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Der lange Weg zum Frauenstimmrecht

Einführung des Frauenstimmrechts weltweit

Am 7. Februar jährt sich die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts in der Schweiz zum 50. Mal. Die Schweiz war einer der letzten Staaten, die das Frauenstimmrecht einführten, vor nur 22 anderen Ländern weltweit.

Dieser Inhalt wurde am 07. Februar 2021 - 13:00 publiziert

Das Wahlrecht ist seit den Anfängen der Demokratie eng mit dem Besitz von Grund und Boden verknüpft. Da Frauen in der Vergangenheit nicht berechtigt waren, Land zu besitzen, blieben sie folglich von Wahlen und Abstimmungen ausgeschlossen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen mehrere Territorien und Länder, Frauen das Wahlrecht zu gewähren.

swissinfo.ch/Carlo Pisani, Céline Stegmüller, Jonas Glatthard

Neuseeland war das erste selbstverwaltete Land, das 1893 das Frauenwahlrecht einführte. Dort waren die einheimischen Maori-Frauen traditionell Landbesitzerinnen. Ein weiterer früher Vorreiter war Finnland, wo Männer und Frauen 1906 gleichzeitig das volle Wahlrecht erhielten.

Krieg als Katalysator

Zwei grosse Tragödien gaben dem Frauenwahlrecht in Europa und darüber hinaus Auftrieb. Nach dem immensen Verlust von Menschenleben während des Ersten und Zweiten Weltkriegs durften Frauen am Wiederaufbau der Gesellschaft teilnehmen, für die sie gesorgt hatten, während ihre Söhne, Ehemänner und Väter an der Front gekämpft hatten.

In ihrem Buch über die Frauenwahlrechts-Vereine erklärt die Historikerin Leslie Hume, dass "das Wahlrecht viel mehr war als nur eine Belohnung für die Kriegsarbeit; es ging darum, dass die Teilnahme der Frauen am Krieg dazu beigetragen hatte, die Ängste zu zerstreuen, die den Eintritt der Frauen in die öffentliche Arena umgaben".

Nach 1945 gab es nur noch eine Handvoll europäischer Länder, in denen Frauen nicht wählen durften: Die Schweiz gehörte dazu, trotz mehrerer Petitionen an die Regierung – die sie 1886 und 1929 abgelehnt hatte.

Männer stimmen für Frauenrechte

In der Schweiz, wie auch in vielen anderen Ländern, wurde das Frauenwahlrecht den Bürgern in einer nationalen Abstimmung vorgelegt – bei der nur Männer ihre Stimme abgeben konnten.

Nachdem es 1959 das erste Mal abgelehnt wurde, nahmen die Männer das Stimm- und Wahlrecht für Frauen 1971 schliesslich an. Denn das Frauenwahlrecht war eine Bedingung, damit die Schweiz der Europäischen Menschenrechts-Konvention beitreten konnte.

Zwei Drittel der männlichen Bevölkerung stimmten für die Gewährung des Frauenstimmrechts auf nationaler Ebene. Es sollte jedoch weitere zwei Jahrzehnte dauern, bis alle 26 Schweizer Kantone den Frauen das kantonale Stimm- und Wahlrecht gewährten.

In Saudi-Arabien ist die Situation umgekehrt: Da es sich um eine absolute Monarchie handelt, gibt es keine landesweiten Wahlen, sodass das 2015 eingeführte Frauenwahlrecht nur auf lokaler Ebene gilt.

Das ist auch in dem einzigen Land der Welt der Fall, in dem sowohl Frauen als auch Männer kein Wahlrecht haben: In der Vatikanstadt werden die Gesetzgeber vom Vertreter Gottes auf Erden ernannt: dem Bischof von Rom, besser bekannt als Papst.

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