Ein Zeichen wachsender Frustration
Die mutmasslichen Frevler von Grabstätten im Luzerner Friedhof Friedental sind in Haft. Ihre Taten hätten nichts zu tun mit einem satanischen Akt, sondern seien vielmehr ein Zeichen wachsender Frustration, vermutet der Religions-Analyst Georg Schmid.
Die Kantonspolizei hat am Sonntag-Mittag eine Frau und fünf Männer wegen Verdacht auf Grabschändung und Störung des Totenfriedens festgenommen. Am Wochenende waren auf dem Friedhof Friedental in Luzern 86 Erd- und Urnengräber geschändet worden. Die Täter haben Grabsteine umgeworfen, Kreuze und Blumen ausgerissen und ein Satanisten-Symbol hinterlassen.
«Noch wissen wir nicht, ob wir nach Satanisten suchen oder nicht», sagt Vincenz Blaser, Sprecher der Luzerner Kantonspolizei. Allerdings wird abgeklärt, ob die Festgenommenen Beziehungen zu satanischen Kreisen haben.
Keine satanistischen Gruppen verantwortlich
Georg Schmid, Professor für Religionswissenschaften an der Universität Zürich und spezialisiert für Fragen des Okkultismus, sieht keine Verbindung zu satanischen Kulten. «Das war sicher kein Gewaltakt, der durch eine satanische Gruppe ausgeführt wurde.»
Eine echt satanische Gruppe, meint Schmid, hätte weniger bekannte Symbole benutzt und ein grösseres Wissen satanischer Rituale zu erkennen gegeben.
«Die Tätergruppe zeigte das Symbol 666, das Pentagram und sie stellte das Kreuz auf den Kopf, aber diese Symbole sind jedermann bekannt. Dies zeigt, dass keine Experten am Werk gewesen sind.»
Unterschiedliche Motivation
Im Zusammenhang mit der Friedhof-Schändung rücken die Vandalenakte an protestantischen Kirchen im Kanton Waadt wieder ins Bewusstsein. In den letzten sechs Jahren wurden Kirchen in der Region Lausanne angezündet oder mit Graffiti verunstaltet.
Doch der Vandalismus bei Lausanne könne nicht verglichen werden mit der Zerstörung des Friedhofs in Luzern, ist Georg Schmid überzeugt. Die Motive seien zu unterschiedlich. Der Zweck der Vorfälle im Kanton Waadt sei gewesen, «die Christenheit und die Kirche zu schockieren, während die Tat in Luzern mehr «ein Angriff auf die Gesellschaft als Ganzes» gewesen sei.
Schmid interpretiert die Friedhof-Schändung denn auch als einen Ausdruck von Frustration. «Ich glaube, diese jungen Leute haben ein Problem damit, ihren Zorn auszudrücken.»
swissinfo
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