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#WeAreSwissAbroad Luca Orduña: Schweizer Uhren für die Mega-Stadt Tokio

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Der 27-jährige Luca Orduña setzte alles auf eine Karte. Er ging mit 22 Jahren zum ersten Mal nach Japan und machte sich dort selbstständig. Der vom vielfältigen Essen und von der Natur faszinierte Abenteurer denkt auch jetzt noch nicht an eine Rückkehr in die Schweiz. In seinem Berufsleben hat er als Chef einer Distributionsfirma von Schweizer Uhren trotzdem enge Beziehungen zur Heimat.

swissinfo.ch: Wann und weshalb haben Sie die Schweiz verlassen?

Luca Orduña: Meine Eltern besitzen ein Reisebüro in Zürich, weshalb ich schon von klein auf die Möglichkeit hatte, die Welt zu entdecken und früh von den asiatischen Kulturen und Sprachen begeistert war. Während meines Studiums in St. Gallen besuchte ich einen Kurs über Kultur in Japan und war fasziniert von dieser facettenreichen Kultur.

Während dieses Kurses wurde ich auch das erste Mal auf die Schweizerisch-Japanische Handelskammer (SJCC) aufmerksam. Diese bietet ein Stipendium für junge Schweizer an, die ihrer Ausbildung ein Japan-Jahr hinzufügen wollen. Ich bewarb mich umgehend und hatte das Glück, mit einem Stipendium belohnt zu werden. Mit 22 Jahren ging ich also zum ersten Mal nach Japan.

swissinfo.ch: Wie waren die ersten Monate in Japan?

L.O.: Ich war begeistert von der Vielfalt in Bezug auf Kultur, Küche und Reiseziele. Ich realisierte jedoch auch, dass die Sprache zweifelsohne die grösste Hürde ist und kein Weg daran vorbeiführt, Japanisch zu lernen, wenn ich mich wirklich integrieren will. Dies führte in den ersten Monaten auch oft zu Frustrationsmomenten, da die Sprache auch aufgrund der Schriftzeichen enorm schwer zu erlernen ist.

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Es ist uns ein grosses Anliegen, auf swissinfo.ch Ihnen und Ihren Erlebnissen in Form von Porträts, Anekdoten und Geschichten eine Plattform zu geben.

(swissinfo.ch)

swissinfo.ch: Welcher Arbeit gehen Sie nach?

L.O.: Nach meinem Stipendium und Japan-Jahr war die grosse Frage "Wie weiter?". Genau zu diesem Zeitpunkt kontaktierte mich ein Kollege mit der Idee, uns selbständig zu machen und eine eigene Firma zu gründen. Die Idee war, eine auf Asien spezialisierte Distributionsfirma für Schweizer Uhrenmarken aufzubauen.

Wir waren ein Gründerteam von vier Leuten: Mein Geschäftspartner gründete den Hauptsitz in der Schweiz, eine Person in Hongkong, eine in Taiwan, und ich war zuständig, die Niederlassung "SwissPrimeBrands Japan Co. Ltd." in Japan zu gründen. Wir sind exklusiver Distributionspartner und Repräsentant für drei Uhrenmarken: Qlocktwo, Favre-Leuba und Romain Gauthier.

Es ist eine sehr intensive und lehrreiche Erfahrung für mich, von null eine Firma in einer fremden Kultur aufzubauen, Leute anzustellen und Kundenbeziehungen herzustellen.

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スイス人青年実業家オルドゥナさんとその同僚

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swissinfo.ch: Sich gleich ein Jahr nach der Ausbildung in Japan als Ausländer selbstständig zu machen, war sicher keine einfache Sache.

L.O.: Es war eine einmalige Konstellation und Gelegenheit, und ich setzte alles auf diese eine Karte. Wir erkannten einen klaren Bedarf für eine Distributionsfirma, die eng mit der Schweiz verbunden ist und Schweizer Uhrenmarken in Asien vertritt. Zudem hatten wir ein hungriges Team mit den richtigen Ressourcen.

