Neue Crossair-Spitze mit alten Crossair-Managern
Die oberste Crossair-Spitze wird weitgehend mit bisherigen Crossair-Managern besetzt. Der Bund will kein Geld zahlen, die Atraxis scheint einen Käufer zu finden, der Belair drohen Kampfmassnahmen und auch Moutier will Geld.
Einziges neues Mitglied der Geschäftsleitung wird Marcel Klaus, der für den neu geschaffenen Bereich «Corporate Services» verantwortlich sein wird. Klaus kommt von der Tamedia-Gruppe zur Crossair und hat bereits früher einen Direktionsposten bei der Crossair innegehabt.
Weiterhin in der Geschäftsleitung sind die bisherigen Mitglieder Jorgen Orstam (Technik), Thomas Brandt (Flugoperationen), Matthias Hanke (Strategie und Netzwerk), Arjen Pen (Marketing und Verkauf), Björn Näf (Produkt und Services), Thomas Hofmann (Finanzen) und Kurt Renggli (Human Resources). Der Vorsitz der Geschäftleitung bleibt bei André Dosé.
Unterhalb der neunköpfigen Geschäftsleitung wird neu ein Direktionskader aus 42 Personen gebildet, das zur Hälfte mit Kaderleuten der Swissair besetzt werden soll. Über die Hälfte dieser Posten wurde Kaderleuten der Swissair angeboten. Laut Crossair-Sprecher Manfred Winkler bemüht sich Crossair aktiv um diese Swissair-Leute. Einige Zusicherungen seien bereits vorhanden.
Dosé: «Harmonie und Phoenix»
«Für den Verwaltungsrat und für mich war es entscheidend, eine Geschäftsleitung zusammenzustellen, deren Fähigkeit und Loyalität wir kennen, die gut harmoniert und bereits von Beginn weg an der Ausarbeitung des Projekts Phoenix beteiligt war», sagte Crossair-Chef Dosé.
Die Flugoperationen von Swissair und Crossair sollen nach Ende März 2002 zusammengelegt werden. Die Geschäftsleitung werde in Basel bleiben, sagte Crossair-Sprecher Winkler.
Swissair noch immer nicht liquid
Die Bedingungen des Bundes in Bezug auf eine Lösung der akuten Geld-Probleme der flugnahen Betrieben der Swissair sind noch nicht erfüllt. Damit kann die weitere Tranche des Bundes von 50 Millionen Franken zur Aufrechterhaltung des Swissair-Flugbetriebs gemäss Winterflugplan noch nicht überwiesen werden, wie das Schweiz Finanzministerium (EFD) am Donnerstag-Abend sagte.
Im EFD werde damit gerechnet, dass bis Freitag eine Lösung für die flugnahen Betriebe konkretisiert sei. Dies ist die Bedingung, damit weiteres Geld des Bundes an die Swissair gezahlt werden kann.
Bundesrat Pascal Couchepin äusserte sich gleichentags in Genf erneut zum Swissair-Debakel. Bei der Eröffnung des Weltforums für Beschäftigung plädierte der Wirtschaftsminister für eine globale Verantwortung der Unternehmen. Was die Schweiz derzeit mit dem fall Swissair erlebe, sei ein Beispiel für Partnerschaft bei der Bewältigung einer Krise.
Käufer für Atraxis
Die Verhandlungen um den Verkauf der Swissair-Informatik-Tochter Atraxis stehen vor dem Abschluss. Es gebe zwei Interessenten, mit denen es in der kommenden Woche zu einem Abschluss kommen könnte, sagte Atraxis-Geschäftsleitungs-Mitglied Stefan Leser am Donnerstag.
Bei einem der Interessenten soll es sich um die deutsche Lufthansa handeln, was Leser allerdings nicht bestätigen wollte. Die Lufthansa sei aber an Atraxis interessiert. Dies bestätigte auch Holger Steingräber, Sprecher von Lufthansa Systems, in Frankfurt am Main.
Das Computerunternehmen IBM gab am Donnerstag bekannt, ein zusammen mit der Lufthansa gemachtes Übernahmeangebot zurückgezogen zu haben.
Gewerkschaften gegen Belair
Dem aus der Swissair-Chartergesellschaft Balair hervorgehenden neuen Ferienflieger Belair drohen Kampf-Massnahmen der Gewerkschaften. Diese fordern die Anerkennung des GAV. Die Gewerkschaften bezeichneten das Angebot neuer Einzelverträge an 50 ausgewählte Kabinenbesatzungs-Mitglieder als Versuch, eine bewährte Sozialpartnerschaft zu beerdigen.
Swissair-Bundeshilfe weckt Begehrlichkeiten
Die Hilfe des Bundes an die Swissair hat erste Begehrlichkeiten geweckt: In einem Brief an den Bundesrat verlangt der Bürgermeister von Moutier im Jura eine Erklärung der rechtlichen Grundlage für die Bundeshilfe. Er will weiter wissen, ob demnach auch Hilfe an kriselnde Betriebe im Berner Jura möglich wäre.
swissinfo und Agenturen
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