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Jelmoli: vom Warenhaus zur Investmentgesellschaft

Bald Geschichte? Das letzte Jelmoli-Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse. Keystone

Der Jelmoli-Konzern verkauft seine Liegenschaften für 3,4 Mrd. Franken an ausländische Investoren. Bereits vor zwei Monaten hatte sich Jelmoli von der Fust-Kette getrennt.

Der frühere Detailhandelskonzern will damit zu einer Investmentgesellschaft werden. Nach kurzem Anstieg fielen die Jelmoli-Aktien ins Minus.

Der Verwaltungsrat des Detailhandels- und Immobilienkonzerns beschloss, das Schweizer Liegenschaftenportfolio für 3,4 Mrd. Franken an ein Konsortium der Firmen Igal Ahouvis Blenheim Properties, Delek Global Real Estate und Delek Belron International zu verkaufen.

Nach Überprüfung aller Optionen ist der Verwaltungsrat überzeugt, dass der Verkauf des Liegenschaftenportfolios des Konzerns und die Option für die Übernahme der Warenhausaktivitäten die bestmöglichen Chancen bieten, Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen und gleichzeitig die Arbeitsplätze langfristig zu sichern, teilte Jelmoli am Dienstag mit.

Langfristige Perspektive

«Wir sind überzeugt, mit Delek und Igal Ahouvi die richtige Käuferin für unser umfangreiches Schweizer Liegenschaften-Portfolio gefunden zu haben», erklärte Jelmoli-Verwaltungsratspräsident Walter Fust.

Blenheim Properties und Delek Global Real Estate böten Gewähr für die sorgfältige Weiterentwicklung der erstklassigen Objekte. Bei ihnen handle es sich um international bekannte Immobilien-Investoren mit einer langfristigen Investmentstrategie in der Schweiz.

Dem Konsortium wurde zudem die Option eingeräumt, bis Ende Jahr das Warenhaus in Zürich, die Mehrheit der Jelmoli Bonus Card AG und die Jelmoli Service AG zu erwerben.

Die Behörden müssen dem Verkauf noch zustimmen. Im zweiten Halbjahr 2007 rechnet Jelmoli mit dem Vollzug der Transaktion.

Konsequente Neuausrichtung

Die Jelmoli Holding führt ihre Beteiligungen an Tivona sowie die Immobilienentwicklungsprojekte im Ausland weiter. Für die weiteren Unternehmensbereiche Molino AG, Beach Mountain AG, und Fundgrube Bonne Occase AG würden ohne Zeitdruck geeignete neue Besitzer gesucht.

Ende Mai hatte Jelmoli bekannt gegeben, die Elektrogeräte- und Multimedia-Kette Fust für knapp eine Milliarde Franken an den Grossverteiler Coop zu verkaufen. Dieser Deal wird zurzeit von der Wettbewerbskommission einer vertieften Prüfung unterzogen.

Mit dem Verkauf der Immobilien ist die Anfang Jahr angekündigte Überprüfung aller strategischen Optionen bei dem mehrheitlich vom Deutschen Georg von Opel beherrschten Detailhandels- und Immobilienkonzern abgeschlossen.

Nachdem sich die Gesellschaft von einer Warenhauskette erfolgreich zu einer Gesellschaft mit Immobilienfokus gewandelt habe, nutze Jelmoli nun das günstige Marktumfeld, den Marktwert der Immobilien für seine Aktionäre zu realisieren, teilte Jelmoli mit.

Aktionäre müssen sich gedulden

Bei der Neuausrichtung der Unternehmensstrategie sollen die frei gewordenen Mittel nicht an die Aktionäre ausgeschüttet, sondern renditeorientiert reinvestiert werden. Der Jelmoli-Konzern werde dadurch schwergewichtig zu einer Investmentgesellschaft.

Die Neuausrichtung soll an einer ausserordentlichen Generalversammlung Ende September abgesegnet werden. Die Verwaltungsräte Christian Belz, Daniel Bürki, Carlo Magri und Hugo Tschirky treten per sofort zurück.

Die Struktur des Verwaltungsrats soll vereinfacht und neu organisiert werden. Fust bleibt Präsident.

Börse skeptisch

Der Ausverkauf bei Jelmoli ist an der Börse nach einem anfänglichen Strohfeuer negativ bewertet worden. Die Inhaberaktie legte im Eröffnungsgeschäft um 2,1% zu, fiel aber danach 3,5% unter den Vortageskurs.

Analysten vermissten insbesondere Aussagen über die Zukunft des Unternehmens. Analysten zeigten sich über den Preis von 3,4 Mrd. Franken für die Jelmoli-Immobilien enttäuscht.

swissinfo und Agenturen

Die Anfänge von Jelmoli gehen auf das Jahr 1833 zurück. Damals kam Johann Peter Jelmoli-Ciolina aus Italien nach Zürich und eröffnete ein Modewaren-Geschäft.

Seine Nachfahren bauten daraus ein Modehaus auf und stiegen ins Versandgeschäft ein. 1899 entstand das erste Warenhaus Zürichs.

Mitte des letzten Jahrhunderts expandierte Jelmoli in der ganzen Schweiz und verfügte zeitweise über mehr als 50 Warenhäuser. Daneben diversifizierte Jelmoli auch in die Gastronomie (Molino-Kette) und ins Reisegeschäft (Imholz). 1994 wurde die Dipl. Ing. Fust AG (Fachhändler für Heimelektronik) übernommen.

1995 geriet die Jelmoli-Eigentümerin in finanzielle Not und verkaufte zahlreiche Warenhäuser. Als letztes Warenhaus blieb der Jelmoli-Stammsitz in der Zürcher City erhalten.

Schliesslich übernahm Walter Fust den Jelmoli-Konzern. 2002 verkaufte er Anteile an zwei Investmentgesellschaften des deutschen Auto-Erben Georg von Opel, der heute Hauptaktionär von Jelmoli ist.

Die Fust-Kette wurde Ende Mai 2007 für fast eine Milliarde Franken an Coop verkauft.

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