Kartause Ittingen: Ikariden und Grüne Weiber
Etwa 20 Bronzeskulpturen der Thurgauer Bildhauerin Ursula Fehr sind von Sonntag (20.05.) bis zum 11. November in der Kartause Ittingen im Nordhof des Thurgauer Kunstmuseums zu sehen. Ausgestellt sind Ikariden und Grüne Weiber.
Ursula Fehr schafft seit mehreren Jahren immer wieder Figuren, die auf dem Mythos von Ikarus aufbauen: Der griechische Jüngling kam auf der Flucht mit selbst gefertigten Wachsflügeln der Sonne zu nah und stürzte ab.
Der Versuch, abzuheben
Fehrs Ikariden – es gibt männliche, weibliche und androgyne – sind Wesen, die einerseits bodenverhaftet sind, andererseits mit Flügeln versuchen, sich genau von diesem Boden zu lösen. Die Giacometti-schlanken Figuren aus Bronce wollen sichtlich abheben.
Sie hindern sich aber teilweise selbst daran, indem sie sich vielfüssig selbst im Weg stehen oder wahrhaftig Wurzeln geschlagen haben. Für Ursual Fehr «reicht ein Flügel, um wenigstens einen Versuch zu unternehmen». Den Versuch, «weiter zu kommen, einem weiteren Ziel entgegen zu streben».
Für Museumskurator Markus Landert skizziert Fehr mit den Ikariden ein zeitgenössisches Menschenbild: «Ihre Menschlinge können nicht fliegen, aber sie wissen, dass es möglich sein könnte. Sie verzehren sich vor Sehnsucht und Unfreiheit».
Grüne Weiber
Umgeben von den Ikariden präsentieren sich vier kleinere Skulpturen Fehrs – die «Grünen Weiber». Dabei handelt es sich um grün patinierte Bronze-Frauenfiguren, denen beispielsweise mehrere Beine wachsen, weil die Gegenwart so ist, dass man sie eigentlich gar nicht schnell genug verlassen kann.
Erstmals wird für Fehrs Ausstellung der Nordhof hinter dem Thurgauer Kunstmuseum in der Kartause Ittingen genutzt. Bisher diente der Raum zwischen Museum und Kloster-Aussenmauer als eigentlicher Abstellplatz. Jetzt hat ihn die Stiftung Kartause Ittingen, die auch die Fehr-Ausstellung anregte, für Ausstellungen nutzbar gemacht.
swissinfo und Agenturen
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