Durch meine vorherige Arbeitserfahrung und meine Japanisch-Kenntnisse hatte ich bereits ein gutes berufliches Netzwerk in Japan, das den Start erleichterte. Die grösste Herausforderung war und ist es, Kundenbeziehungen aufzubauen. In Japan haben Kundenbeziehungen einen extrem hohen Stellenwert. Aus diesem Grund braucht es oft Geduld und jahrelange harte Arbeit, um eine Chance zu bekommen. Dies ist für ein Jungunternehmen natürlich nicht immer einfach.

swissinfo.ch: Wie kommen Schweizer Uhren in Japan an? Ist dort die Konkurrenz zu den Uhren aus Japan oder anderen Ländern hoch?

L.O.: Japan ist sowohl ein Konkurrent der Schweizer Uhrenindustrie als auch einer der besten Abnehmer für "Swiss Made"-Uhren. Japan ist neben Hongkong, den USA und China einer der wichtigsten Absatzmärkte für Uhren.

Meiner Meinung nach haben die Japaner ein sehr ausgeprägtes Verständnis von Qualität und schätzen Marken mit einer langen Tradition. Dadurch haben Schweizer Uhren in Japan eine hohe Glaubwürdigkeit und Präsenz.

Bezüglich der Konkurrenzfrage, kommt es natürlich stark darauf an von welchem Preissegment wir sprechen. Bei den Quarzuhren ist die Konkurrenz wesentlich grösser und kommt auch aus Japan selber. Die Japaner haben die Quarzuhr erfunden, die um 1970 die Schweizer Uhrenindustrie in eine grosse Krise stürzte. Im mechanischen Uhrensegment sind und bleiben Schweizer Uhren die Nummer 1 weltweit.

swissinfo.ch: Was finden Sie in Japan attraktiver als in der Schweiz?

L.O.: Das gesamte Umfeld ist für mich sehr spannend, mit Tokio-Yokohama als grösstes städtisches Gebiet der Welt und weiteren Ballungsgebieten wie Osaka-Kobe-Kyoto, Fukuoka, etc.

Ich schätze an Japan aber auch, dass das Land alles offeriert bezüglich Natur. Dank den vier ausgeprägten Jahreszeiten gibt es im Winter verschneite Berge mit Skigebieten und im Sommer warme Seen und das Meer für Wassersport und Schwimmen.

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河口湖 ウォータースキー

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Luca Orduña geniesst eine Runde Wasserski auf dem Kawaguchi-See.

Diese Attraktivität wird gesteigert, weil in Japan die Luft in den Städten sauber und die Infrastruktur inklusive öffentlicher Verkehr exzellent ist, wodurch man unkompliziert Wochenendausflüge unternehmen kann. Tokio ist zudem eine der sichersten und saubersten Städte der Welt, was aufgrund dieser Grösse bewundernswert ist.

Am meisten beeindruckt mich jedoch die Essenskultur in Japan. Die unzähligen Restaurants servieren das Beste aus der japanischen Küche und der ganzen Welt. Ich geniesse es, dass in Japan generell das Essen geteilt wird und dadurch um einiges sozialer ist. In der Mitte des Tisches werden zahlreiche Gerichte aufgetischt, und man kann von allem etwas probieren.

swissinfo.ch: Sie sind gut in der japanischen Wirtschaft integriert. Gibt es trotzdem Momente, in denen Sie sich wundern? Was ist der grösste Unterschied zur Schweiz?

L.O.: In Japan zu arbeiten, bedeutet für mich, dass ich täglich gefordert bin und meine Komfortzone verlassen muss. Innerhalb der Firma und mit meinen Kunden rede ich ausschliesslich Japanisch. Auch nach fünf Jahren in Japan gibt es immer noch Momente, wo ich die Feinheiten der Sprache nicht verstehen kann.

