Dialog im Mittelpunkt
Die 16. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Freiburg ist zu Ende. Die Organisatoren sind zufrieden. Der Grosse Preis geht einmal mehr nach Asien.
Der mit 30’000 Franken dotierte Grosse Preis, der Regard d’Or, geht zu dritten Mal in Folge nach Asien, nämlich an den südkoreanischen Film «Nakta(dul)».
«Park Kiyong ist es mit seinem Film ‚Nakta(dul)‘ (deutsch: Kamel/Kamele) gelungen, die Leere des heutigen Lebens auf schlichte Weise zu zeigen», sagte Yasmina Kassari, Präsidentin der Internationalen Jury.
Der in schwarz-weiss gedrehte Film spielt am Ufer eines Meeres, das man nie zu sehen bekommt. Bei den Protagonisten handelt es sich um ein Paar aus der Mittelschicht, das orientierungslos, einsam und müde durchs Leben geht. Die Stimmung ist beklemmend.
«Es ist immer toll, einen Preis zu bekommen», erklärte Park Kiyong gegenüber swissinfo. «Der Grosse Preis von Freiburg, der Regard d’Or, bedeutet für mich eine besondere Würdigung, denn ich hatte bei der Geldbeschaffung für diesen Film grosse Probleme.»
Das Publikum hatte dieses Jahr zwei Lieblingsfilme. «Ndeysaan» aus Senegal und «Una casa con vista al mar» aus Venezuela. Beide werden mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Zahlreiche Regisseure beehren Freiburg
Kiyong aus Südkorea war bei weitem nicht der einzige Regisseur am Internationalen Filmfestival Freiburg: Rund 50 Filmschaffende hatten den Weg in die Schweiz gefunden, darunter Grössen der so genannten Black Independent Film Makers, des Lateinamerikanischen Dokumentarfilms oder junge Talente aus der internationalen Filmszene.
Sowohl Festivalpräsident Charles Ridoré wie auch der künstlerische Direktor Martial Knaebel betonten die gute Stimmung und den Austausch unter den Anwesenden. Und in der Tat, im Festivalzelt herrscht jeweils eine herzliche Atmosphäre: Besucher sitzen gemeinsam mit Regisseuren aus aller Welt am Tisch und führen angeregte Diskussionen, und die Festival-Leitung ist präsent und schafft Kontakte.
«Ich kam mit unglaublich vielen engagierten Menschen ins Gespräch. Das habe ich noch nie an einem Festival erlebt», betonte Jörg Gfrörer, Regisseur von «Günther Wallraff: ganz unten.»
Der Süden – auch bei uns
Einen Riesenerfolg verbuchte das Panorama «Der Süden – Gebrauchsanleitung», das sich mit dem Begriff «Süden» auseinandersetzte.
«Wir haben unser Ziel erreicht», sagte Marina Mottin, die das Panorama zusammengestellt hatte. «In angeregten Debatten wurde klar, dass der Süden nicht nur geographisch definiert werden kann.»
Afroamerikanischer Film
Auch die Retrospektive «Schwarzamerika – zu befreiende Bilder» stiess auf reges Interesse: «Es ging uns darum, anhand der rund 20 Filme zu zeigen, dass über Schwarze zahlreiche Klischees herrschen, die revidiert werden sollten», betonte Beatrix Lienhard-Fernandez, welche für die Retrospektive verantwortlich war.
Mit den US-Amerikanern Charles Burnett, Billy Woodberry und Haile Gerima waren führende Regisseure des afroamerikanischen Films anwesend. Sie hatten in den 70er und frühen 80er Jahren die ersten Filme gedreht, welche ein unklischiertes, authentisches Bild der schwarzen Kultur vermitteln.
Positive Bilanz
Insgesamt können die Organisatoren des Internationalen Filmfestivals Freiburg mit dem Verlauf der diesjährigen Ausgabe zufrieden sein. Nicht nur wegen der guten Stimmung, sondern auch, weil die Zuschauerzahl gegenüber dem Vorjahr um 10% zugenommen hat auf rund 25’000.
Gaby Ochsenbein, Freiburg
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