Kanton Bern begrüsst Verkehrspläne des Bundes, Stadt ist enttäuscht
Der kantonale Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) hat sich am Mittwoch mit den Verkehrsinfrastrukturplänen des Bundesrats grundsätzlich zufrieden gezeigt. Sein Stadtberner Pendant Matthias Aebischer (SP) hingegen war frustriert.
(Keystone-SDA) Der Kanton begrüsst es laut Christoph Neuhaus, dass die Nationalstrassen im Raum Bern ausgebaut werden sollen. Doch er «überschäumt nicht vor Freude», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dies insbesondere mit Blick auf die niedrige Priorisierung des Bypass Bern-Ost. Wichtig sei aber, dass das Projekt überhaupt weiterverfolgt werde, so Neuhaus.
«Mässig erfreut» zeigte sich der Regierungsrat zudem über den wegfallenden Spurenausbau zwischen Schönbühl und Kirchberg – auch, weil der Westast in Biel nicht realisiert wird. Mit Aussicht auf die Nutzung des Pannenstreifens erhofft er sich dennoch einen flüssigeren Verkehr auf diesem Abschnitt.
Neuhaus konnte die Anliegen des Kantons gemeinsam mit Regierungsrätin Evi Allemann (SP) im Vorfeld beim Bundesrat einbringen. «Gehört heisst nicht zwingend erhört», aber ein Austausch habe stattgefunden.
Was den Zugverkehr betrifft, wird in der Region unter anderem der Grimseltunnel vorangetrieben. In den Augen von Neuhaus mache dies «absolut Sinn». Mit der Grundlagenplanung zu einer durch den Tunnel führenden Hochspannungsleitung sei man «gut unterwegs».
Ebenfalls wichtig im Bahnbereich seien nun die Folgeprojekte des ausgebauten Bahnhofs Bern, sagte Neuhaus und verwies unter anderem auf das zweite Gleis in Richtung Emmental, das Wendegleis Münsingen und die Entflechtung im Wankdorf. «Es braucht diese Seiteninvestitionen, um den neuen Bahnhof optimal auszunutzen.»
Projekt Bypass Bern-Ost sei faktisch abgebrochen
Konsterniert zeigte sich hingegen die Stadt Bern. In einer Mitteilung kritisierte sie den fehlenden Austausch mit dem Bund. Die Stadt habe erst zum Zeitpunkt der Medienkonferenz am Mittag von den Plänen des Bundesrats erfahren, sagte Matthias Aebischer auf Anfrage.
Die Stadt habe seit einem Jahr gewusst, dass das Projekt Bypass Bern-Ost heruntergestuft werden könnte. «Ich rechnete aber nicht damit, dass ein Projekt, an welchem zehn Jahre gearbeitet wurde, einfach auf die lange Bank geschoben wird.»
Er habe damit gerechnet, dass es in die Kategorie «Realisierungshorizont 2055» verschoben werde. Jetzt sei es noch weiter nach hinten gerutscht. «Das ist faktisch ein Projektabbruch.»
Wie es nun weitergehen soll, konnte Aebischer zunächst nicht sagen. «Wir müssen jetzt zuerst mit unseren Partnern schauen.» Dazu gehörten der Kanton, das Bundesamt für Strassen und die Gemeinden Muri sowie Ostermundigen. «Das wird nicht so einfach.»
Sicher sei nur, dass jetzt nicht bis ins Jahr 2055 gewartet werden könne, bis im Osten der Stadt etwas passiere. «Das wäre verantwortungslos.»
Nach wie vor hängig ist eine Beschwerde der Stadt Bern vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Plangenehmigung des Autobahnanschlusses Bern-Wankdorf. Die Stadt will eine Machbarkeitsanalyse abwarten und danach ihr weiteres Vorgehen bestimmen.