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Das machen Schweizer Haushalte mit ihren 10'114 Franken Monatseinkommen

Für Wohnen und Mobilität geben Schweizer Haushalte viel Geld aus. Keystone / Martin Ruetschi

Zwangsausgaben, Wohnen und Verkehr: Dafür geben Schweizer ihr Geld aus. Im internationalen Vergleich trumpfen sie vor allem mit einer hohen Sparquote auf. Den Weltmeistertitel im Sparen erreicht aber mit grossem Abstand ein anderes Land.

Dieser Inhalt wurde am 23. November 2020 - 19:00 publiziert

Schweizer Haushalte nehmen immer mehr ein. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen im Land betrug im Jahr 2018 10'114 Franken pro Monat. Das sind knapp 200 Franken mehr als im Vorjahr – und sogar über 1500 mehr als im Jahr 2006, als die Daten erstmals mit dem aktuellen Verfahren erhoben wurden.

Zu drei Vierteln stammen die Einkommen aus Erwerbsarbeit, während Renten und Sozialleistungen etwa ein Fünftel zum Bruttoeinkommen eines durchschnittlichen Haushalts – bestehend aus 2,2 Personen – beisteuern. Einkommen aus Vermögen spielen für die grosse Mehrheit der Haushalte dagegen kaum eine Rolle, wie aus der am Montag veröffentlichten Erhebung des Bundesamts für StatistikExterner Link hervorgeht.

Ein Drittel für Zwangsausgaben

Interessant ist auch, wofür die Haushalte ihr Geld ausgeben. Knapp ein Drittel der Bruttoeinnahmen fliessen in Richtung Allgemeinheit, ans Steueramt, an die Sozialversicherungen und zu den Krankenkassen, deren Beiträge in der Schweiz obligatorisch sind. Diese Zwangsausgaben sind mit einem Plus von knapp 27 Prozent seit 2006 überproportional stark gestiegen.

Nach Abzug dieser Ausgaben bleiben dem durchschnittlichen Schweizer Haushalt 7069 Franken pro Monat, über die er frei verfügen kann. Wobei bei weitem nicht alle im Land mit so viel Geld haushalten können. Rund 60 Prozent der Haushalte müssen mit weniger als dem durchschnittlichen verfügbaren Einkommen auskommen.

Mit knapp 1500 Franken pro Monat ist das Wohnen der grösste der freiwilligen Budgetposten. Addiert man die Kosten für die Wohnungsausstattung und die Haushaltsführung hinzu, erhöht sich der Betrag fürs Wohnen sogar auf 1700 Franken im Monat.

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Aber auch die Mobilität lassen sich die Haushalte einiges kosten: Mehr als 750 Franken werden für Auto, Motorrad, Zug, Flugzeug, Velo und sonstige Verkehrsträger ausgegeben, wobei Autos mit Abstand den grössten Anteil ausmachen. Der Verkehr ist hinter dem Wohnen der zweitgrösste Budgetposten.

Immer weniger für Nahrungsmittel

Erst auf Rang drei folgen die Lebensmittel – mit 730 Franken pro Monat. Hier lässt sich ein Phänomen beobachten, das auch aus internationalen Vergleichen bekannt ist. Je höher nämlich das Einkommen, desto geringer ist der Anteil, der für Nahrungsmittel ausgegeben wird. Für die Schweiz heisst das konkret: 2006 gaben die Haushalte noch 8,6 Prozent ihres Bruttoeinkommens für Nahrungsmittel aus, 2018 waren es nur noch 7,3 Prozent.

Es überrascht nicht, dass innerhalb der Europäischen Union Rumänien 2017 das Land war, in dem die Nahrungsmittel den höchsten Anteil an den Konsumausgaben ausmachen. Ein Vergleich: In Rumänien, dem EU-Land mit dem zweitkleinsten kaufkraftbereinigten Pro-Kopf-Einkommen, wird mehr als ein Drittel der Konsumausgaben für Lebensmittel, Getränke und Tabak ausgegeben. In Grossbritannien, wo 2017 EU-weit der geringste Anteil der Konsumausgaben auf diese Kategorie entfallen ist, sind es nur etwa 14 Prozent – gleich viel wie in der Schweiz.

Umso mehr Geld geben die Bewohner reicher Nationen für Luxuswaren aus. In Grossbritannien beispielsweise fliessen 15 Prozent der Konsumausgaben in Kultur- und Freizeitangebote. Den Britinnen und Briten ist ihre Freizeit damit offenbar mehr wert als den Schweizerinnen und Schweizern: Hierzulande werden nur gut 10 Prozent der Konsumausgaben für Kultur und Freizeit ausgegeben.

Es gibt innerhalb von Europa aber auch augenfällige Abweichungen von dieser Daumenregel. Wirtschaftsprofessorin Galina Kolev vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln spricht von regionalen Präferenzen. So ist überraschenderweise der Anteil, der im Gastgewerbe ausgegeben wird, in Griechenland rund dreimal so gross wie in Deutschland.

1589 Franken für die hohe Kante

Doch zurück in die Schweiz: Von den ursprünglichen 10'114 Franken Bruttoeinkommen bleiben einem Durchschnittshaushalt nach Konsum (5296 Franken), obligatorischen Transferausgaben (2872 Franken) und sonstigen Ausgaben wie Spenden, Versicherungen und Gebühren noch 1589 Franken pro Monat oder rund 16 Prozent des Bruttoeinkommens zum Sparen übrig.

Mit ihrer Sparquote schafft es die Schweiz in internationalen Vergleichen regelmässig auf einen Spitzenplatz – zusammen mit Ländern wie Schweden, Luxemburg und Deutschland. Einsame Spitze in Sachen Sparen ist allerdings China mit einer Sparquote von rund 40 Prozent.

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