Japanisch ist stark situationsbezogen, man muss Beziehung, Position und Alter der gegenüberstehenden Person immer in Betracht ziehen. Dies macht es für mich manchmal schwierig, Dinge auf den Punkt zu bringen und klare Instruktionen zu geben.

Manchmal fehlt es mir auch ein wenig am "Thinking outside the box" und am Versuch, nicht nur Verbesserungen vorzunehmen, sondern neue, innovative Lösungen zu präsentieren. Da vermisse ich eine gewisse Flexibilität.

swissinfo.ch: Wo leben Sie gegenwärtig, wie ist das Leben dort?

L.O.: Momentan lebe ich im Zentrum von Tokio. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Restaurants es in der Umgebung gibt und geniesse es, neue Restaurants zu entdecken. Ich habe das Gefühl, dass es nie möglich sein wird, alle Restaurants auszuprobieren.

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Zwei Männer auf der berühmten Shibuya-Kreuzung in Tokio

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Luca Orduña (r.) mit einem Freund auf der berühmten Shibuya-Kreuzung.

Ich lebe ganz in der Nähe der berühmten "Shibuya-Kreuzung". Trotz der vielen Leute kommt mir die Stadt nie hektisch vor, da alle sehr rücksichtsvoll sind.

Zusätzlich bin ich begeistert von den Aktivitäten bei den Schweizern in Japan und sehe einen starken Zusammenhalt. Die Schweizer Botschaft, die Handelskammer und weitere Organisationen organisieren wöchentlich Events, von Networking über Vortragsreihen bis hin zu Sake-Tasting. Dies ist eine Bereicherung zum meinem Alltag und eine gute Gelegenheit mich mit Schweizern und an der Schweiz Interessierten auszutauschen. Japan und die Schweiz haben exzellente geschäftliche und bilaterale Beziehungen. Es ist mein Ziel, diese weiter zu stärken.

swissinfo.ch: Wie denken Sie aus der Ferne über die Schweiz?

L.O.: Die Schweiz ist und bleibt meine Heimat. Als Schweizer bedeutet es mir viel, ein Schweizer Produkt in Japan verkaufen zu können und täglich Kontakt mit Arbeitskollegen in der Schweiz zu pflegen. Ein Highlight ist es auch, meine japanischen Kunden in die Schweiz an die Basler Uhrenmesse einladen zu können.

Von der Ferne habe ich realisiert, dass die Schweiz sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen bietet. Zum Beispiel glaube ich, die Lehre ist ein wichtiger Grundpfeiler und mitunter ein Grund, dass die Schweiz international sehr kompetitiv ist. Im Ausland zu leben, zeigt mir auch immer wieder, dass die Schweiz ein sehr hohes Ansehen im Ausland geniesst und dadurch auch viele Vorteile für die Schweiz entstehen.

swissinfo.ch: Nehmen Sie an Schweizer Wahlen und Abstimmungen teil? Per Brief oder E-Voting?

L.O.: Ich sehe es als Privileg, wählen zu können und versuche mich aktiv mit den Vorlagen und Wahlen zu befassen. Ich stimme per Brief ab, war mir der Möglichkeit des E-Votings nicht bewusst, würde dies aber sehr begrüssen.

swissinfo.ch: Was vermissen Sie von der Schweiz am meisten?

L.O.: Meine Familie und meine Freunde. Egal, wie lange ich in Japan lebe, werde ich doch ein Ausländer bleiben. Dann vermisse ich es, mit meiner Familie auf dem Balkon am Zürichsee zu sitzen und zu grillieren.

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Schwäne auf Zürichsee

last days in zurich before moving back to Tokyo #lake #zurich #uetliberg #swan

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Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten, unter anderem zum Gastland und über dessen Politik, sind ausschliesslich jene der porträtierten Person und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.

Infobox Ende

swissinfo.ch (das Interview wurde schriftlich geführt)

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