Warum die Schweiz so tiefe Zinsen hat
In vielen Ländern erhöhen die Notenbanken die Zinsen. Die SNB versetzt das nicht in Zugzwang. Weshalb nicht?
Die aktuellen Leitzinsen: Die Schweizerische Nationalbank SNB hat mit 0,0 Prozent einen weltweit einzigartig tiefen Leitzins festgesetzt.
Er gilt seit mehr als einem Jahr. Das heisst: Geld leihen ist günstig, Geld auf dem Konto bringt wenig bis keine Zinsen. Der nächste Zinsentscheid fällt in der Schweiz am 24. September 2026.
Der internationale Vergleich: Die Leitzinsen der USA bewegen sich zwischen 3,5 und 3,75 Prozent, die EZB ist bei 2,25 Prozent. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie ihn an ihrer kommenden Sitzung erhöhen (s. Prognosen unten).
Denn mithilfe der Zinsen soll die Inflation tief gehalten werden. Zahlreiche europäische Länder verzeichnen steigende Inflationsraten. Im Durchschnitt sind es 2,9 Prozent (Stand Juli 2026). Die US-Inflation beträgt 3,4 Prozent.
Die Widerstandsfähigkeit: Tiefe Zinsen, tiefe Staatsverschuldung, tiefe Inflation: Die Schweiz steht in vielerlei Hinsicht finanziell besser da als andere Länder.
Caroline Hilb, Leiterin Investment und Vorsorge der Raiffeisen-Bank, erklärt die tiefen Zinsen mit der tiefen Inflation und dem starken Franken.
Und: «Die Schweiz hat eine sehr grosse Schuldendisziplin, auf die sie auch stolz ist.» Stichwort Schuldenbremse. Der Chefökonom der UBS, Daniel Kalt, fügt an: «Das hilft, die Schulden zu begrenzen und zu verhindern, dass der Staat ausufernd mit dem Steuergeld umgeht.»
Die Hypotheken: Diese haben in der Schweiz leicht angezogen. Laut Comparis liegen 10-jährige Hypotheken aktuell bei durchschnittlich 1,9 Prozent.
Caroline Hilb sagt: «Die Zinsen befinden sich in einem internationalen Umfeld. Dem kann sich auch die Schweiz nicht entziehen. Wenn in den USA die Zinsen ansteigen, zieht das auch die Schweizer Zinsen mit nach oben.»
Gleichzeitig betont sie, dass dieser Anstieg «massiv schwächer» ausgefallen sei als im europäischen Ausland oder in den USA.
Die Prognosen für die Schweiz: Daniel Kalt von der UBS geht davon aus, dass die Schweiz nicht im Zugzwang ist, die Zinsen anzuheben: «Dazu ist die Teuerung noch immer zu tief.» Sie betrug im August 0,8 Prozent.
Caroline Hilb von Raiffeisen sieht es ebenso: «Aktuell ist der Inflationsdruck noch zu tief und auch der Franken ist zu stabil, als dass man etwas an der Zinsschraube ändern müsste.»
Die Prognosen für EU und USA: Einig sind sich die beiden Ökonomen auch darin, dass die EZB die Zinsen am 10. September anheben wird. Hingegen sind sie unterschiedlicher Meinung, was die USA betrifft.
Während Daniel Kalt auch hier mit einer Zinserhöhung rechnet, sagt Caroline Hilb: «Bei der US-Notenbank sind uns die Aussagen zu unklar gewesen.» Man erwarte keinen Zinsschritt, «auch weil es das historisch vor den Midterms nie gegeben hat».
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