The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Gemeinderat will Zürich in Regenbogenfarben leuchten lassen

Keystone-SDA

Die Stadt Zürich soll künftig während des ganzen Pride-Monats im Juni in Regenbogenfarben leuchten, etwa mit beleuchteten Amtshäusern oder farbigen Zebrastreifen. Der Gemeinderat hat am Mittwoch ein entsprechendes Postulat überwiesen.

(Keystone-SDA) Das Parlament überwies das Postulat von SP, Grünen, AL und GLP mit 86 zu 30 Stimmen. Die Pride sei nicht irgend ein Anlass, sagte Ivo Bieri (SP). «Sie zeigt, wofür Zürich steht: Offenheit, Vielfalt und respektvolles Zusammenleben.» Gerade jetzt, angesichts der politischen Grosswetterlage, sei dieses Zeichen wichtiger denn je.

Die queere Community müsse wissen und spüren, dass die Stadt hinter ihr stehe, sagte sein Parteikollege Ruedi Schneider. «Das hat eine positive Wirkung auf das Sicherheitsgefühl von queeren Menschen.»

SVP hätte lieber Schweizer Fahne

Zwar hängen während der Pride auch heute schon Regenbogen-Fahnen in der Innenstadt – das Postulat fordert aber noch viel mehr Farbe. Und dies jedes Jahr: Die Pride-Massnahmen sollen ins «Reglement über die Beflaggung öffentlicher Standorte» aufgenommen werden. So müsste nicht jedes Jahr neu darüber entschieden werden.

Stadträtin Karin Rykart (Grüne) nahm den Vorstoss gerne entgegen. Der Stadtrat werde prüfen, was alles möglich sei. Gegen das Postulat stimmten einzig SVP und FDP. Letztere eher aus formalen Gründen, weil im Postulat bereits konkrete Ideen aufgelistet waren.

Das sei doch Mikro-Management, sagte Martina Zürcher. Die Partei wollte lieber «den Stadtrat selber kreativ werden lassen». Inhaltlich hatte die FDP allerdings nichts gegen ein Zeichen für die queere Community einzuwenden.

Die SVP hingegen war aus Prinzip dagegen. Die linke Seite habe offensichtlich einen Fetisch für Fahnen, sagte Stefan Urech. Das werde doch ultrakompliziert, nur schon weil man sich in der Community ja auch nicht einig sei, welche Fahne jetzt gerade opportun sei. «Wir sollten uns doch auf eine Fahne einigen, die alle repräsentiert, nämlich die Schweizer Fahne.»

Sponsoren springen ab

Unterstützung erhielt am Mittwoch auch ein zweites Pride-Postulat. Es stammte von SP und Grünen und will Party-Veranstaltenden am Pride-Wochenende das Leben einfacher machen. Auslöser für den Vorstoss ist das Pride-Festival auf dem Turbinenplatz, das in diesem Jahr wegen abgesprungener Sponsoren abgesagt werden musste.

Mit 90 Ja zu 20 Nein überwies der Gemeinderat den Vorstoss, der vom Stadtrat eine «pragmatische Unterstützung» für Veranstaltende fordert, die mit eigenen Anlässen einspringen wollen.

Gegen die Party-Hilfe war – wenig überraschend – erneut die SVP, aber auch die AL drückte für einmal auf Nein. Das heisse nicht, dass es keine Partys geben solle. Aber dafür gebe es ein bewährtes, ordentliches Bewilligungsverfahren, sagte Michael Schmid.

«Wir lehnen jegliche Sonderbehandlungen ab, weil sie einen Präzedenzfall schaffen.» Irgendwann würden auch andere Gruppierungen wir das Sechseläuten solche Erleichterungen fordern.

Es könnte eine Freinacht geben

Die Party-Erleichterung wird es voraussichtlich ohnehin nicht geben. Stadträtin Rykart winkte bereits in der Parlamentssitzung ab. Die Regeln für einen Tag ausser Kraft zu setzen, sei nicht möglich. «Aber wir prüfen, ob wir eine Freinacht in Innenräumen erlauben können», sagte sie. Dies sei für die Gastrobetriebe die einfachste Lösung.

Auf die Pride-Demonstration hat die Absage des Festivals keinen Einfluss. Sie wird wie geplant am Samstag, 20. Juni, stattfinden. Die Zürcher Pride gibt es seit über dreissig Jahren, und sie gilt als bedeutendste LGBTQIA+-Veranstaltung der Schweiz.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft