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#MeToo Sexuelle Belästigung: Schweizer Abgeordneter in Erklärungsnot



CVP-Nationalrat Yannick Buttet ist besonders für die Verteidigung der traditionellen Ehe und den Kampf gegen die eingetragene Partnerschaft homosexueller Paare bekannt.

CVP-Nationalrat Yannick Buttet ist besonders für die Verteidigung der traditionellen Ehe und den Kampf gegen die eingetragene Partnerschaft homosexueller Paare bekannt.

(Keystone)

Weil eine Strafanzeige wegen sexueller Belästigung gegen ihn hängig ist, hat die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) die Vizepräsidentschaft durch den Walliser Nationalrat Yannick Buttet ausgesetzt. Die Tageszeitung Le Temps machte am Donnerstag publik, dass der Politiker mit "unangemessenem Verhalten" im Parlament aufgefallen ist.

Die Leitung der Christlichdemokratischen Volkspartei zögerte nicht lange. Nur einige Stunden nach dem Bericht der Westschweizer Tageszeitung Le Temps über eine Strafanzeige gegen Yannick Buttet wegen sexueller Belästigung hat die Partei den Walliser Nationalrat "mit sofortiger Wirkung" von seinen Funktionen als Vizepräsident der CVP-Schweiz suspendiert.

Buttet habe dies selber beantragt, schrieb die Partei in einer Mitteilungexterner Link. "Für die CVP sind jegliche Übergriffe gegen die Integrität anderer Menschen inakzeptabel", hiess es weiter.

Der Artikel in Le Tempsexterner Link hat in der Schweizer Politik wie eine Bombe eingeschlagen. Diese ist sich solche Skandale eher nicht gewohnt.

Die Fakten: In der Samstagnacht vom 18. auf den 19. November wurde Buttet von der Polizei im Garten seiner Ex-Geliebten aufgegriffen. Der CVP-Politiker hatte nach Mitternacht an der Gegensprechanlage der Frau Sturm geläutet. Nachdem diese die Polizei gerufen hatte, versuchte sich Buttet im Garten zu verstecken, wo die Polizei ihn fand.

"Unkontrollierte sexuelle Bedürfnisse"

Le Temps informierte sich auch in Bern über das Verhalten des Wallisers. Dabei beklagten sich mehrere Abgeordnete und Journalistinnen anonym über dessen Entgleisungen, wobei sie deplatzierte Gesten und sogar "unkontrollierte sexuelle Bedürfnisse" erwähnten. "Es gibt keinen Spielraum für Interpretationen, er geht zu weit und kennt keine Grenzen", sagte etwa eine von ihnen unter Zusicherung der Anonymität.

Buttet, von der französischsprachigen Tageszeitung darauf angesprochen, erkannte die Tatsachen an: "Ich komme aus einer ernsthaften Ehekrise, die mein Urteilsvermögen und Verhalten beeinflusst hat. Diese Krise hatte hauptsächlich mit einer Frau zu tun. Das ist rein privat, und ich hoffe, dass dies respektiert wird. Mir ist heute bewusst, dass ich manchmal abends und unter Alkoholeinfluss, besonders in jener Phase des Zweifelns, unangebrachte Gesten gemacht habe, die gewisse Personen verstören oder verletzen könnten." Buttet entschuldigte sich im Artikel "bei allen Personen, die ich unbeabsichtigt verletzt habe".

Der Christdemokrat, Offizier in der Schweizer Armee, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist besonders für die Verteidigung der traditionellen Ehe und den Kampf gegen die eingetragene Partnerschaft homosexueller Paare bekannt.

Seit der Affäre Weinstein in Hollywood Anfang Oktober ist dies der erste Fall einer Strafanzeige wegen sexueller Belästigung gegen einen Schweizer Abgeordneten. Nach der Publikation des Falls äusserten sich auch Parlamentarierinnen dazu. So erklärte Céline Amaudruz, Nationalrätin der Schweizerischen Volkspartei (SVP), gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS, sie sei mehrmals Opfer von unangebrachten Gesten männlicher Kollegen in Bern geworden.

"Leider ist mir das mehrmals passiert, sei es ein bisschen moralische Belästigung, die bei Worten bleibt, seien es total unangebrachte Gesten, die einen wirklich darüber nachdenken lassen, ob man noch gemeinsam mit diesen Personen den Lift benutzen will", sagte Amaudruz.


(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub), swissinfo.ch/sj und RTS

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