Gespiegelter Blick
Im Reich der Bewegungen und des Theaters, im sogenannten Tanztheater ist in den letzten Jahren einer Company immer wieder ins Scheinwerferlicht getreten: Die Movers Dance Compagny. Dieses Jahr feiert die Schweizer Truppe ihr 15-jähriges Bestehen. In ihrem Jubiläumsprogramm werfen die Movers einen Blick in den Spiegel.
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer tanzttheatert am Besten im ganzen Land? Eine Frage, die sich nie wird schlüssig beantworten können. Zeitgeist, Publikums-Geschmack, Kritikergunst, Medienpräsenz und nicht zuletzt der Fluss der Sponsorengelder bestimmen heute massgeblich mit, wer die Tanzkrone trägt.
In der Gunst des Publikums und der Kritiker steht seit 15 Jahren die Movers Dance Company. Die Gruppe, 1986 vom Choreografen Bruno Steiner auf die Bühne gestellt, hat bis heute zehn abendfüllende Programme gezeigt. Ein jedes öffnete den Raum für bildstarkes, grenzüberschreitendes Tanztheater. Immer erkennbar: die Bühnenschrift von Bruno Steiner.
Wort-, aber nicht sprachlos
Ausgebildet zum Pantomimen, mit Weiterbildung in Clownerie und modernem Tanz, arbeitet Steiner seit 1966 unentwegt für seine Passion: das Theater ohne Worte. Eine Leidenschaft, die sich wie Steiner meint: «Aus meinem Hintergrund ergeben hat. Mich interessiert es Bilder zu zeigen, die Körper sprechen zu lassen. Und wie heisst es so schön, in der Beschränkung zeigt sich der Meister.»
Mit Tanz, Pantomime, Akrobatik und ungemein schönen Bildern, gelingt es Steiner immer wieder das Publikum in Erstaunen und Begeisterung zu versetzten. Er verführt in eine Welt, in der die Gesetze der Schwerkraft neu definiert werden, der Raum sich ausdehnt oder einengt, Gegenstände umgemodelt, Körper und Erwartungen verdreht werden. Ganz wies dem Meister beliebt.
Viel Geld, böse Kritiken
«vis-à-vis», die Jubiläumsproduktion wagt nun den Blick in den Spiegel. Gesponsert mit der für Schweizer Verhältnisse unglaublichen Summe von 1,2 Millionen Franken, eine der teuersten Tanzproduktionen der freien Schweizer Tanzszene, konnten sich die Movers einen grossen Spiegel und damit einen tiefen Blick leisten.
Will man den Kritikern und Kritikerinnen Gauben schenken, scheint es, als sei justament dieser gespiegelte Blick zu kurz geraten. Trotz eines riesigen Bühnenbildes aus Spiegeln, Live-Musik und fünf wunderbaren Tänzerinnen und Tänzern scheint der berühmte Funke nicht einfach, geschweige denn mehrfach von den Spiegel zurückgeworfen zu werden. Von «optischem und akustischem Pomp» (Zeitung der Bund) ist die Rede, «vergeblich wartet man auf einen multimedialen Sog» schreibt der Tages-Anzeiger. Auf die Kritiken angesprochen entgegnet Steiner: «Wir haben seit der Premiere am Stück gearbeitet, sind stringenter geworden.»
Und dem Publikum scheint die Produktion einmal mehr zu gefallen. Sie strömen in Scharen, etliche Vorstellungen sind ausverkauft und wer «vis-à-vis», die Geschichte einer Suche nach Glück sehen möchte muss sich beeilen. Auch gespiegeltes Glück ist nur beschränkt erhältlich.
Die Movers sind noch bis im Juni unterwegs.
Brigitta Javurek
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