Weihnachten in Kabul, Khartum, Kuba
In der Schweiz ist der Weihnachtsrummel vorbei, es wurde gekauft, gebacken und gebastelt. Aber nicht alle verbringen die Festtage in ihrer Heimat.
Drei im Ausland lebende Schweizer haben swissinfo erzählt, wie sie Weihnachten verbringen.
Über 600’000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland, viele in unseren Breitengraden, andere weit weg in fernen Ländern. Viele leben seit Jahrzehnten dort und sprechen teils keine der Schweizer Landesprachen.
Andere wiederum halten sich nur vorübergehend zum Studieren, Forschen, Arbeiten im Ausland auf, wieder andere hat die Liebe in die Ferne getrieben.
150 Schweizerinnen und Schweizer sind für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA im Ausland tätig. Mit drei dieser «Expats» hat swissinfo Kontakt aufgenommen.
Khartum, Sudan
Claudia Rizzo, humanitäre Koordinatorin der DEZA lebt seit gut zwei Monaten in Khartum, der Hauptstadt des Sudan.
Nichts komme ihr im Moment surrealer vor als das Wort «Weihnachten». «Mit Weihnachten bringe ich Kälte, Schnee, Familie, Weihnachtsbaum und Geschenke in Verbindung. Seit einigen Wochen befinde ich mich in einer der heissesten Städte der Welt, voller Palmen und umgeben von einer Wüstenlandschaft.»
Claudia Rizzo liebt vor allem das familiäre Zusammengehörigkeits-Gefühl in der Weihnachtszeit. Aus diesem Grund will sie versuchen, ihre hiesige Familie zu vereinen: Das sind die «Schweizer Experten», die während der Feiertage auch im Sudan bleiben, sowie Freunde und Bekannte.
Auch der Weihnachtsbaum darf nicht fehlen: Die Schweizerin will im Garten ihres Hauses eine kleine Palme mit Lichterketten schmücken.
Havanna, Kuba
Olivier Berthoud, seit mehreren Jahren Koordinator der DEZA in Kuba, verbringt den Heiligen Abend mit seiner Frau und den beiden Töchtern Sofia und Naya. Geschenke gibt es nur für die Kinder.
Im Haus der Familie ist eine selbstgebastelte Krippe aufgestellt, der Stall aus Legosteinen, das Dach aus Muscheln, welche die Kinder am Strand gesammelt haben.
Als Weihnachtsbaum dient ein Ficus, ein einheimischer Baum, der eine enorme Grösse erreichen kann und «in den heissen Sommertagen in den Strassen Havannas Schatten spendet».
In jenen Läden, in denen man mit Dollar bezahlen muss, seien Plastik-Weihnachtsbäume aus China erhältlich. Mit diesen kann Olivier Berthoud allerdings nichts anfangen.
«Wir haben immer einen Ficus verwendet. Wichtig ist uns das Symbol der Wiedergeburt in der Wintersonnenwende. Eine einheimische, gewöhnliche Pflanze eignet sich da bestens.»
Nachbarn hätten sie allerdings als knausrig bezeichnet und nicht verstanden, wieso ein Plastik-Baum mit elektrischen Lichtern für sie kein Symbol des Friedens und der Liebe sei.
Kabul, Afghanistan
Für Paul Rüegg, seit Mitte Mai dieses Jahres stellvertretender Koordinator in der afghanischen Hauptstadt, hat Weihnachten einen eher kleinen Stellenwert.
«Ich besuche zwei Weihnachtsmärkte, wo man Geschenke kaufen kann.» Einer sei von einem deutschen Restaurant organisiert, der andere von einer Entwicklungs-Organisation.
Von Weihnachtsstimmung sei im vorwiegend muslimischen Kabul nichts zu spüren – kein Wunder, sind von den gut drei Millionen Einwohnern doch nur gerade 12’000 ausländische Staatsangehörige.
Wer Geld habe, könne in Kabul alles kaufen, die Geschäfte seien voll. Leisten könne sich das alles aber nur eine ganz kleine Schicht.
Weihnachtsmahl
Claudia Rizzo hat im heissen Khartum für Weihnachten ein Fondue geplant und hofft, dass sie sich den dazu nötigen Käse sowie einen «petit stimulant» beschaffen kann.
«Zu einem guten Fondue darf nicht nur Wasser oder Tee – so gut der hier auch ist – serviert werden. Ein guter Schweizer Tropfen darf keinesfalls fehlen.»
Das fehlende Angebot, das in Kuba das ganze Jahr hindurch zu Versorgungsengpässen führt, bezeichnet Olivier Berthoud in der Weihnachtszeit als Segen. «Den hysterischen Konsumstress kenn man in Kuba nicht, welch ein Glück!»
Bis 1998 war Weihnachten in Kuba kein Feiertag, die Traditionen gingen verloren. Gross sei noch immer der Einfluss der afrokubanischen Riten. «Das typische Festmahl in Kuba besteht aus einem Spanferkel. Es schmeckt herrlich!»
Paul Rüegg in Kabul hat für Weihnachten eine Einladung seines Chefs: «Dort werden wir etwas Gutes essen.» Die meisten Ausländer feierten Weihnachten mit einem gemütlichen Zusammensein, nicht prunkvoll mit Truthahn und allem drum und dran.
Keine weissen Weihnachten
Klar fehle ihnen der Schnee an Weihnachten, sagt Olivier Berthoud aus Havanna, auch wenn weisse Weihnachten in den letzten Jahren in der Schweiz eher selten geworden seien.
«In Kuba sind die Temperaturen im Dezember ideal: Nicht zu heiss und nicht zu kalt.»
Auch für Claudia Rizzo gehören Schnee und Weihnachten eigentlich zusammen. Weihnachten hier sei schon merkwürdig: «Der Sudan ist ein mehrheitlich muslimisches Land. Vor wenigen Wochen ging der Ramadan mit dreitägigen Familienfeiern zu Ende.»
Im auf 2000 Metern Höhe gelegenen Kabul liegt zur Zeit nur wenig Schnee. «Es ist kalt bei strahlender Sonne, nur ein Zuckerhut liegt über den Bergen vor Kabul.»
Das Leben im kriegsversehrten Afghanistan sei schwierig, die Sicherheitslage prekär, die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sagt Paul Rüegg. Zudem sei das Leben in einer sehr fremden Kultur nicht einfach.
Daher habe er immer auch wieder Mal Heimweh. «Jetzt ist es abnehmend, weil ich Silvester in der Schweiz verbringe.»
swissinfo, Gaby Ochsenbein
Für die DEZA arbeiten gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
150 davon sind im Ausland tätig.
Das Jahresbudget der DEZA betrug im Jahr 2003 1,2 Mrd. Franken.
Die DEZA leistet binationale und multinationale Entwicklungs-Zusammenarbeit sowie humanitäre Hilfe.
Ein weiterer Bereich ist die Zusammenarbeit mit Osteuropa.
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