Kanton Bern weitet Ausbildungsmodell «Vorlehre plus» aus
Der Kanton Bern will sein Bildungsangebot "Vorlehre plus" für spät zugewanderte Personen ausweiten. Künftig sollen auch andere Berufsfachschulen das Ausbildungsjahr anbieten, das bislang ein Pilotprojekt der Technischen Fachschule Bern war.
(Keystone-SDA) Das hat die abtretende Bildungsdirektorin Christine Häsler (Grüne) am Mittwoch vor den Medien bekanntgegeben. So soll in der Technischen Fachschule (TF) Bern ab dem neuen Schuljahr zu den beiden bestehenden Klassen eine weitere Klasse hinzukommen. Abhängig von der Nachfrage sollen auch am «Centre de formation professionnelle Berne francophone» (CEFF) in St. Imier und dem Berufsbildungszentrum Biel (BBZ) Klassen eröffnet werden.
Das Brückenangebot sei bislang ein Erfolg, sagte Häsler. Dabei gehe es um weit mehr als berufsspezifische Fachinhalte. «Sie lernen die Sprache, gewinnen an Selbstvertrauen und erarbeiten sich einen Platz in der Gesellschaft und der Arbeitswelt.»
Den Wirtschaftsbetrieben helfe es, dass die Absolvierenden in der «Vorlehre plus» den beruflichen Einstieg fänden, sagte Daniel Arn, Präsident des Handels- und Industrievereins Kanton Bern. «Das sind Herausforderungen, welche die Betriebe unter Umständen nicht meistern können.»
Vom Pilotprojekt zum «Sonderfall»
Die Ausbildung sei kein Allheilmittel für die Bekämpfung des Fachkräftemangels, stellte Sandra Hess, Vizepräsident Berner KMU, klar. «Aber sie ist ein wichtiges Puzzleteil zwischen Kanton, Schule und Wirtschaft und sie fördert die Integration.»
Die «Vorlehre plus» sei inzwischen zwar kein Pilotprojekt mehr, aber schon immer noch ein Sonderfall, sagte Häsler. Der Kanton müsse sie noch national absichern und in seiner Gesamtbildungsstrategie festhalten. Bislang trage er die Kosten, wie bei den anderen Brückenangeboten auch.
Gewerbliches oder industrielles Profil
Bei der «Vorlehre plus» handelt es sich um ein einjähriges Brückenangebot. Sie soll die Absolvierenden auf eine qualifizierte berufliche Grundbildung und den Arbeitsmarkt vorbereiten. Sie richtet sich an spät zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene.
Die Absolvierenden werden in den Bereichen berufspraktische Ausbildung, schulische Ausbildung, Unterricht einer Landessprache und Berufswahlcoaching gefördert. Die Ausbildung fokussiert nicht auf einen Beruf, sondern einen Bereich. Aktuell im Angebot stehen das gewerbliche Profil Holz-Metall-Solar und das industrielle Profil Informatik-Elektronik-Mechanik.
Das Projekt startete im Sommer 2024 mit einer Klasse an der TF, ehemals «Lädere». Vom aktuellen Jahrgang haben laut TF-Direktor Matthias Zurbuchen von 20 Teilnehmenden drei noch keine Anschlusslösung für im Sommer gefunden.