Hunderte trauern in Lutry um Brandopfer und fordern Gerechtigkeit
Mehrere hundert Menschen haben am Samstagnachmittag in Lutry zusammengefunden, um der Opfer von Crans-Montana zu gedenken. Es war die zweite Trauerfeier in der schwer getroffenen Waadtländer Gemeinde.
(Keystone-SDA) Vor Beginn des Trauermarsches versammelten sich Angehörige der Verstorbenen hinter einem grossen weissen Banner mit der Aufschrift «Hommage aux victimes de Crans-Montana. Justice et vérité» («Gedenken an die Opfer von Crans-Montana. Gerechtigkeit und Wahrheit») in schwarzen Buchstaben.
Vor Dutzenden Schweizer und internationalen Medien ergriffen Eltern der Verstorbenen nacheinander das Wort. «Wir stehen nicht vor Ihnen, um ins Rampenlicht zu treten. Licht muss auf Gerechtigkeit und Wahrheit fallen», sagte eine Mutter, die ihren Sohn verloren hatte.
«Heute bin ich Mutter von 156 Kindern», sagte ein anderes Elternteil auf Italienisch in Anspielung auf die Zahl der Opfer der Tragödie. Die Botschaft: «Nie wieder». Beim Brand in der Silvesternacht sind 40 Menschen ums Leben gekommen, 116 weitere wurden grösstenteils schwer verletzt.
Etwa 1000 Trauernde
Ab kurz nach 14.45 Uhr zogen die Trauernden durch die Strassen von Lutry, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Im Laufe des Trauermarsches schlossen sich demnach viele Menschen an. Schätzungsweise tausend Personen waren schliesslich daran beteiligt.
Sie waren angeführt von der Organisatorin der Veranstaltung, die den Opfern nahesteht. Sie hielt ein Schild mit der Aufschrift «Ihr seid nicht allein» in den Händen. Zahlreiche Menschen trugen Rosen.
Mehrere Opfer der Brandkatastrophe von der Silvesternacht lebten in Lutry. Besonders betroffen war der örtliche Fussballverein, da sich zahlreiche Junioren zum Zeitpunkt des Brandes in der Bar «Le Constellation» befanden. Sieben Mitglieder des Vereins kamen ums Leben.
Schweigemarsch auch im Tessin
Auch in Lugano fand am Samstag ein Schweigemarsch für Crans-Montana statt. Die Veranstaltung fand aufgrund der späten Uhrzeit und der zahlreichen Karnevalsfeiern, die zeitgleich im gesamten Tessin anstanden, allerdings wenig Beachtung. Etwa 50 Personen zogen still vom Seeufer in Richtung Stadtzentrum, wo eine Gedenkfeier durchgeführt wurde.
Zwei Privatpersonen veranstalteten den Marsch, um der Opfer zu gedenken und Solidarität mit den Angehörigen zu bekunden. Beim Brand kam eine 18-jährige Italo-Tessinerin aus Coldrerio im Süden des Kantons ums Leben.