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Grosses Publikumsinteresse – Dialog nicht immer gelungen

Von den Besucher-Zahlen her wäre alles klar: Die Wissenschafts-Woche war ein Publikums-Erfolg. https://www.ethz.ch/

Mit dem Festival "Science et Cité" hat sich die Wissenschaft während sieben Tagen in zehn Schweizer Städten unter das Volk gewagt. Der Andrang war gross. Dennoch: Über Sinn und Unsinn einer solchen Veranstaltung scheiden sich die Geister.

Die Wissenschaft ruft zum Dialog und keiner geht ihn. Diese Befürchtung habe sich als unbegründet erwiesen, sagt Elisabeth Veya, Geschäftsführerin der Stiftung «Science et Cité».

In Zürich hätten die Veranstaltungen am Wochenende 100’000 Interessierte angezogen, und auch die anderen neun Veranstaltungen seien gut besucht gewesen.

«Das Interesse des Publikums ist sicher da gewesen», bestätigt Christoph Schäublin, Rektor der Universität Bern.

Bürger fragen – Fachleute antworten

Projekte, wo Mitwirkung angezeigt war, hätten den grössten Ansturm gebracht, so die Bilanz der Veranstalter. Leider sei in der Deutschschweiz der Einbezug des Publikums zu kurz gekommen. Zu Wissenschafts-lastige Darbietungen hätten Überhand genommen. Bei solchen Anlässen seien vor allem ergraute, akademische Häupter gesehen worden.

Stände und Präsentationen lösen vornehmlich Frage-Antwort-Konversationen aus. Ein interessierter Laie steht einem Meister seines Fachs gegenüber. Ob so die Wissens-Kluft geschlossen und der Dialog mit der «Cité», den Bürgerinnen und Bürgern also, angekurbelt werden kann, bleibt dahingestellt.

Zu viel Selbstdarstellung

So zeugen Reaktionen von Besuchern zumindest von einer gewissen Verwirrung. Da schreibt etwa ein «Tages-Anzeiger»-Redaktor nach einem Streifzug durch die Zürcher Ausstellung: «Es war ein willkürliches Nebeneinander von Präsentationstafeln und Bildschirmen, von Experimenten und Shows, bei dem nicht klar war, wo das eine anfing und das andere aufhörte.»

Ein Dialog sei so nicht in Gang gesetzt worden, lautet sein nüchterner Kommentar. Ein Berufskollege bei der Zeitung «Der Bund» teilt diese Einschätzung. Eine tragfähige Beziehung könne nicht entstehen, wenn die Wissenschaft auf Selbstdarstellung statt Austausch setze.

Die angestrebte Annäherung zwischen Forschenden und Laien ist in der Westschweiz laut Veya besser gelungen. Die dortigen Veranstaltungen seien viel volksnäher gewesen. Ohnehin sei in der Romandie der Graben zwischen Gesellschaft und Wissenschaft viel kleiner als in der Deutschschweiz.

Dialog braucht Zeit

«Die Brückenbildung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist ein Prozess in mehreren Etappen», sagt Veya. Dass ein weiteres Festival auf die Beine gestellt werde, sei klar, der Zeitpunkt hingegen noch offen. Noch müssten viele Verbesserungen vorgenommen werden. So würden die Inhalte einzelner Veranstaltungen bei einer Wiederholung des Festivals sicher anders gestaltet.

Aus Fehlern lernen

Vorerst wollen die Veranstalter auswerten: «Die Qualität der Diskussionen muss untersucht werden», sagt Schäublin. Zentrale Fragen seien, ob kritische Gespräche stattgefunden hätten oder sich die Besucher und Besucherinnen lediglich berieseln liessen?

Er selbst sei bei den öffentlichen Diskussionen auf ein sehr animiertes Publikum gestossen, sagt der Rektor. Im gleichen Zug habe er aber feststellen müssen, dass Wissenschaftler und Laien oft aneinander vorbei redeten. Diese Anzeichen seien ernst zu nehmen.

swissinfo und Agenturen

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