Ex-Nationalrat Zuberbühler will Herisauer Gemeindepräsident werden
Der ehemalige Ausserrhoder SVP-Nationalrat David Zuberbühler will Gemeindepräsident von Herisau werden. Nach seinem Rücktritt als Nationalrat habe er die Politik vermisst, teilte er via die Sozialen Medien mit. Der amtierende Gemeindepräsident, Max Eugster (SP), tritt 2027 nicht mehr an.
(Keystone-SDA) «Ich möchte für das Amt des Gemeindepräsidenten von Herisau kandidieren», heisst es in einem Schreiben von David Zuberbühler, welches er am Donnerstagmorgen in den Sozialen Medien veröffentlichte. Und kurz danach steht fett geschrieben: «Ich vermisse die Politik».
Mehrmals schreibt der 47-jährige David Zuberbühler in dem Brief, über welchen zuerst die «Appenzeller Zeitung» online berichtet hatte, dass ihm seit seinem Rücktritt als Nationalrat Ende 2025 die Politik fehle. Aus dem nationalen Parlament sei er zurückgetreten, weil er sich ganz dem Familienunternehmen habe widmen wollen. Jetzt sei die Ausgangslage eine andere.
«Wenn ich gewählt werde, würde ich mich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und mich voll auf diese Aufgabe konzentrieren», heisst es weiter. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ergänzte Zuberbühler, dass er bei einer Wahl auch seine Mandate als Verwaltungsrat in den eigenen Familienunternehmen abgeben werde.
«Ich weiss, dass meine Kandidatur nach meinem Rücktritt aus dem Nationalrat Fragen aufwirft», heisst es im Schreiben von Zuberbühler weiter. Auch hier sei die Antwort, dass er mit etwas Abstand gemerkt habe, wie sehr ihm die Politik fehle.
Über 30 Jahre für die Gemeinde tätig
Auf Anfrage führte Zuberbühler aus, dass der Verkaufsleiter der Hälg Markenschuhe AG auf Ende September 2025 gekündigt habe. «Für mich war damals klar, dass ich im Unternehmen gebraucht werde. Da ich unsere Kunden, Produkte und Systeme kenne, war es naheliegend, dass ich als Geschäftsführer und Verkaufsleiter übernehme.» Nun sei er zuversichtlich, im Falle einer Wahl als Gemeindepräsident eine gute Nachfolgelösung aufgleisen zu können.
Im siebenköpfigen Gemeinderat von Herisau stehen demnächst gleich mehrere Wechsel an. Max Eugster, der die einwohnerstärkste Gemeinde Ausserrhodens seit Juni 2021 führt, hatte bereits im Sommer bekanntgegeben, bei den Gesamterneuerungswahlen im April 2027 nicht mehr anzutreten. Eugster erreicht Ende 2026 das Pensionsalter und ist seit 30 Jahren in verschiedenen Funktionen für die Gemeinde tätig, heisst es in einer Mitteilung von Anfang Juni.
Aus «gesundheitlichen Gründen» zurückgetreten
Gemeindevizepräsidentin Sandra Nater-Schönenberger (Ressortchefin Hochbau/Ortsplanung, FDP) hat gemäss einem Communiqué von Anfang September ebenfalls ihren Rücktritt eingereicht. Nach dreizehn Jahren im Gemeinderat wird sie ihr Amt per Ende Mai 2027 abgeben.
Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass SVP-Gemeinderat Max Slongo «aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen» seinen sofortigen Rücktritt einreichte. Die Führung des Ressorts Soziales übernimmt interimistisch Gemeinderätin Irene Hagmann (Ressortchefin Schule, Gewerbeverein Herisau). Die Nachfolge von Slongo wird erst während der Gesamterneuerungswahlen gewählt. Auch sein Amt als Kantonsrat gab er ab.
Zurück zu David Zuberbühler: Für ihn sei klar gewesen, dass er sich für das Amt des Gemeindepräsidenten nur bewerben werde, wenn der aktuelle Amtsinhaber aufhöre. Schliesslich habe Max Eugster gute Arbeit geleistet. Von der SVP Herisau sei er mehrmals auf eine Kandidatur angesprochen worden. Offiziell nominiert hat ihn die Partei noch nicht. Über die Nomination entscheidet die SVP Herisau voraussichtlich im Januar.
Gemeinderat will ebenfalls Gemeindepräsident werden
Bei den Gemeindefinanzen wolle er «klare Prioritäten» setzen, so Zuberbühler. Gleichzeitig solle der finanzielle Handlungsspielraum von Herisau erhalten und die Verschuldung wenn möglich reduziert werden. Grundsätzlich gelte für ihn das Motto «Luege, lose, laufe»: Sprich, zuerst hinschauen, zuhören und sich einarbeiten, bevor neue Projekte aufgegleist würden.
Mindestens einen Konkurrenten hätte Zuberbühler für das Amt des Gemeindepräsidenten bereits. Vor wenigen Tagen gab die Mitte bekannt, den langjährigen Gemeinderat Glen Aggeler (Ressortchef Volkswirtschaft) nominieren zu wollen.