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Ex-SBB-Chef Weibel kritisiert Umgang mit Unterhaltsrückstand

Der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel hat laut der "NZZ" im Zusammenhang mit dem Unterhaltsrückstand der SBB von 9,5 Milliarden Franken fehlenden Mut der Bahnführung kritisiert. Es wäre Aufgabe der SBB gewesen, die "Notbremse zu ziehen", sagte er im Interview.

(Keystone-SDA) Die SBB hätten es versäumt, auf das Ungleichgewicht zwischen Ausbau und Unterhalt hinzuweisen. «Das braucht Mut, weil vor allem die Kantone und viele Parlamentarier liebend gerne immer noch mehr Ausbauprojekte verlangen, um bei der Bevölkerung zu punkten», sagte Weibel im am Mittwoch veröffentlichten Gespräch.

Das habe dazu geführt, dass heute zu viele Projekte geplant seien, die sich nicht mehr alle rechtzeitig realisieren liessen. Projekte wie der Durchgangsbahnhof Luzern oder das Herzstück Basel würden gemessen an den hohen Kosten keinen ausreichenden Nutzen bringen. «Das Wichtigste ist, dass die SBB dem Unterhalt ab sofort oberste Priorität geben», sagte Weibel.

Dichtestress: «Ein hochgeschaukeltes Problem»

Mit Blick auf die Debatte vor der Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative der SVP relativierte Weibel zudem Klagen über «Dichtestress» im Verkehr und fehlende Sitzplätze in Zügen. Das Problem werde hochgeschaukelt, zudem gebe es auch ohne neue Ausbauten noch grosses Potenzial. Ein Grossteil des Verkehrs sei nicht durch Erwerbsarbeit bedingt, sondern durch Freizeitaktivitäten.

Durch die Digitalisierung der Bahn liessen sich bestehende Infrastrukturen zudem besser nutzen, etwa mit Fahrassistenzsystemen. «Die Digitalisierung der Bahn kostet jedoch Milliarden und stellt hohe Anforderungen an das Projektmanagement. Erst wenn der Fahrplan für die Digitalisierung steht, sollte die Schweiz weitere Ausbauprojekte planen», sagte Weibel weiter.

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