in der Sendung «Prima Ora» von RSIExterner Link vorgestellt wurden.

Ein Marsgeologe in Neuenburg

Die Suche nach ausserirdischem Leben beginnt zunächst auf dem Planeten, auf dem Leben tatsächlich entstehen konnte: der Erde. Einige Forschende befassen sich beispielsweise mit Organismen, die in extremen Umgebungen wie den heissen Quellen des US-Nationalparks Yellowstone oder dem Eis der Arktis überleben können.

Solche Bedingungen könnten denen auf unwirtlichen Planeten ähneln. Andere Fachleute untersuchen uralte Erdgesteine auf fossile Bakterien und Mikroben, um diese Techniken anschliessend auf ausserirdische Umgebungen anwenden zu können.

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«Solch alte Gesteine gibt es nur an wenigen Orten auf unserem Planeten, zum Beispiel in Südafrika und Australien», sagt der Tessiner Geologe Tomaso Bontognali und zeigt im Studio einen Stein aus Südafrika, der fast 3,5 Milliarden Jahre alt ist.

«Zu verstehen, was wir auf der Erde messen müssen, um Leben zu finden, hilft uns zu verstehen, was wir mit Robotern auf dem Mars messen müssen.»

Ein Mann hält ein Stück Fels in der Hand
Tomaso Bontagnali zeigt ein Stück südafrikanischen Fels. RSI

Bontognali stammt ursprünglich aus Cureglia und ist heute am Space Exploration InstituteExterner Link in Neuenburg tätig. Er befasst sich mit Technologien zur Analyse von Gesteinsproben, die bei der «ExoMars»-MissionExterner Link der Europäischen Weltraumorganisation eingesetzt werden sollen. Der Start der Mission ist für 2028 vorgesehen.

Die Mission musste aufgrund der Pandemie und der russischen Invasion in der Ukraine mehrfach neu geplant werden und soll in einigen Jahren den ersten europäischen Rover auf den Mars bringen. Dieser soll den Untergrund auf der Suche nach Spuren von Leben erkunden.

«Wir müssen in der Lage sein, die richtigen Analysen durchzuführen und vor allem Gesteine zu finden, die potenziell in der Lage sind, Spuren vergangenen Lebens zu bewahren», sagt der Geologe.

Das reflektierte Licht der Exoplaneten

Deutlich weiter reicht der Blick von Svetlana Berdyugina. Sie sucht nach ausserirdischem Leben in erdähnlichen Umgebungen auf Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems.

Die amtierende wissenschaftliche Direktorin des Istituto Ricerche Solari «Aldo e Cele Daccò» (IRSOL)Externer Link in Locarno hat ihre gesamte Karriere den so genannten Exoplaneten gewidmet, also Planeten, die um einen anderen Stern als die Sonne kreisen. Dabei hat sie innovative Methoden wie die hochpräzise Polarimetrie entwickelt.

Sehen Sie hier den Beitrag des Radio und Fernsehens der italienischsprachigen Schweiz (Ital.):

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«Die Polarisation des Lichts, also die Richtung, in der die Lichtwellen schwingen, ist der Schlüssel zur Erkennung und Identifizierung komplexer Lebensmoleküle, besonders jener, die zur Photosynthese beitragen», sagt die Wissenschaftlerin, die seit 2022 an der Fakultät für Informatik der Universität der italienischsprachigen Schweiz (USI)Externer Link lehrt. Die USI ist mit dem IRSOL assoziiert.

Eine Frau steht hinter wissenschaftlichen Instrumenten
Svetlana Berdyugina, wissenschaftliche Leiterin des Sonnenforschungsinstituts IRSOL in Locarno, ist eine Pionierin in der Exoplanetenforschung. IRSOL

Die Forscherin hat Karten der Oberflächen ferner, erdähnlicher Welten mit Kontinenten, Ozeanen und Kolonien photosynthetischer Organismen (ähnlich der irdischen Vegetation und Bakterien) rekonstruiert. Dazu nutzt sie fortgeschrittene astronomische Techniken sowie Labormessungen. «Die Photosynthese ist ein zentrales Indiz für die Anwesenheit lebender Organismen», sagt sie.

Bislang wurden in unserer Galaxie mehr als 5000 Planeten entdeckt, rund siebzig haben ähnliche Ausmasse wie die Erde und verfügen über potenziell bewohnbare Bedingungen. Das Ziel ist es, immer mehr davon aufzuspüren.

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Ein Blick in die Zukunft

Das Projekt von Berdyugina, das kürzlich wichtige Bundesförderung im Rahmen der multidisziplinären Zusammenarbeit NCCR GenesisExterner Link erhalten hat, wird sein Ziel weiterverfolgen: herauszufinden, ob wir allein im Universum sind oder nicht.

Was unser Sonnensystem betrifft, hätte die Entdeckung von Leben auf dem Mars klare Auswirkungen auf die Suche nach bewohnten extrasolaren Planeten. «Das wäre ein starkes Indiz dafür, dass Leben keine so seltene Erscheinung ist und dass es sich, wenn die richtigen Bedingungen vorhanden sind, auf ganz natürliche Weise entwickelt», sagt Bontognali.

Gleichzeitig ist die Erkenntnis, dass der Mars einst unserem Planeten ähnlich war und heute aufgrund drastischer Klimaveränderungen als wüster und unwirtlicher Planet erscheint, eine Mahnung für unsere Zukunft. «Das sollte uns helfen zu verstehen, wie einzigartig und kostbar die klimatischen Bedingungen auf unserem Planeten sind», so der Geologe.

Übertragung aus dem Italienischen mithilfe der KI Claude: Christian Raaflaub

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