Swiss Days in Berne – Grosses Familienfest
Jung und alt, von fern und nah: Tausende besuchten in Berne im US-Bundesstaat Indiana die Swiss Days, mit denen das Städtchen jeweils Ende Juli seiner Schweizer Wurzeln gedenkt.
Zu den Attraktionen gehörte ein Konzert der knapp 13 Jahre alten Taylor Ware. Mit ihrem (amerikanischen) Jodel setzte sie einen der Schwerpunkte im diesjährigen Programm.
Das sonst so ruhige Städtchen im Herzland von Amerika wurde 1852 von einer Gruppe von Täufern aus dem Schweizer Jura gegründet. Bis heute legen die Nachfahren der ersten Siedler grossen Wert auf Traditionen aus der alten Heimat, wichtig ist insbesondere der Familienzusammenhalt.
«Es war ein grossartiges Fest, die Stimmung wunderbar und auch das Wetter spielte mit», zieht Bürgermeister John Minch gegenüber swissinfo Bilanz. «Ich verspürte zudem eine gewisse neue Energie.» Diese führt Minch unter anderem auf Änderungen im organisatorischen Bereich zurück.
Grosse Vielfalt
Die Swiss Days sind so etwas wie ein grosses Familienfest, das Leute aus allen Himmelsrichtungen einmal im Jahr zusammenbringt. Sie kommen von nah und fern, aus Chicago genauso wie aus Dallas oder Los Angeles. Eine Gelegenheit für viele, Verwandte und Bekannte zu besuchen.
«Was mich besonders beeindruckt hat, war die Vielfalt an Menschen, die hier friedlich zusammenkommen», sagt Minch. Das sei eine Botschaft, die Berne senden wolle: Eine familienorientierte Gemeinde, die auch Fremde willkommen heisst.
In der Tat ist die Vielfalt der Besucher und Besucherinnen auffallend. Neben den Nachfahren von Schweizern, Deutschen und Engländern, neben den orthodoxen Amischen, flanieren heute auch Menschen aus Lateinamerika und Asien durch Berne.
Aufgefallen ist dem Bürgermeister, dass sich in diesem Jahr auch die Amischen, die rund um Berne auf ihren einfachen Höfen leben, in grosser Zahl zeigten und sich unter die Leute mischten. Dies zeigte sich auch bei der grossen Parade am Samstag-Abend, als Hunderte von Schaulustigen die Strassen säumten.
Reise in die Vergangenheit
Eine Attraktion ist das Swiss Heritage Museum, ein Freiluft-Museum mit Gebäuden aus der Gründerzeit. Während der Swiss Days, erwacht das Leben in den alten Häusern: Bob und Joan führen vor, wie die Siedler vor 150 Jahren Käse machten – inklusive Kostprobe.
Im Luginbill House, einem Wohnhaus neben der Käserei hat Christine Beitler Nofziger den alten Herd eingeheizt und backt Kekse. Aus der Wohnstube nebenan kommen Harmoniums-Klänge. Anna V. Liechty ist gekommen, um ihr altes Instrument zu spielen.
«Ich bin jetzt 91 Jahre alt», erzählt sie in bestem Berndeutsch. «Als ich vor ein paar Jahren mit meinem Bruder in die Alterssiedlung zog, habe ich das Harmonium dem Museum vermacht.» Sie ist viel gereist, war unter anderem als Missionarin im Kongo tätig. In den 1960er-Jahren hat sie auch Bern und die Schweiz besucht.
Schweizerdeutsch geht verloren
Die heutige Generation spricht kaum mehr Schweizerdeutsch, etwas, das unterdessen bedauert wird. «Meine Eltern haben immer miteinander Schweizerdeutsch gesprochen, wenn sie nicht wollten, das wir Kinder verstehen, worum es geht», ist ein Satz, den man immer wieder hört.
Dass in diesem Jahr auch eine Gruppe aus der Schweiz an den Swiss Days präsent ist, stösst auf grosses Interesse. Viele der US-Berner waren noch nie in der Heimat ihrer Vorfahren. Für viele ist es ein Traum, den sie sich noch erfüllen möchten.
Amerikas jodelnder Jungstar
Musik hat in Berne bis heute grossen Stellenwert. So erstaunt es nicht, dass das Konzert von Taylor Ware sehr gut besucht ist. Zwar tönt ihr Jodel für Schweizer Ohren amerikanisch, aber für das hiesige Publikum ist ihre Musik klar mit der Schweiz verbunden.
«Potzdonner cha das Meitschi jodle» (Unglaublich wie das Mädchen jodelt), zeigt sich John Wanner, ein etwa 80 Jahre alter Nachfahre der frühen Siedler, begeistert.
swissinfo, Rita Emch in Berne, Indiana
1852 lässt sich eine Gruppe von 70 Mennoniten aus dem Jura in der Gegend nieder.
1871 wird die Gemeinde als Berne registriert. Erstmals fährt ein Zug durch Berne.
Die Eisenbahn-Verbindung bringt neue Einwanderer, zumeist aus der Schweiz und aus Deutschland. Die wirtschaftliche Entwicklung setzt ein.
Heute leben in Berne rund 4150 Personen. Um das Städtchen herum haben sich zudem etwa 4000 Amische angesiedelt.
Berne pflegt seine Schweizer Wurzeln. Die Nachfahren der Siedler legen Wert auf die Traditionen der alten Heimat.
Das Schweizer Erbe ist überall präsent, auffällig ist neben den vielen Schweizer Namen und Wappen an Geschäften und Wohnhäusern der Blumenschmuck, Geranien zieren Fensterbänke und Strassenränder.
Von den Schweizer Wurzeln zeugen nicht zuletzt die Familiennamen wie Graber, Amstuz, Lehmann, Neuenschwander, Liechty oder Sprunger.
Seit mehr als 30 Jahren finden in Berne jeweils Ende Juli die Swiss Days statt.
Organisiert werden sie von der lokalen Handelskammer.
Zum Programm gehören neben Schweizer Essen Musik, Tanz, Ausstellungen und andere Attraktionen.
In diesem Jahr zogen die Swiss Days schätzungsweise 25’000 Besucher Besucherinnen an.
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