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In Flims wird auch gearbeitet

Das Jahrhundert-Projekt Porta Alpina in Sedrun stösst bei den Parlamentariern auf grosses Interesse.

(Keystone)

Die dreiwöchige Herbstsession des eidgenössischen Parlaments in Graubünden wurde von vielen schon als "Wellness-Session" oder als Ferienlager bezeichnet. Doch es wird auch gearbeitet.

Und als die letzte Sitzung der ersten Woche am Donnerstag um punkt ein Uhr Nachmittags zu Ende war, hiess es für die Meisten: Nur weg von hier.

Das Programm liest sich wie das Menu eines Traumurlaubs: Wellness, Sauna, Wanderungen, Sport, Ausflüge, ein Baustellenbesuch tief im Innern der Erde und lockeres Entspannen in der Alpentherme. In der näheren Umgebung laden zauberhafte Seen zum Verweilen ein. Und das alles mitten in einem wunderbaren Alpenpanorama.

Auch die Atmosphäre im Park des Grandhotels Waldhof in Flims, wo das Parlament zu Gast ist, tut das Ihre dazu: Man fühlt sich zurückversetzt auf den Zauberberg, in die Gründerzeit der Schweizer Hotellerie. Schön gekleidete Menschen sitzen beim Kaffee. Daneben fordert ein Putting Green auf zum Einlochen.

Überall wird man freundlichst begrüsst vom Hotelpersonal, herausgeputzte WK-Soldaten sind diskret lächelnd für die Sicherheit zuständig. Im Besucherzentrum zeigt die Region, was sie zu bieten hat. Wer denkt da noch an Arbeit?

Höhere Präsenz

Doch der Schein trügt. "Wir arbeiten viel besser, die Präsenz im Saal ist höher", beobachtet der ehemalige Nationalratspräsident Yves Christen von der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP). Er hat eine Besprechung im Kaffee, dem "Vorzimmer" des Ständerats, der in einem Jugendstil-Pavillon tagt.

Anders als in Bern könne man hier nicht einfach kurz mal weg. "Wir sind wie in einem Seminar, gezwungen hier zu bleiben." Und beim Freizeitangebot komme es zu Kontakten zwischen den Parteien, was in Bern weniger der Fall sei. "Das ist positiv, dieser Kontakt."

Ueli Maurer allerdings stellt die Frage, "ob dies die Aufgabe des Sessionsbetriebs ist". Der Präsident der Schweizerischen Volkspartei (SVP) holt sich in der improvisierten, vergleichsweise eher ungemütlichen "Wandelhalle" neben der Tennishalle einen Apfel. Er persönlich hasse organisierte Aktionen. "Ich habe mein Bike dabei und gehe für mich alleine Biken. Das ist mein persönlicher Ausgleich."

Nationalrat

Der Nationalrat ist die Schweizer Parlamentskammer (Legislative) der Volksvertreter oder Abgeordneten (Grosse Kammer). Der Rat zählt 200 ...

"Verdammt zum Nichtstun"

Der Ratsbetrieb laufe nach der ersten Woche "einigermassen in Ordnung", so Maurer weiter. Vernünftig arbeiten könne man jedoch nicht, weil Arbeitsmöglichkeiten und Infrastruktur fehlten, alles sei ein wenig verzettelt. "Man ist verdammt zum Nichtstun hier oben."

Auch Simonetta Sommaruga bemängelt die wenigen Arbeitsplätze. Die sozialdemokratische Ständerätin hat zwischen Tennishalle und Pavillon kurz Zeit für einen Schwatz.

"Es ist nicht ganz einfach; man muss sich die Unterlagen anders beschaffen. Aber ich finde, alle haben ihr Möglichstes getan."

Hans Peter Gerschwiler, stellvertretender Generalsekretär der Bundesversammlung, ist verantwortlich für den störungsfreien Ratsbetrieb. "Aus Sicht der Betreiber ist es hier weitläufiger und aufwendiger, die gewohnten Dienstleistungen erbringen zu können als in Bern", betont er.

Ständerat

Der Ständerat ist die Schweizer Parlamentskammer (Legislative) der Kantonsvertreter (Senat, Kleine Kammer). Er zählt 46 Mitglieder, welche die ...

Störende Frequenzen

Nach der ersten Woche der "Sessiun" wirkt er etwas erschöpft. "Es war eine sehr spannende, arbeitsreiche Woche", sagt er rückblickend. "Insgesamt ein sehr erfolgreicher Start - ausser dem technischen Problem mit der Abstimmungsanlage."

Weil der Pegelstandsmelder eines Stausees und die Fernsteuerung eines Baukrans auf der gleichen Frequenz senden, musste im Nationalrat in der ersten Woche per Aufstehen abgestimmt werden. "Wir haben vielleicht ein bisschen unterschätzt, wie stark diese Signale hier sind", gibt Gerschwiler zu.

Es sei jedoch auch ein wenig Pech im Spiel gewesen, gibt er zu bedenken. Die Anlage sei vor der Session intensiv getestet worden. "Mit 200 Personen hat sie absolut einwandfrei funktioniert. Die reale Situation, wie sie am 18. September dann hier existierte, kann man jedoch nicht genau voraustesten."

Viel Arbeit hinter den Kulissen

Seit Donnerstagabend ist die Anlage nun bereit. Doch wenn einmal der Wurm drin ist, geht fast alles schief: Am Freitag platzte die Birne im Beamer, der die Resultate auf eine Leinwand projiziert. Und weil dieser über den Köpfen der Ratsmitglieder hängt, war an eine Reparatur nicht zu denken.

"Wir werden das am Freitag in Ordnung bringen, die Anlage wieder überprüfen", sagt Gerschwiler. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass sie am Montag technisch einwandfrei arbeiten wird. Aber ich habe mittlerweile gelernt, keine Garantien abzugeben, auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt."

Während für die Ratsmitglieder also bereits das Wochenende daheim begonnen hat, geht den Helfern hinter den Kulissen die Arbeit noch lange nicht aus.

swissinfo, Christian Raaflaub, Flims

In Kürze

Die eidgenössischen Räte, Nationalrat und Ständerat, treffen sich vom 18. September bis 6. Oktober zur Herbstsession in Flims im Kanton Graubünden.

Die Räte tagen in sehr unterschiedlichen Gebäuden. Während der Ständerat (Kleine Kammer) die Sitzungen in einem historischen Jugendstil-Pavillon abhält, ist der Nationalrat (Grosse Kammer) in einer Tennishalle untergebracht.

Grund für die Durchführung der Session "extra muros" sind die umfangreichen Renovationsarbeiten im Parlamentsgebäude in Bern.

Diese Session ist eine Hommage an die rätoromanische Schweiz, nachdem das Parlament zuvor die französische (Genf 1993) und die italienische Schweiz (Lugano 2001) mit einer Session beehrt hatte.

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Fakten

Die Kosten für die "Sessiun" betragen 3,5 Mio. Franken.
1,7 Mio. Franken wendet der Bund für die Verlegung von Bern nach Flims auf.
1,8 Mio. Franken werden in Graubünden ausgegeben.

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